Kaufhaus-FusionRené Benko - der Wunderwuzzi

René Benko wurde 1977 in Innsbruck geboren. 2014 übernahm er die angeschlagene Waren­haus­kette Karstadt
René Benko wurde 1977 in Innsbruck geboren. 2014 übernahm er die angeschlagene Waren­haus­kette Karstadtdpa

Lift C gleitet in die 31. Etage. Ferngesteuert. Nicht jeder darf hinauf in die turnhallengroße Lounge, hinter deren Fenstern Berlin verschwimmt. Das „Upper West“ zwischen Ku’damm und Gedächtniskirche ist René Benkos jüngste Trophäe in Deutschland. Seinen „Dom“ nennt der Hausherr den Bau. Für Benko wird gerade ein Büro im Dachgeschoss eingerichtet, über der Lounge, in der er nur sehr selten neugierige Besucher empfängt.

Das österreichische Immobilienimperium Signa, Benkos Konzern, sollte hier ursprünglich nur als Mieter einziehen, für 30 Euro pro Quadratmeter. Doch dann bot sich die Gelegenheit zum Kauf. Für 1,5 Mrd. Euro übernahm Benko das „Upper West“ und vier weitere Tophäuser – es war der größte Immobiliendeal des vergangenen Jahres in Deutschland. Den Großteil der Büros kann Signa nun weitervermieten, für Quadratmeterpreise von bis zu 60 Euro.

Der Deal ist typisch für Benko, einen dieser Männer, für den es in Österreich das Wort „Wunderwuzzi“ gibt. Vom Schulabbrecher stieg er in kürzester Zeit zu einem der größten Immobilienunternehmer Europas auf. Mit 41 besitzt er heute Gebäude im Wert von 10 Mrd. Euro: die halbe Wiener City, dazu einige der prestigereichsten Adressen in Deutschland, das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg.

Schlagartig bekannt wurde Benko hierzulande, als er 2014 die dauerkriselnde Warenhauskette Karstadt kaufte, der nach 2009 bereits die zweite Pleite drohte. Niemand glaubte, dass ausgerechnet ein junger österreichischer Immobilienhai diese deutsche Ikone retten könnte. Doch drei Jahre nach der Übernahme schrieb Karstadt zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt wieder schwarze Zahlen.

Dennoch ringt Benko in Deutschland bis heute um Anerkennung. Während er daheim von Bundeskanzlern und Wirtschaftsbossen hofiert wird, bleiben hierzulande viele auf Distanz, denen Benko zu glatt ist, sein Konzern zu undurchsichtig, seine Geschichte zu gut, um wahr zu sein. Als er 2015 auch noch den Karstadt-Rivalen Kaufhof übernehmen wollte, nannten ihn die Gewerkschaften einen „Hasardeur“. Für andere ist er ein „Trickser“. Woher kommt dieses Misstrauen? Und wie steht es wirklich um Benkos Imperium?

Der Aufstieg

In einem plüschigen Ballsaal im Berliner Hotel Adlon trifft sich Mitte Februar die deutsche Immobilienwirtschaft. Wer dazugehören will, darf beim Jahresauftakt der Branche nicht fehlen. 3000 Euro Tagungsgebühr haben sie bezahlt, um einen Star ihrer Zunft zu sehen: René Benko. Sein Gastauftritt ist eine kleine Sensation, sonst bleibt der Signa-Gründer in Deutschland unsichtbar.

Der Stargast sitzt auf einem cremefarbenen Sofa: Fünftagebart, gebräuntes Gesicht, dunkler Anzug. Für das Interview hat Benko eine Bedingung gestellt: keine Fragen zu Kaufhof. Stattdessen erzählt er mit kehligem Tiroler Dialekt, wie er es ohne Abitur nach oben schaffte, von den Anfängen in Innsbruck, dem Sprung nach Wien. Warum er sich mit Anfang 20 einen Chauffeur leistete? „Mir war es einfach zu blöd, selbst zu fahren, wo ich doch in der Zeit Verträge korrigieren konnte.“ Den Erfolg habe er sich hart erarbeitet. „Talent allein reicht nicht.“