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Schraubendynastie Reinhold Würth: Ukraine-Krieg ist größte Krise meines Unternehmerlebens

Reinhold Würth, 87, machte aus dem Schraubenhandel seines Vaters einen Milliardenkonzern
Reinhold Würth, 87, machte aus dem Schraubenhandel seines Vaters einen Milliardenkonzern
© Marian Lenhard
Kaum ein Name steht so für Familienunternehmen wie Würth. Erstmals sprechen drei Generationen über das Geheimnis des Erfolgs, die Sorgen des Patriarchen über den Krieg – und 189.000 Briefe, die er in sieben Jahrzehnten geschrieben hat

Der schwäbische Schraubenmilliardär Reinhold Würth (87) fürchtet angesichts des Krieges in der Ukraine um den Wohlstand und die Sicherheit in Europa. „Ich bin in einem Ausmaß besorgt wie nie in meinen 73 Berufsjahren”, sagte er im Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin Capital (Ausgabe 09/22, EVT 18. August). „Was sich da zusammenbraut! Ob wir schon in einem Dritten Weltkrieg sind? Ich weiß es nicht. Aber die Situation erscheint mir fast unlösbar.” Er fügte hinzu: „Ich hoffe bloß, dass in einem halben Jahr noch alles steht, was wir hier aufgebaut haben. “ Ein nächster Weltkrieg sei so denkbar wie nie in seinem Leben. Angesprochen auf einen mögliche neuen Eisernen Vorhang in Europa sagte er: „Ich hoffe, dass ein solcher Vorhang nicht am Atlantik ist.”  

Management-Buy-Out in Russland 

Seit Ausbruch des Krieges hat die Würth-Gruppe ihr Russland-Geschäft auf Eis gelegt und plant den Rückzug. Derzeit werden die Restbestände verkauft, mit der Geschäftsführung arbeiten die Künzelsauer an Verträgen für einen Management-Buy-out. Eine Entscheidung, die ihm wegen seiner Liebe zu Russland und engen persönlichen Beziehungen zu Mitarbeitern vor Ort sehr schwergefallen sei, sagte Würth.

Hier geht es zum gesamten Interview:

Von seinen Sorgen über den Krieg berichtete Reinhold Würth in einem Capital-Interview, an dem zum ersten Mal drei Generationen der Unternehmerfamilie teilnahmen: Außer dem Patriarchen selbst seine Tochter Bettina Würth (60, Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe) sowie die beiden Enkel Benjamin (41), Sebastian (37) und Enkelin Maria (31), die alle ebenfalls im Unternehmen aktiv sind.

Erstmals Interview mit drei Generationen der Schraubendynastie 

Auch leichtere Themen kamen zur Sprache, etwa die Leidenschaft Reinhold Würths für Briefe. Wenn ein Brief von ihm kommt, ist es oft wichtig oder ernst. Sei es, dass eine Zahl falsch ist – oder er mit einer Entscheidung nicht zufrieden ist. Kurz gesagt: Seine Briefe werden im Unternehmen und der Familie geachtet und gefürchtet. Nun hat er in dem Interview erstmals erzählt, dass er seine Briefe nummeriert – und auch verraten, wie viele Schreiben er in den gut siebzig Jahren bis heute verfasst hat. „Standard ist der Brief, das ist bei mir Tradition. Ich bin jetzt bei 189.000“, sagte der Unternehmer. In seinen Briefen gehe es sowohl um strategische Fragen als auch um Nebensächlichkeiten – etwa leere Seifenspender in einer Firmenrepräsentanz in Berlin.  

Bettina Würth führt die Brief-Tradition ihres Vaters allerdings nicht fort. Auf die Frage, ob sie in der Familie daran festhalte, antwortete sie: „Um Gotteswillen, nein. Wir sind mit dieser Briefeschreiberei doch schon genug traumatisiert worden.“ Die Beiratschefin erzählte zudem, wie schwer für sie der Einstieg als Auszubildende ins väterliche Unternehmen gewesen sei. Der damalige Vertriebschef zum Beispiel habe sie wissen lassen: „Frauen brauch‘ ich nicht und die Tochter vom Chef schon gar nicht.“

Die Würths gehören zu den bekanntesten Unternehmerfamilien des Landes. Reinhold Würth übernahm 1954 mit 19 Jahren von seinem Vater Adolf Würth nach dessen Tod einen Schraubenhandel als Zweimannbetrieb, den er zum Milliardenkonzern aufbaute. Heute arbeiten 83.000 Menschen für die Würth-Gruppe, der Umsatz lag 2021 bei 17,1 Mrd. Euro. Das Unternehmen soll auch in Zukunft in Familienhand bleiben. „Ich habe das Unternehmen in Familienstiftungen eingebracht, so dass Streit eigentlich ausgeschlossen ist. Allzu oft habe ich gesehen, wie schöne Familienunternehmen gelitten haben unter dem Erbgang", sagte Reinhold Würth.


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