PodcastWarum die Politik mehr Zukunftsbewusstsein braucht

Anke Domscheidt-Berg
Anke Domscheidt-BergIMAGO / Mauersberger


Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Social Bots – Die Zukunft ist digital. Aber wie digital ist eigentlich Deutschland? Im Podcast „So techt Deutschland“ gewähren die besten Digitalexperten Einblicke in die Tech-Szene.


Mit Homeoffice, Homeschooling und Freunde treffen per Videokonferenz hat die Corona-Pandemie digitalen Medien und Tools den Rücken gestärkt. Gleichzeitig hat sie in vielen Unternehmen und Privathaushalten aber auch die Schwachstellen offengelegt, die rund um die Digitalisierung dringend geschlossen werden müssen.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Heimatort der Bundestagsabgeordneten Anke Domscheit-Berg: In Fürstenberg an der Havel setzt man längst auf dezentrale Vernetzung. Zusammen hätten sie in einer kleinen Gemeinschaft eine Kreativwerkstatt entwickelt. Ein ehemaliger Bahnhof wurde in einen Bildungstreffpunkt für Schüler umgebaut. Mit 3D-Drucker, Laserschneider, Rechner und vielen anderen Dingen. „Das ist auch eine Demokratisierung von Produktionsmitteln“, erzählt Domscheit-Berg.

Nach Ausbruch der Pandemie hätten sie es so geschafft, in Eigenregie zwischen 10.000 und 12.000 dieser Schutzvisiere für Ärzte und Krankenhäuser im sogenannten „Verstehbahnhof“ zu produzieren, sagt Domscheit-Berg. Weltweit habe man Erfahrungen ausgetauscht und täglich habe es Verbesserungen gegeben. „Das war eine so krasse Innovationserfahrung, wie ich sie noch nie erlebt habe“. Denn aus vielen Ländern habe sich eine Gemeinschaft zusammengefunden, um gemeinsam ein Problem zu lösen – unabhängig von globalen Lieferketten, die aber weiter wichtig seien. „Trotzdem sind die parallelen Strukturen nützlich für eine autonome und gestärkte Zivilgesellschaft“, sagt Domscheit-Berg.

Zukunftsliteratur als Pfllichtlektüre

Die Bundestagsabgeordnete ist parteilos, sitzt aber für die Linke im Parlament und vertritt dort vor allem Digitalthemen. Sie macht Netzpolitik und ist in vielen Gremien aktiv. Und sie ist auch begeisterte Leserin von Science-Fiction. Ihrer Meinung nach sollte manche Zukunftsliteratur Pflichtlektüre für Politiker sein. „Weil es viel besser vorstellbar macht, was mögliche Optionen für die Zukunft sind“, erzählt sie.

Politiker im Bundestag könnten sich die Zukunftsvarianten, die es möglicherweise gebe und die von ihren Weichenstellungen abhängten, nicht vorstellen. „Ich habe den Eindruck, viele meiner Kolleginnen und Kollegen sehen da nur Rauch“, sagt Domscheit-Berg. „Man müsse es sich vorstellen können, um zu wissen, welche Weiche man in welche Richtung drehen muss“, plädiert Domscheit-Berg für mehr Zukunftsbewusstsein in der Politik.

Was sie von der Luca-App hält und wie digital Bundesministerien in Zukunft aufgestellt sein sollten, erzählt die Politikerin in der neuen Folge von „So techt Deutschland“.


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