Börsenabsturz Aktien im Kriegsmodus

Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Für den deutschen Leitindex Dax ging es zum Handelsstart um mehr als vier Prozent abwärts
Der russische Angriff auf die Ukraine hat die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Für den deutschen Leitindex Dax ging es zum Handelsstart um mehr als vier Prozent abwärts
© picture alliance/dpa | Arne Dedert
Crash-Tage am Aktienmarkt sind Kauftage. Aber ist dies mit dem Einmarsch der Russen in der Ukraine auch so? Anleger brauchen einen guten Fahrplan für die nächsten Tage

Eigentlich haben die Anleger 2022 schon einen reichlich mauen Jahresauftakt erlebt. Es ging an der Schnur gezogen abwärts. Denn der Dreiklang aus hoher Inflation, geldpolitischer Wende und Kriegsgefahr in der Ukraine schickte die Kurse in den Keller. Bereits der Januar verlief denkbar schwach, die Nasdaq schrammte nur knapp am schlechtesten Jahresstart ihrer Geschichte vorbei. Und im Februar sieht es genauso schlimm aus. „Nun springen Angstbarometer wie der VDax-New auf Mehrjahreshochs während die Aktienmärkte in die Tiefe rauschen“, erklärt Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets. Der Krieg in der Ukraine ist dabei der jüngste Auslöser für den Kurssturz.

Eine bekannte Börsenregel lautet ja, man solle kaufen, wenn die Kanonen donnern. Doch da gibt es ja noch die andere, die davor warnt, in ein fallendes Messer zu greifen. Was denn nun?

„Die deutsche Wirtschaft hat aufgrund der Energieversorgung und der geografischen Nähe einen speziellen Anker Richtung Russland und der Dax ist mehr betroffen als die US-Indizes“, sagt Gil Shapira von Etoro. Allerdings nutzen amerikanische Investoren solche Tage auch, um über den Future-Markt schon am frühen Morgen Verkäufe zu steuern. „Dax und EuroStoxx 50 bieten sich da wie schon zur Corona-Krise als negative Katalysatoren an“, so der Analyst. Das bedeutet, institutionelle Anleger nutzen in der Krise die leicht handelbaren Futures auf die großen europäischen Indizes, um sich durch Futures-Verkäufe schnell gegen fallende Kurse abzusichern.

Ruhe bewahren

Die Verkäufe liefen durch die Bank. Am meisten gehandelt, aber auch am stärksten in Mitleidenschaft gezogen waren beim Smartbroker aus Berlin ebenso wie am Börsenplatz Gettex in München die Aktien von Mercedes-Benz, Allianz, Varta, aber auch Spezialfälle wie Uniper. Für erfahrene Anleger heißt es: Egal, ob riesige Euphorie herrscht oder Panik - es ist hilfreich, sich davon nicht anstecken zu lassen.

Die Statistik liefert hier wertvolle Orientierung und nordet die aktuelle Entwicklung ein. Seit 1988 verlor der Dax im Durchschnitt, ausgehend vom Jahreshoch, bei Rücksetzern rund 17 Prozent. Auch ein Rückgang bis in den Bereich um 13.500 Punkte wäre nicht ungewöhnlich und würde zum langjährigen Bild passen. Dieses Level ist fast erreicht.

Abseits dieser Zahlenspiele bleibt ein kühler Kopf wichtig. Selbst mit dem Angriff Russlands dürfte die Börse sich mittel- bis langfristig wieder beruhigen. Das hat schon die Annexion der Krim vor wenigen Jahren gezeigt. Auch andere Belastungsfaktoren wie die hohe Inflation könnten bald schwächer werden, wenn die Unsicherheitsprämie beim Ölpreis schnell ausgepreist wird. Die Teuerung dürfte bei sinkenden Ölpreisen langsam ihren Höhepunkt erreicht haben. Damit würde der Druck auf die Notenbanker abnehmen, die Zinsen rasch und kräftig zu erhöhen.

Ohnehin scheint die Zinsangst derzeit übertrieben. Selbst ein großer Schritt von 50 Basispunkten auf der nächsten Sitzung der US-Notenbank im März war zwischenzeitlich bereits eingepreist, für Ende 2022 werden 1,75 bis zwei Prozent erwartet. Analysten überbieten sich trotzdem derzeit mit höheren Prognosen, ganz nach dem Motto: Wer bietet mehr?

Historisch sind Jahre der geldpolitischen Wende schwierig, daran besteht kein Zweifel. Von Börsen, die wie am Lineal gezogen nach oben laufen, müssen sich Anleger verabschieden, die Party ist vorbei. Doch viele Risiken sind jetzt auch schon gut in den Kursen eingepreist, das Überraschungspotenzial lauert allmählich auf der Oberseite. Mut, und dies zeigt die Vergangenheit ebenfalls, wird an der Börse belohnt, Rückschläge bieten daher Chancen.

Flucht in Sicherheit

„Der russische Einmarsch in der Ukraine nimmt dem Dax alle Gewinne des letzten Jahres. Dazu geht die Angst um. Das Angstbarometer VDax-New erreicht mit knapp 40 Punkten den höchsten Stand seit November 2020. Damals hatte die Abwahl Donald Trumps die Märkte in größte Aufregung versetzt", ergänzt Analyst Molnar. Russische Aktien wie Sberbank oder Gazprom werden förmlich ausradiert, die Kursverluste des russischen Index RDX sind beispiellos.

Ein kräftiger Anstieg bei Gold steht für Flucht in Sicherheit wogegen Bitcoin und Ethereum ihren Charakter als Spekulationsobjekte zeigen, die an solchen Tagen kein Mensch braucht. Beinahe bemerkenswert ist der nur geringe Anstieg Ölpreises. 100 Dollar pro Barrel sind dennoch eine unglaubliche Marke, notierte Öl doch vor nicht einmal zwei Jahren kurzzeitig negativ.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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