CO2-StudieMunich Re: keine Kohle für Kohle

Firmenzentrale der Munich Reimago images / Eibner

Hurrikane, Buschfeuer, Überschwemmungen: Naturkatastrophen aller Art gehören für den Versicherer Munich Re zum Geschäft. Doch was früher die Ausnahme war, wird mit dem Klimawandel immer mehr zur Regel. Nie gab es etwa mehr tropische Wirbelstürme im Atlantik als 2020: nämlich 30. Naturkatastrophen verursachten 2020 weltweit Schäden in Höhe von 210 Mrd. Dollar – darunter auch solche, die sich unmittelbar in der Bilanz des Konzerns niederschlagen. Seit Jahrzehnten warnt die Munich Re deshalb vor dem menschenverursachten Klimawandel.

Weil Appelle an die Wirtschaft alleine nicht fruchteten und die Politik sich zu keinem CO2-Preis durchringen konnte, hat das Unternehmen Ende 2018 entschieden, seine Strategie zu ändern. „Wir wollten uns nicht zurücklehnen und warten, bis die Politik die Probleme löst“, formuliert es Michael Menhart, Leiter Economics, Sustainability & Public Affairs bei Munich Re. Denn, so die Grundüberzeugung der Konzernleitung: „Die Pariser Klimaziele müssen aus humanitären, ökologischen und ökonomischen Gründen erreicht werden.“

Munich Re versichert keine neuen Kohlekraftwerke

Seit 2018 investiert der weltweit größte Rückversicherer deshalb weder in Aktien noch Anleihen von Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen. Außerdem werden grundsätzlich keine neuen Kohlekraftwerke oder -minen in Industrieländern mehr versichert. Ausnahmen gibt es in Einzelfällen, etwa für Schwellenländer, erklärt Menhart. Für den Konzern sei das „ein spürbarer Verzicht, wir geben definitiv Geschäft auf“.

Es ist ein Ausstiegsplan, der die grüne Transformation beschleunigt. Denn der Konzern legt weltweit gewaltige Summen an: rund 250 Mrd. Euro Kapitalvermögen – das ist mehr als das BIP von Portugal. Davon entfiel zuvor ein rund dreistelliger Millionenbetrag auf Investitionen in CO2-lastige Energien. Hinzu kommt der Rückzug als Versicherer von Kohleminen und -kraftwerken.

„Es wäre ein unglaublicher Erfolg, das Wachstum vom Verbrauch von fossiler Energie zu entkoppeln“

Michael Menhart

Bis 2025 will der Konzern bei seinen Investments 35 Prozent Klimagase einsparen, ebenso in seinem Versicherungsgeschäft. Mithilfe der Unternehmenstochter HSB Solomon wurde eine Methode gefunden, die Kohlendioxidemissionen einzelnen Versicherungen zuzurechnen. Bis 2040 plant der Konzern den kompletten Ausstieg aus der Kohle als Investment und als Versicherung. „Kohleverstromung ist mit Klimafreundlichkeit nicht vereinbar“, urteilt Menhart.

Einen schnelleren Ausstieg halten sie bei Munich Re allerdings für nicht machbar. „In vielen Ländern würde das zu ökonomischen und sozialen Verwerfungen führen“, erklärt Menhart. „Es wäre ein unglaublicher Erfolg, das Wachstum vom Verbrauch von fossiler Energie zu entkoppeln.“

Auch bei den hauseigenen Emissionen, die sich bei Versicherungen auf eher geringe Posten wie Dienstreisen und Druckerpapier beschränken, wird weiter reduziert. Im Konzern selbst ist der CO2-Fußabdruck jedes einzelnen Mitarbeiters seit 2009 um rund 44 Prozent geschrumpft, seit 2015 ist das Unternehmen klimaneutral durch Zertifikatezukauf. Bis 2025 wollen sie die Emissionen pro Mitarbeiter noch einmal um zwölf Prozent reduzieren, um bis 2030 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

  • CARR-Wert (in Prozent) 28,3
  • Emissionsintensität 1,4
  • CO2-Emissionen (in Tonnen) 71249

Die vollständige Tabelle mit allen Ergebnissen der CO2 Studie sowie Hinweise zur Methodik finden Sie hier: