CO2-StudieDeutschlands klimabewusste Unternehmen

Still life image of a globe being washed by a hand with a sponge to symbolise cleaning and saving the planet.Ilka & Franz/Getty Images

Der Klimaschutz gewinnt in der deutschen Wirtschaft einen immer höheren Stellenwert. Dies zeigt die erste Auswertung von CO2-Emissionsdaten von 2000 börsennotierten Konzernen, großen Mittelständlern und Familienunternehmen in Deutschland durch das Datenportal Statista und Capital (2/2021).

Im Zentrum der Studie stand die Frage, welchen Unternehmen es gelingt, CO2-Emissionen zu reduzieren, ohne dadurch Umsatz- oder Produktionswachstum einschränken zu müssen. An die Spitze der Untersuchung setzte sich der Onlinehändler Zalando, der die Intensität seiner CO2-Emissionen in den vergangenen vier Jahren um 40,9 Prozent reduzieren konnte. Den größten Effekt erzielte der stark wachsende Modehändler durch die Umstellung auf erneuerbare Energie in seinen Büro- und Logistikzentren. Zalando ist als reine Vertriebsplattform dabei zunächst in einer vergleichsweise günstigen Ausgangslage, da das Unternehmen weder eigene Produktionsstätten noch eine eigene Transportflotte für die Auslieferungen und Retouren besitzt. In die Berechnung für das Ranking flossen nur die CO2-Emissionen im eigenen Betrieb ein.

Unter den 100 besten Unternehmen im Ranking reduzierten auch der Gartengerätehersteller Gardena, die Versicherung Barmenia und der Elektronikhändler Ceconomy ihre Eigenemissionen (die sogenannten Scope-1- und Scope-2-Emissionen) in Relation zum Umsatz um ein Drittel. Knapp ein Drittel aller Unternehmen kam auf eine CO2- Reduktion von bis zu 15 Prozent. Alle 100 Spitzenreiter haben zuletzt rund 222 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen produziert. Zum Vergleich: In Deutschland lagen die gesamten CO2-Emissionen im vergangenen Jahr laut einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende bei rund 722 Millionen Tonnen.

Die 100 Unternehmen mit der höchsten Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen in Relation zum Umsatz werden im Rahmen der Untersuchung von Capital und Statista als „Klimabewusste Unternehmen Deutschlands“ ausgezeichnet. Für das Ranking wurden die Eigenemissionen (Scope 1 und 2) herangezogen. „Häufig machen aber indirekte Emissionen, die unter die so genannten Scope 3 Werte fallen, den größten Teil der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens aus“, sagt Michael Bausch, der als Analyst bei Statista für die Studie zuständig ist. „Diese Daten werden aber leider noch nicht vollständig, nicht einheitlich und auch nicht von allen Unternehmen veröffentlicht.” Von den ausgezeichneten Unternehmen weisen 70 diese Werte seit 2018 in ihrer Bilanz mit aus. Das wird im Capital-Ranking hervorgehoben auch wenn in vielen Fällen Vergleichswerte aus Vorjahren noch fehlen. „Das soll zumindest Anerkennung, aber auch Ansporn für noch dezidiertere und transparentere Klimabilanzen sein“, so Bausch.

 

Methode: Wie wurde gewertet?

Untersuchung

Die Experten des Datenportals Statista haben mit Capital verglichen, wie erfolgreich deutsche Unternehmen bei der Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen sind. Dazu waren alle börsennotierten Konzerne ebenso wie große Mittelständler und Familienunternehmen aufgerufen, ihre Daten zu Treibhausgasemissionen mitzuteilen. Parallel hat Statista die öffentlich zugänglichen Zahlen etwa aus Nachhaltigkeits- und Umweltbilanzen erhoben. Die Untersuchung lief von Mitte September bis Ende Oktober 2020. Die Daten von rund 2000 Unternehmen wurden dabei ausgewertet. Im Zentrum der Studie stand die Frage, welchen Unternehmen es gelingt, CO-Emissionen zu reduzieren, ohne dadurch Umsatz- oder Produktionswachstum einschränken zu müssen – ökonomischer Erfolg und ökologisches Bewusstsein werden hier gleichermaßen einbezogen.

