Bester Rat Reinhold Würth: „Bescheiden und dankbar sein”

Schrauben-Unternehmer Reinhold Würth
Schrauben-Unternehmer Reinhold Würth
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Der Schwabe hat aus einem Unternehmen mit zwei Mitarbeitern ein milliardenschweres Imperium geformt. Der beste Rat seines Lebens kam von seinem Vater

„Ein guter Rat ist Gold wert.“ - Unternehmerpersönlichkeiten geben die Ratschläge preis, die für ihre Karriere besonders wichtig waren. Autor Frank Arnold hat sie in seinem Buch „Der beste Rat, den ich je bekam“ zusammengetragen. Capital veröffentlicht Auszüge. Diesmal: Reinhold Würth

"Der beste Rat meines Lebens war die Entscheidung meines Vaters, mich nach Ableistung der acht Pflichtschuljahre von der Schule zu nehmen und mich als ersten Lehrling in seinem vier Jahre vorher gegründeten Unternehmen zu beschäftigen. Noch heute, 64 Jahre später, bin ich meinem Vater für diesen Rat und diese Entscheidung unendlich dankbar, denn über die Lehrzeit hinaus konnte ich noch zwei weitere Jahre bis zu seinem Ableben 1954 mit ihm zusammenarbeiten. Dadurch war ich wohlgerüstet, die kleine, solide Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern weiterführen zu können und wachsen zu sehen bis zu einer Unternehmensgruppe mit zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2012 und 63 000 Mitarbeitern.

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Hätte ich dagegen der Idee der Mutter folgend die mittlere Reife und Abitur und danach die Ausbildung zum Schulmeister gewählt, hätte ich wohl ein Leben lang eine ruhigere Kugel geschoben und wäre seit 15 Jahren pensionierter Lehrer. Dieser Werdegang ist für mich schwer vorstellbar, da ich noch heute meinen Beruf des Kaufmanns und Verkäufers als Lebenstraum empfinde.

Welchen Rat könnte ich der nachfolgenden Generation mitgeben? Zum einen, im größten Erfolg Dankbarkeit jenen gegenüber, die uns in der Vergangenheit begegnet sind und begleitet haben, nie zu vergessen. Außerdem hüte man sich wie der Teufel vor dem Weihwasser vor jeder Art von Arroganz! Die jugendliche Freude und den schieren Spaß am Wirken und Erfolgesammeln sollte man nie aus den Augen verlieren.

Wichtig: Manche Ereignisse, die wir im ersten Augenblick mit Enttäuschung oder auch Bitternis erfahren und zur Kenntnis nehmen, stellen sich wiederum im Zeitabstand von zehn oder 20 Jahren als große Glücksfälle heraus – ob von Heraklit oder nicht: »Panta rhei« ("Alles fließt") begleitet unseren Lebensweg tagtäglich, ob wir wollen oder nicht."

Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth ist Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe. Er trat 1949 als Lehrling in die 1945 vom Vater Adolf Würth gegründete Schraubengroßhandlung ein und musste diese mit 19 Jahren nach dem frühen Tod des Vaters weiterführen. Heute ist die Würth-Gruppe mit mehr als 400 Gesellschaften in über 80 Ländern vertreten. Reinhold Würth hat sich in seiner beruflichen Laufbahn intensiv mit psychologischen Themen wie Mitarbeitermotivation und Fragen der Berufsethik in einer sich wandelnden Gesellschaft befasst.


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