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Binnenschifffahrt Warum der niedrige Rheinpegel das Öl verteuern könnte

Die niedrigen Pegelstände am Rhein, wie hier in Emmerich, sorgen für Probleme bei Binnenschiffern
Die niedrigen Pegelstände am Rhein, wie hier in Emmerich, sorgen für Probleme bei Binnenschiffern
© IMAGO/Rüdiger Wölk
Der Rhein führt mal wieder wenig Wasser. Das ist problematisch für Binnenschiffer, die Deutschlands größte Wasserstraße nutzen. Vor allem Energieversorger trifft das hart

Die Trockenheit bereitet der deutschen Binnenschifffahrt massive Probleme. Weil der Pegel des Rheins und anderer Flüsse derzeit niedrig ist, können Reedereien viele ihrer Schiffe nur noch zur Hälfe befüllen. Denn mit mehr Ladung würden die Schiffe zu tief im Wasser liegen. Das belastet die Versorgung der Tankstellen, es droht ein Domino-Effekt.

„Schiffe können nicht mehr mit voller Ladung fahren, sodass zunächst die Frachtkosten steigen und später Schiffsfracht durch Lkw-Transporte ersetzt werden muss“, erklärt der Geschäftsführer des Zentralverbands des Tankstellengewerbes, Jürgen Ziegner. „Das kann schlussendlich zu Leerständen an Tankstellen führen, weil nicht genug Lkw für die Tankstellenversorgung zur Verfügung stehen.“

Ziegner verweist auf das Dürrejahr 2018, als der Rheinpegel im Oktober stellenweise unter 20 Zentimeter lag. Schon damals ging einigen Tankstellen in Nordrhein-Westfalen vorübergehend der Sprit aus. Die Kosten einer solchen Mehrbelastung tragen letztlich auch die Verbraucher. „Im November 2018 lagen die Kraftstoffpreise im vom Rheinniedrigwasser betroffenen Süddeutschland wegen der explodierenden Transportkosten um 20 Cent pro Liter höher als in Norddeutschland“, so der Branchenvertreter. Auch diesmal drohe eine Preiserhöhung.

„Versorgung ist anspruchsvoller“

Dem Lobbyverband Fuels und Energie, der große Mineralölunternehmen wie Total, Shell oder BP vertritt, bereitet das aktuelle Niedrigwasser ebenfalls Sorge. „Unsere Mitgliedsunternehmen können weiterhin alle Transporte bedienen, aber die Versorgung ist anspruchsvoller geworden“, sagt Pressesprecher Alexander von Gersdorff ntv.de. „Wir beobachten die Lage weiterhin genau.“ Dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zufolge könne sich die Situation jedoch rasch zuspitzen. „Erste Pegelstände im Rhein liegen bereits unter dem Niveau des Extremniedrigwasserjahres 2018“, warnt der BDI. 

Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße und verknüpft große Wirtschaftsstandorte wie Basel, Ludwigshafen, Duisburg und Rotterdam. Er ist vor allem in West- und Süddeutschland von großer Bedeutung für die Energieversorgung, da er wichtigen Raffinerien als Transportweg dient. Die größte Deutschlands, der Energy and Chemicals Park Rheinland in Köln, liegt unmittelbar an den Ufern des Flusses.

Derweil droht der Rheinpegel weiter zu sinken, denn in den nächsten Tagen sind keine größeren Regenfälle in Sicht. Der Messwert an der kritischen Stelle Kaub zwischen Mainz und Koblenz betrug am Nachmittag 67 Zentimeter. Ab einem Pegelstand von 40 Zentimeter ist eine Durchfahrt für Binnenschiffe dort nicht mehr möglich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf n-tv.de


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