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US-Wahlkampf Steuererklärung: Was hat Donald Trump zu verbergen?

Donald Trump will wieder ins Weiße Haus 
Donald Trump will wieder ins Weiße Haus 
© IMAGO / Kyodo News
Donald Trump wehrt sich mit allen Mitteln dagegen, seine Steuerunterlagen offenlegen zu müssen. Vor Gericht erlitt er unlängst eine Niederlage. Was könnten die Dokumente über ihn enthüllen?

Seit Jahren versucht Donald Trump alles, damit niemand seine Steuererklärungen zu Gesicht bekommt. Er weigerte sich in Wahlkämpfen und während seiner Zeit als US-Präsident entgegen der in den USA üblichen Praxis beharrlich, die Dokumente zu veröffentlichen. Er wehrte sich verbissen dagegen, dass sie Staatsanwälten oder Parlamentsausschüssen zur Verfügung gestellt wurden.

Nun hat das Oberste Gericht der USA zwar entschieden, dass Steuerunterlagen Trumps einem Kongressausschuss zur Verfügung gestellt werden müssen. Ob Abgeordnete oder sogar die Öffentlichkeit tatsächlich Einblick erhalten, ist noch unklar. Denn erstens ist nicht bekannt, wann die Unterlagen eintreffen. Zweitens übernehmen zu Beginn des neuen Jahres die Republikaner die Kontrolle im Repräsentantenhaus - und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die laufende Untersuchung nach Kräften torpedieren oder besser noch beenden wollen, um Schaden von ihrer Partei und dem Ex-Präsidenten abzuwenden, der für die Republikaner 2024 erneut ins Weiße Haus einziehen will. 

Was hat Trump zu verbergen?

Eine gängige Vermutung ist, dass Trump bei weitem nicht so reich ist, wie er behauptet. Im Wahlkampf 2016 tönte er, 10 Mrd. Dollar schwer zu sein. Das wurde von vielen angezweifelt. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzte sein Nettovermögen damals auf etwa die Hälfte der Summe und derzeit auf 3,2 Mrd. Dollar. 

Das ist viel Geld, aber sehr viel weniger als Trump behauptet. Für Trump spielt Geld eine enorme Rolle. Oder wie er es ausdrückt: „Ein Teil meiner Attraktivität ist, dass ich sehr reich bin.“ In der populären Reality-Show „The Apprentice“ stellte er von 2004 bis 2015 als Hauptfigur einen extrem erfolgreichen Geschäftsmann dar. Zur Schau gestellter Reichtum ist ein Grundpfeiler seiner Marke - und seines Egos.

Krachende Pleite

Von daher wäre es für Trump unerfreulich, wenn aus den Steuerunterlagen hervorginge, dass viele seiner Geschäfte in der Vergangenheit sehr viel schlechter gelaufen sind als bekannt. Die „New York Times“ berichtete anhand von ihr zugespielten Steuerunterlagen, die bis zum Jahr 2018 reichen, dass Trump mit einigen seiner Projekte Hunderte Mio. Dollar verbrannte.

Trumps Geschäftsmodell sieht demnach so aus: Er nutzt seine Bekanntheit, um damit Geld zu verdienen. Neben seinen Hotels und Golfplätzen setzt Trump darauf, seinen Namen zu lizenzieren. Er stellt ihn für Projekte anderer zur Verfügung und kassiert dafür Lizenzgebühren. Den Großteil der Einnahmen, die er daraus zieht, nutzt er, um frisches Geld in seine schlecht laufenden Projekte nachzuschießen. Trump pumpte der Zeitung zufolge mehr Geld in viele seiner Projekte, als er herausbekam.

Manchmal geht das spektakulär schief. Etwa, als Trumps Kasino-Projekte in Atlantic City pleitegingen. Alleine bei der Pleite eines der Kasinos verloren die Gläubiger mehr als eine Milliarde Dollar, mehr als 1000 Menschen ihre Arbeit. 

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er die Pleiten nicht als pfiffige Restrukturierung verkaufen würde. Andere Projekte überlebten nur, weil sie entweder verkauft wurden oder Gläubiger Trump entgegenkamen und ihm einen Teil der Schulden erließen, weil sie eine Pleite mehr Geld gekostet hätte.

Ich spiele mit der „Fantasie“

Die Verluste aus gescheiterten Investments führten immerhin dazu, dass Trump viele Jahre kaum Einkommensteuern zahlte, da sie gegen Gewinne aufgerechnet wurden. Der „New York Times“ zufolge zahlte Trump 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar Einkommensteuer auf Bundesebene. 

Trump könnte es auch um etwas anderes gehen: Aus den Unterlagen könnten Geschäftsbeziehungen von Trumps Firmengeflecht mit ausländischen Geldgebern etwa aus Russland oder dem arabischen Raum bekannt werden. Es könnten Hinweise auf Interessenkonflikte in seiner Zeit als US-Präsident sein. 

Doch womöglich ist ihm am wichtigsten, das Bild vom reichen, erfolgreichen, smarten Geschäftsmann zumindest halbwegs zu bewahren. „Ich spiele mit der Fantasie der Menschen“, heißt es in dem Bestseller „Die Kunst des Erfolges“, den ein Ghostwriter für Trump schrieb. „Die Menschen wollen daran glauben, dass etwas das Größte, Großartigste und Spektakulärste ist. Ich sehe darin eine wahrheitsgemäße Übertreibung, eine harmlose Zuspitzung - und eine sehr effektive Form der Werbung.“

Dieser Artikel ist zuerst auf ntv.de erschienen. 

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