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Ralf Dümmel „Mehr als die Hälfte unserer Deals funktioniert langfristig“

Der gebürtige Bad Segeberger Ralf Dümmel ist zum zehnten Mal als Investor bei der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ dabei. Das Format macht ihm immer noch Spaß, sagt er im Interview – auch, weil die Gründer immer besser werden
Der gebürtige Bad Segeberger Ralf Dümmel ist zum zehnten Mal als Investor bei der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ dabei. Das Format macht ihm immer noch Spaß, sagt er im Interview – auch, weil die Gründer immer besser werden
© PR/Stefan Groenveld
Ralf Dümmel gehört zum Inventar von „Die Höhle der Löwen“. Im Interview erklärt er, ob seine neue Doppelrolle mit Co-Investor Georg Kofler aufgeht – und warum die neue Staffel aus seiner Sicht so ehrlich ist

Capital: Herr Dümmel, am Montag startet die zwölfte Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Sie sind bereits seit Staffel drei dabei, sind eigentlich ein Urgestein der Sendung – und müssen sich jetzt erstmals eine Couch mit ihrem Geschäftspartner Georg Kofler teilen. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

RALF DÜMMEL: Zunächst einmal war es natürlich ungewohnt, das muss ich ehrlich sagen. Spaß hat es trotzdem gemacht, weil Georg und ich uns bei den Deals eigentlich immer einig waren. Das haben viele vielleicht anders erwartet, es war aber so.

Gab es potenzielle Deals, die Sie ohne Georg Kofler abgeschlossen hätten?

Nein, definitiv nicht. Wir waren uns eigentlich immer schnell einig, welcher Pitch etwas für uns ist, und welcher nicht.

Wurden denn im Vorfeld irgendwelche Absprachen getroffen, in welche Branchen sie investieren möchten und in welche nicht?

Tatsächlich überhaupt nicht. Eigentlich war nur klar, dass wir Produkte wollen, die wir Omni-Channel verkaufen können, also auf möglichst vielen Vertriebskanälen. Das war immer das Modell, daran hat sich nichts geändert.

Sitzen Sie denn die gesamte Staffel zusammen auf einer Couch?

Nein, das ist nur eine einmalige Sache in der ersten Sendung. Danach nimmt jeweils nur einer von uns teil.

Das war bislang noch nicht bekannt. Wie hat das denn funktioniert? Hatten sie eine Standleitung zu ihrem Geschäftspartner Georg Kofler, der ja Aufsichtsratsvorsitzender ihres gemeinsamen Unternehmens ist? 

Nein, eigentlich hat jeder seine eigenen Entscheidungen getroffen, weil Abstimmungen zwischendurch kaum möglich waren. Aber warum sollten wir das auch tun? Wir sind in den vergangenen Jahren gut gefahren mit unseren eigenen Deals – natürlich nicht bei allen, aber bei den meisten.

Das Format geht bereits in seine zwölfte Staffel, sie sind das zehnte Mal dabei: Erleben Sie überhaupt noch Überraschungen?

Ja, auf jeden Fall. Die Gründer überraschen mich in jeder Staffel, und natürlich auch in dieser. Eigentlich sage ich immer, dass es jetzt die beste Staffel war – und ich weiß, das klingt langweilig – aber ich meine es aus voller Überzeugung. 

Warum? Ist das Format nach zwölf Staffeln nicht irgendwann auserzählt?

Nein, im Gegenteil. Ich glaube, dass das Format dadurch besser wird, weil die Gründer mittlerweile sehr gut wissen, worauf es beim Pitch ankommt. Insofern werden auch die Präsentationen immer besser.

Andere Wagniskapitalgeber wie Olaf Jacobi sehen das Format sehr kritisch und meinen, dass die allerbesten Start-ups gar nicht zu „Die Höhle der Löwen“ gehen, sondern eher zu professionellen Frühphasen-Investoren oder Top-Business-Angels. Wie stehen Sie dazu?

Wir können sehr zufrieden sein, aber es stimmt auch, dass nicht nur die allerbesten Gründer kommen. Da muss man nicht drumherum reden. Das ist aber auch völlig legitim, denn manche wollen zum Beispiel gar nicht ins Fernsehen. 

Ein anderer Vorwurf ist, dass die Abschlussquote bei den „Löwen“ ungewöhnlich hoch ist. Mit 135 Deals gelten Sie als einer der aktivsten „Löwen“. Ein normaler Wagniskapitalgeber schließt normalerweise fünf bis zehn Deals pro Jahr ab. Warum sind Sie so viel aktiver? 

Das kann man fairerweise nicht vergleichen. Andere Investoren gucken über den kompletten Markt und picken sich dort die Rosinen raus. Wir picken die Rosinen aus einem gut vorsortieren Markt raus – und nehmen da ja auch lange nicht jeden. 

