Geldanlage Der Booster nach der Pandemie

Anleger können von der neuen Normalität profitieren.
Anleger können von der neuen Normalität profitieren.
© IMAGO / STPP
Die Pandemie hat weltweit Lebensrealitäten verändert. Wie sich Anleger auf die neue Normalität in der Post-Covid-Zeit vorbereiten können

Bis zum 20. März möchte die Bundesregierung die Corona-Schutzmaßnahmen in Deutschland weitgehend aufheben. In manchen Medien etwas unpassend als „Freedom Day“ deklariert, blicken große Teil der Gesellschaft erwartungsfroh auf ein Ende der Pandemie. Doch wie hat sich die Welt durch das Virus verändert? Besonders Anleger tun gut daran zu hinterfragen, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Trends nachwirken. Dann können sie von der neuen Normalität profitieren.  

Besonders der technologische Fortschritt wurde durch die Pandemie weiter beschleunigt. In einer Studie des Digitalverbands Bitkom gaben neun von zehn deutschen Unternehmen an, dass die Digitalisierung im eigenen Unternehmen durch die Covid-19-Pandemie an Bedeutung gewonnen hat. Andreas Lipkow, Marktexperte bei Comdirect, bestätigt: „Durch die Digitalisierung der Arbeitswelt in Covid-19-Zeiten hat die Nutzung digitaler Produkte aller Art noch deutlich zugenommen.“

Besonders das sogenannte Metaverse bilde dabei einen neuen Megatrend, sagt der Experte. Die Idee hinter dem virtuellen Raum: Ein großer Teil des Lebens soll sich künftig in einer physisch erlebbaren 3D-Welt abspielen, in der die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen. Bis jetzt ist der Markt noch klein, Pioniere des Silicon Valley erwarten aber, dass das Metaverse einer der kommenden großen Wachstumstreiber in der Technologiebranche wird.

Noch ist nicht klar, ob es lediglich einen oder gleich mehrere Anbieter verschiedener Metaverse-Welten geben wird. Wer in jedem Fall profitiert, ist der Grafikkartenhersteller Nvidia. Das US-Unternehmen mit Sitz in Santa Clara gehört zu den Schwergewichten der Chipbranche. Der Clou: So gut wie alle rechenintensiven Anwendungen, und dazu zählt neben dem Metaverse auch Rechenzentren, Elektroautos und Spielekonsolen, sind auf leistungsfähige Grafikchips angewiesen. Nvidia befand sich bereits vor der Pandemie auf einem stabilen Wachstumspfad und verbuchte auch während der Lockdowns hohe Umsätze. Doch trotz Rekordnachfrage und einer starken Berichtsaison fiel die Aktie in den vergangenen drei Monaten um ganze 30 Prozent. Laut Analysten könnten Sorgen um Lieferengpässe, noch höhere Erwartungen sowie ein gescheiterter Übernahmedeal des britischen Chip-Herstellers Arm Gründe für die zahlreichen Verkaufsorders sein. Auf Ein-Jahres-Sicht bleibt dennoch ein Plus von 57 Prozent, die Aktie handelt heute für knapp über 200 Euro. 34 von insgesamt 42 Analysten rät zum Kauf der Aktie. Ihr mittleres Kursziel beträgt umgerechnet 304 Euro.

Als weiteren Trend identifiziert Lipkow das gesteigerte Luxusbedürfnis, insbesondere beim Thema Mobilität. Seine Annahme: Dadurch, dass sich Konsumenten in der Pandemie an die virtuelle Interaktion gewöhnt haben, fallen viele traditionelle Reiseplanungen weg. Wenn Konsumenten aber mal mobil sind, leisten sie sich mehr Exklusivität als zuvor. „Die Menschen leisten sich in Zukunft lieber einen Luxusflug als mit 30 Personen auf den Billigflieger zu warten“, ist Lipkow überzeugt. Hier fällt sein Blick insbesondere auf Reisedienstleister, die mit Luxusreisen höhere Gewinnmargen einfahren – so zum Beispiel das Online-Reisebüro Expedia. Das Unternehmen mit Sitz in Redmond vermittelt unter anderem Luxus-Hotels und Flüge. Der Aktienkurs kletterte auf Sicht eines Jahres um rund 22 Prozent auf heute knapp 163 Euro. 13 Analysten legen den Kauf des Titels nahe, 18 sagen „Halten“. Aktuell finden sich keine Verkaufs-Empfehlungen für Expedia. Das mittlere Kursziel lautet 192 Euro.

Im Bereich der Mobilität nennt Lipkow noch einen weiteren Megatrend: Carsharing. In der Pandemie mussten immer weniger Menschen pendeln, nutzten dementsprechend ihre Autos seltener. „Besonders jüngere Generationen nutzten das Auto immer mehr als On-Demand Produkt“, sagt der Experte. Nachdem sich BMW und Daimler schon früh mit der Marke Sharenow im Carsharing einen Namen gemacht haben, rückt dieser Bereich auch für Volkswagen immer stärker in den Fokus. Der Wolfsburger Autobauer ist im Carsharing zum Beispiel mit Moia in Hamburg oder Weshare in Berlin vertreten. Die Vorzugspapiere von VW stiegen auf Ein-Jahres-Sicht um 1,6 Prozent, notieren zurzeit bei rund 177 Euro. Eine große Mehrheit der Marktbeobachter empfiehlt auch hier den Kauf. Ihr Kursziel liegt im Mittel bei 244 Euro.

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