Bidens KabinettJanet Yellen – die erste Finanzministerin?

Die ehemalige Notenbankerin beriet schon den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.imago images / ZUMA Wire

Es wäre nicht das erste Mal, dass Janet Yellen die Erste oder gar die Einzige ist. Als sie promovierte, war sie die einzige Studentin unter zahlreichen männlichen Kommilitonen, die bei den Nobelpreisträgern James Tobin und Joseph Stiglitz ihren Doktortitel erwarben. 2014 war sie die erste und bisher einzige Frau an der Spitze der US-Notenbank Fed. Und nun könnte sie die erste Finanzministerin der USA werden, wie verschiedene US-Medien berichten.

Janet Yellen gilt über Parteigrenzen hinweg als profilierte Ökonomin. Bevor die 74-Jährige aber tatsächlich die erste Finanzministerin der USA werden kann, muss der US-Senat sie im kommenden Jahr bestätigen. Sollten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat behalten, ist es wahrscheinlicher, dass sie Yellen als Finanzministerin akzeptieren als Elizabeth Warren vom linken Flügel der Demokraten, die ebenfalls im Gespräch war.

Yellen interviewt Yellen

Geboren wurde die einflussreiche Ökonomin im New Yorker Stadtteil Brooklyn als Tochter eines Arztes und einer Lehrerin. Schon zu Schulzeiten war sie ambitioniert: An ihrer High School leitete sie die Schülerzeitung und hielt die Rede auf ihrer Abschlussfeier. Und so interviewte sie sich kurzerhand selbst für die Schülerzeitung, wie die New York Times schreibt. Demnach soll sie sich selbst beschrieben haben als eine „kleine Figur, gebeugt über einen Schreibtisch, der mit Büchern und Bleistiften übersät ist“.

Yellens Lebenslauf strotzt nur so vor Eliteuniversitäten: Ihr Studium an der Brown University schloss sie mit Summa cum laude ab, ihren Doktortitel machte sie an der nicht weniger renommierten Yale University, nur um wenig später an der Harvard University, der London School of Economics und in Berkeley zu lehren. Dabei wollte sie zu Beginn ihrer akademischen Laufbahn eigentlich Philosophie studieren, wechselte dann aber doch zur Ökonomie.

Heute gilt Janet Yellen als jemand, der evidenzbasiert arbeitet und bereit ist, Kompromisse zu schließen. Ihr Doktorvater Tobin beschrieb Yellens Beziehung mit ihrem Ehemann – dem Nobelpreisträger George Akerlof – einmal damit, dass Akerlof ständig neue Ideen entwickle und Yellen diese Ideen in eine akademisch plausible Form bringe.

Karriere bei der Notenbank

1977 begann Yellens Karriere bei der US-Notenbank Fed. 1994 wurde sie Mitglied des Board of Governors. Während ihrer Zeit dort war sie daran beteiligt, die Grundlagen für das Inflationsziel der Fed zu schaffen. Es folgte der Posten als Präsidentin der Federal Reserve Bank of San Fransisco, später die Position als Vize-Chefin der Fed.

2014 nominierte Barack Obama sie als Fed-Präsidentin – ihr bislang wichtigster Posten. Zunächst stand ihre Amtszeit für eine lockere Geldpolitik mit extrem niedrigen Zinsen. Später erhöhte die Fed dann die Leitzinsen, um einer Überhitzung der US-Wirtschaft vorzubeugen und um wieder zu einer geldpolitischen Normalität zurückzukehren. Im Wahlkampf 2016 kritisierte Donald Trump Yellens Kurs vehement und versprach die Fed-Präsidentin zu feuern, sollte er Präsident werden. Yellen hielt unbeeindruckt an ihrer Politik fest.

Nach ihrer ersten Amtszeit nominierte Trump sie nicht erneut. Aufsehen erregte ein Bericht der Washington Post, demzufolge Trump sich mehrmals über Yellens Größe geäußert haben soll – sie sei mit ihrer Körpergröße von 1,60 Metern schlicht zu klein, um die Zentralbank zu leiten. Vier Jahre stand sie an der Spitze der Notenbank und war damit eine der mächtigsten Personen der US-Wirtschaft.

Der Job als Finanzministerin wäre nicht Yellens erste Aufgabe in der Politik. Als ökonomische Chefberaterin von US-Präsident Bill Clinton arbeitete sie ab 1997 maßgeblich an dessen Wirtschaftsprogramm mit. Mehr als ein Mal hat Yellen Weitblick bewiesen: 2005 warnte sie vor der Gefahr einer Immobilien-Blase, 2008 war sie die erste US-Notenbankerin, die das Wort „Rezession“ aussprach.

Enorme wirtschaftliche Herausforderungen

Eines von Yellens Spezialthemen ist seit jeher Arbeitslosigkeit – ein Thema das durch die Corona-Krise an Brisanz gewonnen hat. Millionen Amerikaner verloren während der Pandemie ihren Job. Die Krise hat die US-amerikanische Wirtschaft hart getroffen. Im zweiten Quartal dieses Jahres verzeichnete die US-Wirtschaft einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes um 31,4 Prozent – es war der schärfste Absturz seit Beginn der Aufzeichnungen. Zwar erholte sich die Wirtschaft zuletzt wieder, doch die US-Notenbank warnte bereits, dass die weitere Entwicklung der Wirtschaft stark von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhänge.

In einem Interview mit Bloomberg sprach sich auch Yellen dafür aus, zunächst das Infektionsniveau unter Kontrolle zu bringen. Das sei gut sowohl für die Gesundheit als auch für die Wirtschaft. Zudem brauche es Unterstützung für die Wirtschaft – von geld- und steuerpolitischer Seite.

Bislang hat sich Yellen noch nicht zu den Berichten geäußert, wonach Biden sie zur Finanzministerin machen will. Als sie im Oktober in einem Interview mit Bloomberg gefragt wurde, ob sie bereit wäre, den Posten der Finanzministerin unter einem Präsidenten Joe Biden zu übernehmen, gab sie sich gewohnt bescheiden. Sie bedanke sich für die Frage und die damit verbundene Vorstellung, dass sie diesen Job machen könnte, sagte sie mit einem leichten Lächeln. Aber sie habe zu diesem Thema nichts zu sagen.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden