ExklusivGroße Mehrheit für Datenspeicherung in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft sollte im Inland digitale Infrastruktur unterhalten – diese Erwartung äußern fast zwei Drittel der Befragten einer aktuellen Umfrage des Berliner Instituts Civey, die Capital vorab vorlag. 64,8 Prozent halten es für „sehr wichtig“, dass deutsche Unternehmen inländische Rechenzentren nutzen, 22,9 Prozent halten das für „eher wichtig“.

Über die Hälfte der Befragten gibt in der Umfrage zudem an, dass sie private Daten Unternehmen eher anvertrauen, wenn diese auf inländischen Servern gespeichert würden – 56,9 Prozent äußern diese Ansicht. Die Civey-Umfrage basiert auf einer Stichprobe von über 5000 Befragten, der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.

Der Skandal um die unerlaubte Weitergabe von Nutzerdaten bei Facebook hat das Thema Datenschutz wieder auf die Agenda gesetzt – den Wunsch, persönliche Daten nicht auf den Servern großer US-Unternehmen zu lagern, sondern in Deutschland zu speichern, gibt es aber spätestens seit den Snowden-Enthüllungen 2013.

Eine ganze Reihe von Firmen versuchte damals, mit entsprechenden Angeboten aus dem Wunsch nach deutschen Daten ein Geschäft zu machen. Die E-Mail-Anbieter GMX und Web.de sowie die Deutsche Telekom warben etwa für „E-Mail made in Germany“ und kündigten an, Daten nur noch verschlüsselt zu übertragen und in Deutschland zu verarbeiten. Am prominentesten war der Launch der Microsoft Cloud Deutschland zwei Jahre später – in Zusammenarbeit mit der Telekom-Tochter T-Systems bot der US-Softwarekonzern an, die Cloud-Angebote aus dem Microsoft-Portfolio wie Office 365 über eigenständige deutsche Rechenzentren zur Verfügung zu stellen. Dazu werden zwei Anlagen von T-Systems in Frankfurt und Magdeburg genutzt.

Doch während in Umfragen große Mehrheiten für Datenspeicherung im Inland eintreten, sind die meisten Nutzer im Alltag zu bequem, zum Beispiel auf ihre Google-Dienste zu verzichten, oder scheuen die etwas höheren Kosten.

Die Deutschland-Cloud von Microsoft kämpft laut Berichten von „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“ mit einer schwächelnden Nachfrage – wohl auch, weil das Angebot etwa ein Viertel teurer ist als die normale Cloud-Nutzung.

Der Internetwirtschaftsverband Eco will daher verstärkt für digitale Infrastruktur in Deutschland werben. Mitte Juni wird der Verband gemeinsam mit Internet-Service-Providern und Rechenzentrumsbetreibern eine „Allianz zur Stärkung digitaler Infrastukturen“ starten. „Um den Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin interessant und wettbewerbsfähig zu halten, müssen wir der digitalen Infrastruktur in Deutschland deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen“, fordert Béla Waldhauser, CEO von Telehouse und Sprecher der Initiative.