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Nahverkehr Vor 49-Euro-Ticket: ÖPNV-Anbieter langen kräftig zu

Straßenbahn in Berlin
Die Preise für Tickets wie hier in Berlin wurden noch mal kräftig erhöht
© IMAGO / Jochen Eckel
Mit dem 49-Euro-Ticket sollen mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn bewegt werden. Doch die Verkehrsverbünde haben erst einmal die Preise erhöht. Drastische Aufschläge gab es vor allem für Einzel- und Tagestickets

Kurz vor der Einführung des subventionierten 49-Euro-Tickets haben die größten Nahverkehrsanbieter in Deutschland kräftig die Preise erhöht. Dies ergab eine Recherche von Capital bei den wichtigsten Verkehrsverbünden: Demnach stiegen die Ticketpreise in den Ballungszentren im Schnitt um vier bis sieben Prozent, nachdem sie vielerorts schon 2022 erhöht worden waren.

Die Preisaufschläge untergraben das Ziel der Regierung, mehr Menschen zum Umstieg auf Bus und Bahn zu bewegen. Zudem liefern sie einen Eindruck von den harten Verhandlungen im Hintergrund um die Verteilung der staatlichen Subventionen. Geplant ist, dass sich Bund und Länder die Kosten für die Ticketzuschüsse – geschätzt gut 3 Mrd. Euro – je zur Hälfte teilen.

Die neue Capital erscheint am 16. März
Die neue Capital erscheint am 16. März
© Florian A. Schmidt / gestaltet mit Midjourney; Foto: Lena Giovanazzi

Die Anbieter begründen die höheren Preise mit den gestiegenen Energiekosten und der allgemein hohen Inflation. Verkehrsexperten wie Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) sehen dagegen in den Preiserhöhungen vor allem eine Strategie der Risikoabsicherung durch die Verkehrsanbieter. „Die Verbünde befürchten, dass ihnen durch das 49-Euro-Ticket große Defizite entstehen werden“, sagte Knie. Der Erfolg des neuen Tickets, das laut Plan zum 1. Mai eingeführt werden soll, sei völlig ungewiss. „Die Erhöhungen im konventionellen Bereich der Tickets sollen jetzt einen Teil dieser Ausfälle abfangen“, sagte Knie. Für die Akzeptanz des öffentlichen Nahverkehrs und die Förderung des Bus- und Bahnfahrens sei das „extrem schlecht“.

Konkret stiegen die Ticketpreise in Stuttgart zum Jahreswechsel um 4,9 Prozent, im Großraum Köln/Bonn um 5,4 Prozent, in Berlin-Brandenburg steigen sie zum 1. April um 5,6 Prozent. Besonders drastisch sind die Zuschläge für Gelegenheitsfahrer, die nur ein Einzelticket kaufen. In Frankfurt etwa kletterte der Preis für Einzel- und Tagestickets in Größenordnungen zwischen 19 und 31 Prozent.

Ähnliche Preiseffekte hatte es Ende vergangenen Jahres auch bei Strom- und Gasanbietern gegeben. Kurz bevor die staatlich subventionierte Gas- und Strompreisbremse eingeführt wurde, hoben viele Versorger die Preise noch einmal kräftig an. Die Differenz zu den gesetzlich festgelegten Preisen bekommen sie seither vom Staat ersetzt.

Die neue Capital ist am 16. März erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es in Apples App Store, bei GooglePlay – und in unserem neuen Premium-Abo Capital+ unter dem Menüpunkt „Digitales Magazin“

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