KolumneHelikoptergeld vermischt Politikbereiche


David Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen FinanzgruppeDavid Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen Finanzgruppe.


Rund um den Besuch des ehemaligen US-Notenbankchefs Ben Bernanke bei der Bank of Japan hat die Diskussion um die Nutzung von Helikopter-Geld wieder Fahrt aufgenommen. In den letzten Jahren waren immer wieder Karikaturen in der Wirtschaftspresse zu sehen, auf denen Notenbankchefs Geld aus dem Helikopter abwarfen. Was also soll daran jetzt neu sein?

Zunächst ist festzuhalten, dass sich eigentlich alle Zentralbanken in den Industriestaaten schon länger jenseits des klassischen Instrumentariums der Zinssteuerung bewegen. Bei der sogenannten quantitativen Lockerungspolitik erwirbt die Zentralbank Wertpapiere von Geschäftsbanken und stellt diesen im Gegenzug Zentralbankgeld zur Verfügung. Es ist theoretisch allerdings nicht eindeutig, wie dies dann letztlich in die Realwirtschaft hineinwirken kann. Hierzu braucht man zusätzliche Annahmen. So könnte zum Beispiel der Einsatz dieses Instruments dazu führen, dass sich die Erwartungshaltung hinsichtlich künftiger Preissteigerungen verschiebt (gewünschter Inflationsimpuls bei sinkendem Realzins). Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Preise für Wertpapiere steigen und so die Verbraucher ausgabenfreudiger werden (Vermögenseffekt). Außerdem könnten die Geschäftsbanken risikofreudiger werden und durch erhöhte Kreditvergabe die Wirtschaft ankurbeln.

Ob das funktioniert, ist nicht von vornherein klar. Aus der Datenlage der vergangenen Jahre, in denen mit dem geldpolitischen Instrument der quantitativen Lockerung experimentiert wurde, lässt sich ableiten: In bestimmten Situationen funktioniert das Instrument hervorragend. Etwa wenn aus der Euro-Peripherie massiv Kapital abgezogen wird und die Geldpolitik diesen Kapitalabzug ausgleicht. Weniger gut funktioniert das Instrument dann, wenn eine Volkswirtschaft zwar nur mäßig vor sich hin wächst, aber keine Liquiditätsengpässe bestehen. Jenseits der Bekämpfung von akuten Krisensituationen ist das Instrument weitgehend wirkungslos.

Anleihe mit Ewigkeitscharakter

Der Unterschied von Helikopter-Geld gegenüber der quantitativen Lockerung wird relativ schnell deutlich, wenn man sich eine sehr einfache Ausgestaltung ansieht. Eine von Ben Bernanke vorgestellte Möglichkeit hierfür ist folgende: Die Regierung begibt eine Ewigkeitsanleihe, die direkt von der Zentralbank abgekauft wird. Der entsprechende Anleihebetrag wird dann von der Regierung für eine Steuersenkung oder ein Ausgabenprogramm verwendet.

Der Ewigkeitscharakter der Anleihe führt zwar zu einer buchhalterischen Erhöhung der Staatsverschuldung. Diese ist aber ökonomisch irrelevant, weil man davon ausgehen kann, dass die Zentralbank diese ebenfalls unendlich lange halten wird. Im Gegensatz zur quantitativen Lockerungspolitik ist auch die Übertragung in die Realwirtschaft eindeutig. Der Staat transferiert über Steuersenkung oder zusätzliche Ausgaben direkt Kaufkraft in die Privatwirtschaft.

Helikoptergeld ist kein geldpolitisches Konzept

Das ist zugleich der entscheidende Punkt: Bei Helikopter-Geld handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um Geldpolitik. Es handelt sich vielmehr faktisch um Fiskalpolitik mit einer dienenden Rolle von Geldpolitik. Rein instrumentell gesehen dürfte dies deutlich wirksamer sein, als die bisherige Kombination aus (vergeblichen) Stimulierungsversuchen der Geldpolitik alleine, während die Fiskalpolitik auf der Bremse steht.

Problematischer freilich ist, dass nicht klar ist, wie man eine derartige Vermengung von Politikbereichen irgendwann wieder auflösen kann. Zudem widerspricht der Ansatz ganz klar dem Verbot der direkten Staatsfinanzierung in nahezu jedem Notenbankgesetz.