Datengrundlage

Dazu erhob Statista zunächst die relevanten Emissionsdaten: Das sind nach den international üblichen Standards die sogenannten Scope-Werte. Zum Scope-1-Wert zählen direkte Emissionen von Treibhausgas (THG) des Unternehmens, die etwa bei der Produktion anfallen. Zum Scope-2-Wert gehören indirekte THG-Emissionen aus dem Energieverbrauch des Unternehmens, der sich nach den jeweiligen Ressourcen wie etwa Atom-, Kohle- oder Windenergie berechnet oder spezifisch durch entsprechende Zertifikate nachgewiesen werden kann. Für das Ranking wurden jeweils die aktuellsten Scope-1- und Scope-2-Emissionen zu einem THG-Wert summiert und ins Verhältnis gesetzt zu einem Vorwert, der mindestens zwei Jahre zurückliegen muss: also etwa die THG-Werte von 2019 im Vergleich zu 2017. Eine Spanne von bis zu fünf Jahren konnte betrachtet werden, wenn Unternehmen bereits Zahlen für 2014 ausweisen. Da einige Unternehmen eine solche Umweltbilanz nicht jährlich oder mit zeitlicher Verzögerung veröffentlichen, stammen die aktuellsten Werte entweder von 2019 oder von 2018. Somit variieren die betrachteten Perioden von 2019 bis 2014 (s. Tabelle).

Berechnung

Die Summe der Emissionen aus Scope 1 und 2 wurde dann ins Verhältnis zum Umsatz des jeweiligen Berechnungsjahrs gesetzt. Aus dieser Emissionsintensität lässt sich die durchschnittliche jährliche Emissionsreduzierung in Prozent berechnen. Das ist der sogenannte CARR-Wert (Compound Annual Reduction Rate), der für alle Unternehmen vergleichbar ist (s. Tabelle).

Eine Beispielrechnung:

Bei einem Unternehmen, das im Jahr 2014 einen Umsatz von 10 Mio. Euro erzielt hat, sind 100 Tonnen CO angefallen. Erster Rechenschritt:

100 : 10 = 10

Dieses Unternehmen hat 2019 den Umsatz auf 12 Mio. Euro gesteigert und noch 90 Tonnen CO produziert. Zweiter Rechenschritt:

90 : 12 = 7,5

Diese beiden Ergebnisse werden in die folgende Formel eingesetzt:

Das Ergebnis ist der CARR-Wert von 5,6 Prozent.

Ranking

Nach der Höhe des CARR-Werts erfolgt die Platzierung im Ranking. Zalando etwa hat als Nummer eins die THG-Emissionen im Durchschnitt jährlich (von 2015 bis 2019) um 40,9 Prozent reduziert. Daneben finden sich zur Einordnung zwei weitere Werte in der Tabelle: die Emissionsintensität (also die Emissionen pro 1 Mio. Euro Umsatz) und das absolute Volumen der THG-Emissionen aus Scope 1 und 2. Bei Zalando entsprechen 8175 Tonnen CO-Emissionen bei einem Umsatz von knapp 6,5 Mrd. Euro einer Emissionsintensität von 1,3.

Bewertung

Mit dem Ranking werden Unternehmen ausgezeichnet, die ihre THG-Emissionen besonders stark reduziert haben. Unter die 100 besten kam in diesem Jahr, wer mindestens einen CARR-Wert von 3,2 Prozent aufweist. Alle anderen Unternehmen haben entweder weniger stark reduziert oder weisen die entsprechenden Daten noch nicht aus.

Weiteres Potenzial

Neben den hier betrachteten THG-Emissionen (Scope 1 und 2) fallen in der Regel noch weitere an, etwa bei der Herstellung eines Vorprodukts, beim Transport einer Ware oder auch bei Dienstreisen. Diese Art von THG-Emissionen, die in die Gruppe Scope 3 fallen, sind zum Teil immens hoch. Sie setzen sich aus zahlreichen Quellen zusammen, die nach internationalen Standards unterschiedlich bewertet werden. Da viele Unternehmen die Scope-3-Werte noch nicht, nicht hinreichend oder uneinheitlich bilanzieren, fließen sie hier noch nicht in die Berechnung ein. In der Tabelle wird jedoch hervorgehoben, welche Unternehmen zumindest schon die Daten erheben und damit anfangen, weitere Transparenz herzustellen.

Capital-Siegel

Die Unternehmen, die im Ranking dieses Jahres zu den 100 besten zählen, haben die Möglichkeit, kostenpflichtig ein Capital-Siegel zu erwerben und damit für sich zu werben. Genauere Informationen zu den Bedingungen finden Sie unter capital.de/siegel.