ExklusivLufthansa testet Extrapreise

Keine Flugscham: Der Lufthansa-Konzern hat im ersten Halbjahr 2019 bereits 68,9 Millionen Passagiere befördert - 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum Pixabay

Das wäre neu für Lufthansa-Kunden: eine Couch, die sich beim Langstreckenflug aus drei Standardsitzen in der Economy Class zusammenbauen lässt. Etwas Ähnliches gibt es bislang etwa erst bei Air New Zealand und der kasachischen Air Astana. Die Marketingstrategen bei der Lufthansa haben zumindest eine Skizze für die eigenen Flieger entworfen und ein Preisschild danebengestellt: 530 Euro könnte dieser Komfort für einen kurzfristig gebuchten Geschäftsreiseflug von Frankfurt nach New York kosten. Vielleicht auch mehr oder weniger – falls das Angebot ankommt bei den Kunden und auch tatsächlich eingeführt werden sollte.

Die Vorlieben und vor allem die Zahlungsbereitschaft der Kunden testet die Lufthansa gerade in einer Umfrage unter Passagieren. Capital hat daran nicht teilgenommen, aber über Probanden einen Einblick gewonnen.

In der umfangreichen Befragung stellt die Fluggesellschaft „ein mögliches Buchungssystem der Zukunft“ vor. Darin werden zahlreiche kostenpflichtige Zusatzleistungen mit Preisangaben vorgestellt. Ob und was davon jemals umgesetzt wird, ist noch offen. „Rückschlüsse auf eine etwaige Einführung der abgebildeten oder genannten Produkte sind derzeit nicht möglich“, teilte ein Lufthansa-Sprecher auf Capital-Anfrage mit. Weitere Details auch zum Zeitraum der Erfassung und Auswertung will die Lufthansa nicht geben.

Das Konzept ist den meisten vertraut: Die Billigflieger haben damit angefangen, für jeden Schnickschnack zu kassieren. Der reine Flugpreis bleibt im besten Fall minimal, aber die saftigen Aufschläge schlagen zu Buche. Für die Airlines sind diese Zusatzerlöse von einem netten Nebenposten in der Bilanz zum wesentlichen Gewinnbringer geworden.

Nach anfänglicher Ablehnung sind auch die etablierten Anbieter nach und nach auf dieses Erlösmodell aufgesprungen und bieten auch kostenpflichtige Extras etwa für Gepäck an. Da kein Ende der erbitterten Preisschlacht weder auf Kurz- noch auf Langstreckenflügen zu sehen ist, wird es für die Unternehmen immer wichtiger, die Nebeneinnahmen („Ancillary Revenues“) durch Zusatzangebote auszuweiten. Auf insgesamt rund 65 Mrd. Dollar weltweit schätzen die Marktforscher von Ideaworks das Volumen solcher Zusatzeinnahmen.

Lufthansa will eine Milliarde mit Extras verdienen

Sie gehören auch zu den relevanten Zukunftsszenarien, die der Lufthansa-Vorstand um Carsten Spohr bei einem Investorentreffen Ende Juni vorgestellt hat. Danach sollen die Nebeneinnahmen von knapp 600 Mio. Euro im Jahr 2019 auf knapp eine Milliarde Euro im Jahr 2022 steigen.

Die Schlafcouch gehört in der Umfrage zu den ausgefallensten und teuersten Extras. Daneben testet die Lufthansa, was Passagiere, die keinen Business-Class-Tarif buchen, aber mit ein paar Annehmlichkeiten in der Economy Class liebäugeln, bereit wären zu zahlen: ein Sitzplatz mit 8 Zentimeter mehr Beinfreiheit für 30 Euro, ein freier Nebensitz für 330 Euro, ein Menü à la Carte für 19 Euro oder Lounge-Zugang am Flughafen für 35 Euro? Und wer ist bereit, in Zukunft 30 Euro für die bislang kostenfreie Sitzplatzreservierung zu zahlen?

20 Euro für einen Kulturbeutel

Auch einige selbstverständliche Zugaben bekommen in der Umfrage ein Preisschild: 20 Euro für den Kulturbeutel, der zumeist mit Pflegeprodukten wie Zahnbürste, Ohrstöpsel oder Schlafmaske ausgestattet ist, 10 Euro für Kissen und Decke, 8 Euro für die bevorzugte Gepäckbehandlung. Daneben wird die CO2-Abgabe mit 10 Euro bislang erstaunlich günstig angeboten.

Nach der Auswertung der Umfrage könnten einige weitreichende Veränderungen angestoßen werden: Neben der Einführung von innovativen Angeboten wie der Schlafcouch dürften einige andere Entscheidungen auch erhebliche Konsequenzen für den Service haben. Denn wenn die Sitzplatzreservierung künftig nicht mehr kostenlos sein sollte, geht beim Einsteigen in die Maschine der Kampf um die besten Plätze und den knappen Raum in der Gepäckablage los (verschiedene Verfahren für ein schnelleres Boarding testet die Lufthansa gerade ebenfalls). Und wenn Economy-Passagiere sich künftig einen Lounge-Zugang für einzelne Flüge kaufen können, müsste die Lufthansa ihre bisher strenge Türpolitik an den Flughafen-Oasen aufgeben. Und Business-Class-Kunden, die bislang den exklusiven Zugang genießen, müssen womöglich noch etwas mehr zusammenrücken.