GastbeitragVermögensteuer: Bedrohung für den Start-up-Boom in Deutschland

Symbolbild Finanzamtimago images / Olaf Döring

Die Wiedereinführung der Vermögensteuer ist Thema im Bundestagswahlkampf und findet sich in den Wahlprogrammen der Parteien. Die Diskussion über die Vermögensteuer wird allerdings unspezifisch geführt und eine Wiedereinführung teils mit der Finanzierung von Zukunftsaufgaben begründet. Zukunftsaufgaben und deren Lösungen sind ein Anliegen von Start-ups. Sie sind unverzichtbare Innovationstreiber für unsere Wirtschaft und deren zukünftige Ausrichtung geworden.

Thorsten Beduhn ist Partner der Managementberatung Rödl & Partner

Welche Auswirkungen eine Vermögensteuer auf Start-ups hätte, zeigt eine Studie des Bundesverband Deutsche Start-ups e.V. in Zusammenarbeit mit Rödl & Partner. In diesem Beitrag geht es darum aufzuzeigen, wie und in welcher Form eine Wiedereinführung der Vermögensteuer die allgemeine Gründungsaktivität reduzieren, Start-ups in den Frühphasen gefährden und mithin den Start-up-Boom in Deutschland insgesamt schwächen würde.

Für die Vermögensteuer ist die Bewertung des Start-ups entscheidend. Gelingt es einem erfolgversprechenden Start-up zur Umsetzung seines Vorhabens Investorengelder einzuwerben, kann das trotz fehlender oder nur geringer Umsätze und hoher laufender Verluste zu enormen Unternehmensbewertungen führen. Beispiele hierfür existieren im Biotech-Bereich. Diese Bewertung wäre Bemessungsgrundlage für eine Vermögensteuer, die fällig würde, auch ohne dass Gewinne innerhalb des Unternehmens oder Ausschüttungen auf Ebene der Gründerinnen und Gründer je realisiert würden. Es ist naheliegend, dass eine Wiedereinführung der Vermögensbesteuerung ambitionierte Gründer stark ausbremsen und die Gründungsaktivität reduzieren würde.

Auf Ebene der Start-ups ergeben sich folgende negative Effekte: Start-ups zeichnen sich in den Anfangsjahren durch (hohe) Verluste aus und sind zur Finanzierung des laufenden Geschäfts und des Wachstums auf Kapital externer Investoren angewiesen. Der Unternehmenswert eines Start-ups leitet sich daher vielfach aus Finanzierungsrunden ab und gründet sich auf einen erwarteten Erfolg in der Zukunft. Ein Scheitern ist denkbar. Das führt zu Situationen, in denen durch das Investment eines Investors dem Start-up erst ein Wert beigemessen wird, der dann Grundlage der Vermögensteuer ist. Mithin existiert der Wert des Unternehmens lediglich auf dem Papier. Da Gewinne zur Bezahlung der Vermögensteuer gerade in der Anfangsphase in der Regel nicht vorhanden sind, würde die Vermögensteuer das externe Kapital zur Finanzierung des Geschäftsmodells verringern. Das wiederum hätte geringere Unternehmensbewertungen in weiteren Finanzierungsrunden zur Folge.

Gründer wären kaum in der Lage, die Steuer zu zahlen

Es könnte eine negative Spirale in der Entwicklung der Bewertungen auslösen und hätte für deutsche Start-ups weitreichende Folgen, da sie im internationalen Wettbewerb schon heute mit besser finanzierten Start-ups beispielsweise aus den USA kaum mithalten können. Die weiteren Folgen wären ein Rückgang von Investitionen sowie Schwierigkeiten bei der Investorensuche bis hin zur Aufgabe – ein erhebliches Problem für das deutsche Start-up-Ökosystem im internationalen Wettbewerb.

Negative Effekte wären auch für die Gründer zu erwarten, die derzeit schon ein hohes persönliches Risiko tragen und in der Anfangszeit im Vergleich zu Jobs in der etablierten Wirtschaft ein geringeres Einkommen erzielen. Die Studie auf Basis von Befragungen hat ergeben, dass über die Hälfte der Gründer derzeit nicht in der Lage wäre, die Zahlung der Vermögensteuer auf ihr Vermögen – inklusive ihrer Anteile – zu leisten. Das würde bedeuten, dass Gründer Unternehmensanteile verkaufen müssten.

Negative Folgen einer Wiedereinführung der Vermögensbesteuerung könnten sich auch für den Standort Deutschland ergeben, denn es ist zu erwarten, dass Investoren stärker im Ausland und weniger in Deutschland investieren würden. Das legt die Studie nahe. Deutschland würde dadurch als Start-up-Standort insgesamt an Attraktivität verlieren und im internationalen Vergleich zurückfallen.

Fazit: Die Wiedereinführung der Vermögensbesteuerung würde junge und innovative Start-ups und ihre Gründer stark belasten. Geld, das in den Finanzierungsrunden eingeworben wird, müsste zum Teil für die Bezahlung von Vermögensteuer verwendet werden und stünde für die Entwicklung des Geschäftsmodells und dessen Durchsetzung am Markt nicht zur Verfügung. Damit einher ginge das Risiko eines sinkenden Unternehmenswertes und folglich weniger externen Kapitals aus den folgenden Finanzierungsrunden. Es wäre ein Rückgang in der Gründungsaktivität insgesamt zu erwarten, sodass der positive Trend bei Start-up-Gründungen stark gefährdet wäre. Deutschland ist aber auf eine innovative und wirtschaftlich starke Start-up-Szene angewiesen. Das zu gefährden, kann politisch nicht gewollt sein.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden