AnalyseOpel-Sanierung - Tavares nächster Coup?

GM-CEO-Barra, PSA-Chef Tavares und Opel-Chef Neumann besiegeln den Verkauf des deutschen Autobauers
GM-CEO-Barra, PSA-Chef Tavares und Opel-Chef Neumann besiegeln den Verkauf des deutschen Autobauers
© dpa

Vor etwa 98 Jahren stand General Motors kurz vor dem Einstieg in den jungen europäischen Automobilmarkt. Das Unternehmen wollte Andre Citroëns gleichnamigen Automobilhersteller kaufen, doch der Deal platzte.

Ein Jahrhundert später wendet sich der Detroiter Autoriese an Citroëns derzeitigen Besitzer – PSA – damit der ihm hilft, den europäischen Markt zu verlassen. Peugeots Muttergesellschaft hat dem Kauf der deutschen Automarke Opel zugestimmt, die GM 1934 erworben hatte, um Zugang zu der Region zu erhalten. Der 1,3 Mrd. Euro-Deal macht Peugeot-Citroën-Opel zum zweitgrößten Automobilhersteller Europas hinter Volkswagen und erlöst GM von einem Markt, der ihm seit 1999 keinen Gewinn mehr gebracht hat.

Die Herausforderungen für PSA-Chef Carlos Tavares, der vor zwei Jahren die französische Auto-Gruppe vor dem Zusammenbruch rettete, sind immens. „Mit dem Turnaround bei PSA hat er geglänzt, aber was kann Tavares aus einem Geschäft machen, das in den vergangenen 15 Jahren knapp 20 Mrd. Dollar Verlust eingebracht hat“, fragt Stuart Pearson, Auto-Analyst von Exane BNP Paribas.

Um aus dem Deal einen Erfolg zu machen, muss Tavares die Verluste bei Opel eindämmen und bei der Integration der beiden Unternehmen aggressive Kosteneinsparungen durchsetzen. Gleichzeitig muss er die Kulturen der deutsch-amerikanischen und französischen Autobauer intakt halten.

Tavares will mit Opel expandieren

Tavares muss das alles machen, während er drei konkurrierende Marken auf dem europäischen Massenmarkt anbietet – einem margenschwachen Markt, der mit preisgünstigen Fahrzeugen gesättigt ist und wo die Finanzierungsmöglichkeiten die Verbraucher zu den Einstiegsmodellen von Premium-Marken wie BMWs 1-Serie oder den Audi A1 lockt.

Am Montag stellte Tavares seine Vision für die Zukunft des Unternehmens vor: Opel und Vauxhall sollen ihre Stärken in Deutschland und Großbritannien ausspielen – wo PSA schwach ist. Tavares will den Marktanteil in Europa erhöhen und die Marke Opel für eine Expansion außerhalb Europas nutzen. „Wir beabsichtigen, bei PSA und Opel/Vauxhall in ihre jeweiligen Markenidentitäten zu investieren“, sagte er und wies daraufhin, dass in vielen Märkten – vor allem in Asien – deutsche Marken prestigeträchtiger seien als französische.

Aber Tavares deutete auch das große unausgesprochene Problem hin, als er sagte, dass der „Turnaround“ beschleunigt werden müsse. Das Thema löste in Großbritannien und Deutschland Angst vor Jobverlusten aus, was Regierungen und Gewerkschaften zu scharfen Interventionen veranlasste.

Tavares versprach, Opel und seine britische Vauxhall-Marke in die Gewinnzone zurückzuführen. Im Zeitraum von drei Jahren soll die operative Marge zwei Prozent erreichen und bis 2026 sechs Prozent, flankiert von Kosteneinsparungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro. Nach Analysteneinschätzung ist das keine leichte Aufgabe. GM hat seit 1999 keinen Gewinn mehr gemacht und seit 2010 mehr als 8 Mrd. Dollar Verluste hinnehmen müssen. „Das ist eine gewaltige Aufgabe, auch für uns“, sagte eine Person von PSA, als die Bedingungen des Deals ausgearbeitet wurden.