GameStopRegulierer nehmen Robinhood und Co. ins Visier: Wie es jetzt weitergeht

Robinhood schränkte zwischenzeitlich den Handel mit Aktien von GameStop, AMC und Co. ein. IMAGO / Future Image

Jetzt haben sie es auf Silber abgesehen. Nachdem Kleinanleger vergangene Woche die Aktienkurse von GameStop, AMC und Koss in die Höhe trieben, setzen sie nun auf das Edelmetall. Unter dem Hashtag „#silversqueeze“ verbreiten sich auf dem Reddit-Forum „Wall Street Bets“ Theorien, denen zufolge Banken ungedeckt auf fallende Silberpreise wetten. In dem sie den Silberpreis nun in die Höhe treiben, wollen die Kleinanleger die großen Banken in Bedrängnis bringen.

Vergangene Woche hatte es dieselbe Reddit-Gruppe auf Hedgefonds abgesehen und trieb gezielt Kurse derjenigen Aktien in die Höhe, auf deren fallende Kurse Hedgefonds gewettet hatten. So schossen unter anderem die Kurse von GameStop, AMC und Koss rapide in die Höhe.

Die ungewöhnlichen Aktivitäten rufen nun die US-amerikanische Politik und die Regulierungsbehörden auf den Plan. Die US-Börsenaufsicht SEC kündigte an, die Vorgänge zu beobachten. Extreme Schwankungen bei den Aktienkursen könnten die Anleger schnellen und schweren Verlusten aussetzen und das Marktvertrauen untergraben, heißt es in einem Statement. Die SEC rief betroffene Anleger auf, sich zu melden.

Der Financial Times zufolge dürften es die Regulierer schwer haben, wegen Marktmanipulation gegen die Trader selbst vorzugehen. Denn Marktmanipulation beinhaltet klassischerweise das Lügen – unklar ist, ob sich das auch im Falle der Reddit-Community nachweisen lässt.

Illegale Marktmanipulation?

„Wenn Sie den Leuten sagen, sie sollen ein Unternehmen böser Absicht kaufen, dann ist das Manipulation“, sagt John Coffe, Professor an der Columbia Law School und ehemaliger Rechtsberater an der New Yorker Börse gegenüber der Financial Times. „Aber diese Leute sind wahre Gläubige. Es ist nichts Illegales, übermäßig optimistische Äußerungen zu machen.“

US-Politik und -Justiz haben nicht nur die Kleinanleger selbst in den Blick genommen, sondern auch die Reaktionen einiger Trading-Plattformen. So schränkte beispielsweise Robinhood zwischenzeitlich den Handel mit Aktien von GameStop, AMC und Co. ein. Die Anleger konnten die Papiere zeitweise nur noch verkaufen, jedoch nicht mehr neu ankaufen.

Robinhood stellte später klar, man habe die Menschen damit nicht davon abhalten wollen, die entsprechenden Aktien zu kaufen. Man habe den Handel habe einschränken müssen, um die Anforderungen der SEC erfüllen zu können. Robinhood war nicht die einzige Trading-Plattform, die Beschränkungen in Kraft setzte. Auch Trade Republic sperrte zeitweise Kauforders für betreffende Aktien – eigenen Angaben nach aus technischen Gründen.

Regulierer nehmen Plattformen ins Visier

Genau solche Einschränkungen stehen nun im Zentrum der Überprüfungen durch die US-amerikanische Politik und Justiz. So schrieb beispielsweise der republikanische texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton, er habe Ermittlungen zu Robinhood und dem Messaging-Dienst Discord eingeleitet. Dieser hatte den offiziellen Server des Reddit-Forums „Wall Street Bets“ deaktiviert. Grund dafür sind laut Discord Hassrede, Gewaltverherrlichung und Verbreitung von Fake-News. Paxton sprach gar von einer „koordinierten Korruption einer Clique von Oligarchen“.

Auch die US-Börsenaufsicht SEC will die Beschränkungen von Trading-Apps überprüfen und untersuchen, warum die Trading-Plattformen Nutzer daran hinderten, hoch volatile Aktien zu kaufen. Man werde „die von den beaufsichtigten Unternehmen eingeleiteten Maßnahmen überprüfen, die Anleger benachteiligen oder ihre Fähigkeit einschränken können mit bestimmten Wertpapieren zu handeln.“