Auf einen Deal in der Show erfolgt nicht zwingend ein Abschluss. Wie ist das bei Ihnen?

Unsere tatsächliche Abschlussquote, also ein Deal nach einem Angebot in der Show, war in der Vergangenheit tatsächlich sehr hoch und lag etwa bei 90 Prozent. Wir haben das sehr sportliche Ziel, dass das nicht schlechter wird. Das ist eine Quote, die es so in allen 26 „DHDL“-Formaten weltweit kein zweites Mal geben dürfte.

Inwiefern entspricht das Format denn der Realität? Es wirkt ja wie ein Tribunal: hier die „Löwen“, dort die Gründer, die vom Wohlwollen der „Löwen“ abhängig sind.

Ich kann nur sagen, dass die Sendung total ehrlich ist. Was anders ist als draußen, ist, dass wir vorher nichts wissen. Das macht die Sache natürlich etwas schwerer, wenn wir uns auch noch in 90 Minuten entscheiden müssen. In der Praxis ist das sicher etwas anders: Da trifft man sich erst einmal, zwei Wochen später noch mal, scannt zwischenzeitlich den Markt und berät sich. Das ist hier nicht möglich. Und trotzdem: Wir nehmen die Sache alle sehr ernst – „Die Höhle der Löwen“ ist keine Spendengala, und eine Zusage erfolgt auch mit dem klaren Ziel, den Deal später abzuschließen. Der Erfolg gibt uns Recht, dass das funktioniert.

Die Kreditplattform Creditsafe hat zuletzt ermittelt, dass das Ausfallrisiko von DHDL-Start-ups bei 2,5 Prozent liegt, und damit doppelt so hoch wie im gesamten Markt. Woran liegt das, wenn das Format doch so erfolgreich ist?

Die Zahlen haben mich auch überrascht und etwas verwundert. Die DHDL-Start-ups wurden nur mit allen deutschen Unternehmen verglichen statt mit allen Startups. Eine Quote von 20 Prozent, die scheitern, ist ja sogar sehr gering. Nicht umsonst sprechen wir von Risikokapital in der Start-up-Szene. Es gibt viele Erhebungen, wonach nur eines von zehn deutschen Start-ups das erste Jahr überlebt. Da kann ich nach neun Staffeln sagen: Unsere Quote liegt brutal viel höher. Die „Höhle der Löwen“ ist keine Erfolgsgarantie, aber mehr als die Hälfte der Deals funktionieren auch langfristig. Fakt ist: Wir hatten von 135 Deals bislang nur eine Insolvenz. Und bei Dingen, die wir geschlossen haben, sind die Gründer immerhin mit Gewinnen aus den Erstverkäufen rausgegangen. Da wurde irgendwann nur nichts mehr nachbestellt.

Krieg, Pandemie, steigende Zinsen: Das Umfeld für Investoren ist zuletzt deutlich schlechter geworden, viele Kapitalgeber sind daher vorsichtiger bei Investments. Wie ist das bei Ihnen?

Eine allgemeine, und eine konkrete Antwort: Ich mache das Geschäft jetzt seit 35 Jahren und habe alle genannten Dinge schon erlebt. Was ich noch nicht erlebt habe, ist, dass alle Dinge zeitgleich eintreffen. Natürlich verändert das den Markt, wenn die Leute weniger Geld zur Verfügung haben. Das zieht sich durch alle Bereiche. Auch für uns, vor allem im Einzelhandel. Und natürlich erschwert das auch die Situation für Start-ups, die noch nicht profitabel sind. Da werden wahrscheinlich die Firmenbewertungen etwas runtergehen. Für unsere Rolle bei DHDL ändert sich aber tatsächlich nichts. Wenn wir eine gute Idee sehen, dann investieren wir. 

Sind die Gründer bei DHDL denn schon mit geringeren Forderungen aufgetreten? 

Nein, das war jedenfalls nicht mein Eindruck. Dazu muss man aber sagen, dass die Drehs zwischen Januar und Mai stattgefunden haben – also noch vor und zu Beginn des Krieges. 

Und bei den Investoren? Waren dort einige zurückhaltender?

Nein, ganz und gar nicht. Ich hatte eher das Gefühl, dass es mehr Überraschungen gibt. Früher hat man zum Beispiel gesagt, Judith Williams investiert in alles rund ums Thema Beauty. Oder Carsten Maschmeyer in alles rund um das Thema Tech. Das hat sich geändert, die „Löwen“ sind unberechenbarer geworden. Insofern ist auch der Konkurrenzkampf untereinander härter geworden. Das macht es für die Zuschauer spannender.


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