ImpfstoffeImpfkampagne: Biontech liefert 50 Millionen zusätzliche Dosen

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der LeyenIMAGO / Le Pictorium

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer werden bis Ende Juni 50 Millionen zusätzliche Dosen Impfstoff nach Europa liefern. Das sagte EU-Kommissionspräsidentein Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel. Es handele sich bei den versprochenen Vakzinen um eine Lieferung, die Biontech eigentlich erst im vierten Quartal 2021 ausliefern sollte. Von Ende April bis Ende Juni sollen nun insgesamt 250 Millionen Dosen von Biontech und Pfizer nach Europa geliefert werden.

Für Deutschland bedeutet das rund neun Millionen zusätzliche Impfdosen – entsprechend dem Verteilungsschlüssel nach Größe der 27 EU-Mitgliedsstaaten. In der EU sind inzwischen rund 100 Millionen Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, das sei „eine Wegmarke“, man könne stolz sein, so von der Leyen. Trotzdem sei die Covid-Pandemie noch immer eine große Bedrohung für die Menschen in Europa. Die Kommissionspräsidentin lobte, Biontech und Pfizer hätten sich in der Vergangenheit als zuverlässige Partner erwiesen, die ihre Lieferzusagen einhielten.

Gute Nachricht in Impfkampagne

Von der Leyen sagte, dass es wichtig ist, so viele Menschen wie möglich zu impfen. Nur dann könne man die Pandemie unter Kontrolle bringen. Die Ankündigung der beschleunigten Lieferung von Biontech/Pfizer kommt in dem Zusammenhang zu einem günstigen Zeitpunkt, weil es zu Verzögerungen bei der Auslieferung eines anderen Impfstoffes kommt: Dabei geht es um das Vazin des US-Herstellers Johnson & Johnson. Es gibt Berichte, wonach dieser Impfstoff im Zusammenhang mit Sinusvenenthrombosen stehe. Die USA haben die Impfungen mit dem Vakzin ausgesetzt, der Marktstart in Europa wurde verschoben.

Nun müssen sowohl der Konzern als auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Fälle prüfen. Das könnte die Impfkampagne in Europa verzögern, denn eigentlich wollte Johnson & Johnson im zweiten Quartal 55 Millionen Dosen an die EU liefern. Der Vorteil des Impfstoffes: Er muss nur einmal verabreicht werden, um einen vollen Impfschutz zu gewährleisten.

1,8 Milliarden Biontech-Dosen bis 2023

Die EU-Kommission nimmt nach den Worten der Kommissionspräsidentin Verhandlungen mit Biontech/Pfizer über die Lieferung von 1,8 Milliarden Dosen Impfstoff bis zum Jahr 2023 auf. Ziel ist es, damit Kinder zu impfen und Impfungen aufzufrischen. Die EU-Kommission, sagte von der Leyen, wolle sich auf Impfstoffe konzentrieren, die sich in der Vergangenheit als wirksam und zuverlässig erwiesen haben.

Johnson & Johnson ist nicht der einzige Impfstoff, der Probleme bereitet. Das Vakzin von des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca steht ebenfalls im Verdacht Sinusvenenthrombosen zu verursachen. Dänemark hat als erstes Land sogar die Impfung mit dem Mittel komplett ausgesetzt. Es gäbe „echte und ernste Hinweise“ auf schwere Nebenwirkungen, sagte der Chef der dänischen Gesundheitsbehörde, Sören Broström.

Impfkampagne mit Hürden

Die Verzögerung beim Johnson & Johnson-Impfstoff zeigt, dass es noch viele Hürden in der Impfkampagne gibt. Sie zu nehmen ist die Aufgabe der Stunde. In dem Zusammenhang könnte auch der Impfstoff des Deutschen Herstellers Curevac wichtig werden. Der schwäbische Hersteller hofft auf eine Notfallzulassung bis zum Frühsommer. Ende Januar hatte Curevac-Chef Franz-Werner Haas angekündigt, dass sein Unternehmen im laufenden Jahr bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen produzieren werde. 2022 könnten es sogar bis zu einer Milliarde Dosen sein.

Wie der Südkurier berichtet, hat der Impfstoff von Curevac gleich mehrere Vorteile. Man benötigt im Vergleich zu anderen Präparaten nur eine geringe Menge, so könnte der Hersteller schnell viele Dosen produzieren. Zudem ließe sich das Vakzin schnell auf neue Mutanten des Coronavirus anpassen.

 


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