GastbeitragMaut statt Fahrverbote

Was ist das beste Mittel gegen den Verkehrsinfarkt?
Was ist das beste Mittel gegen den Verkehrsinfarkt?Pixabay

Ein kostenloser Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist natürlich nicht kostenlos. Wenn die Nutzer keinen Finanzierungsbeitrag mehr leisten, muss der Ausfall durch höhere Subventionen kompensiert werden. Mobilität mittels ÖPNV ist ein knappes Gut, von dessen Nutzung Konsumenten ausgeschlossen werden können, weil sie eine Fahrkarte kaufen müssen. Wird dieses Gut gratis angeboten, können alle Menschen mit Bus und Bahnen fahren – es kommt zu einer Übernutzung. Es wird dann mehr mit Bus, Tram, Bahn gefahren als notwendig wäre, denn die Fahrten sind ja für die Nutzer gratis.

Ob sich die Umweltqualität verbessert, hängt davon ab, inwieweit der Individualverkehr durch den ÖPNV ersetzen werden kann. Derzeit gibt es für die öffentlichen Verkehrsbetriebe einen Anreiz, das Angebot auf jenen Strecken auszudehnen, die zahlende Kundschaft versprechen. Also auf Strecken, wo die Nachfrage groß ist und die Bürger vergleichsweise hohe Kosten haben, wenn sie ihr Auto nehmen. Bei einem Nullpreis ist es unwahrscheinlich, dass die Zahlungsbereitschaft der Kunden eine besondere Rolle bei der Entscheidung spielt, ob ein Verkehrsbetrieb ein Angebot bereitstellt. Vielmehr werden politisch „wünschenswerte“ Faktoren höher gewichtet. Das sollte nicht erstaunen, denn durch den Nullpreis wird der ÖPNV subventionsabhängiger und ist damit politischen Interessen ausgeliefert.

Darüber hinaus dürfen die negativen Folgen fehlender Preisanreize nicht vergessen werden. So fällt es schwer, eine positive Qualität des Gratis-ÖPNV-Angebots zu gewährleisten, wenn unzufriedene Nutzer sich nicht mehr bemerkbar machen können, in dem sie sich das Geld für Fahrkarten sparen und die Angebote einfach nicht mehr nutzen.

Der Individualverkehr bringt auch Nutzen

Ein schlechteres Kosten-Nutzen-Verhältnis als ein Gratis-ÖPNV haben nur Fahrverbote. Individuelle Mobilität verursacht nicht nur Kosten, sondern sie bringt auch Nutzen. Jemand vom Land kann zu einem Konzert in eine Stadt fahren, die Produktivität kann steigen und vieles mehr. Fahrverbote verhindern, dass dieser Nutzen realisiert wird. Auf Dieselfahrzeuge beschränkte Verbote machen Dieselautos für Stadtfahren wertlos, weil diese dazu nicht mehr verwendet werden können. Um den Schein der Verhältnismäßigkeit zu wahren, werden derzeit nur bestimmte Straßen mit Fahrverboten belegt.

Dies führt zu einem Ausweichverkehr, verbessert die Luftqualität bestenfalls in den Straßen mit Fahrverboten und verschlechtert sie anderswo. Denkbar ist sogar, dass die Umwelt insgesamt mehr belastet wird, weil Autofahrer aufgrund von Teilverboten Umwege auf sich nehmen. Zu den Nachteilen von Dieselfahrverboten kommt noch eine Diskriminierung auf Basis des Einkommens hinzu, denn ärmere Bürger haben sich in der Vergangenheit Dieselautos oft wegen des niedrigen Kraftstoffverbrauchs angeschafft. Der echte Weg zur Lösung der Umweltprobleme beginnt damit, Umwelt als knappes Gut zu verstehen. Derzeit übernutzen Autofahrer die knappe Ressource „gute Umwelt“, weil sie zu einem Preis von Null erhältlich ist.