Angriff gegen die Ukraine Putins Krieg schockiert die Märkte

Alle 40 Dax-Aktien eröffneten mit teils großen Kursverlusten als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine
Alle 40 Dax-Aktien eröffneten mit teils großen Kursverlusten als Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine
© IMAGO / Roman Möbius
Der russische Angriff auf die Ukraine versetzt die Märkte in Schockstarre. Weltweit stürzen die Kurse ab, Gold und Öl schnellen hoch. Der Dax rauscht ins Minus

Russlands Angriff auf die Ukraine hat die Märkte weltweit in Schockstarre versetzt. Die Aktienkurse in den USA, Asien und Europa brachen ein, Anleger flohen aus Angst vor einem länger andauernden Krieg in stabilere Anleihen, Gold und Öl. Seit Tagen sorgen die unkalkulierbaren Risiken in dem Konflikt für Verunsicherung an den Finanzplätzen.

Besonders verunsichert sind Marktteilnehmer in Europa: In Frankfurt sackte der Dax am Vormittag um rund fünf Prozent ab und rutschte unter die Marke von 14.000 Punkten. Alle 40 Dax-Titel starteten tiefrot in den Handelstag. Europäische Futures hatten zuvor um mehr als 4 Prozent nachgegeben. In der Nacht waren auch die Kurse in den USA nach unten gerauscht. Die Kontrakte für den S&P 500 und den Nasdaq 100 fielen um 2,5 Prozent bzw. 3 Prozent.

Dax40-Absturz: Der Index brach ein


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In Asien sieht es nicht besser aus: In Tokio rutschte der Leitindex Nikkei 225 um 1,8 Prozent nach unten. Der Hang-Seng-Index in Hongkong sackte um 3,2 Prozent ab, und der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom chinesischen Festland verlor 1,9 Prozent.

Historische Verluste an russischer Börse

In Russland brach die Börse nach dem von Präsident Wladimir Putin befohlenen Angriff um mehr als ein Fünftel ein, einzelne Aktien verloren bis zu 45 Prozent und damit so viel wie noch nie in der Geschichte. Der Handel wurde zeitweise ausgesetzt.

Auch die russische Währung geriet stark unter Druck. Der Rubel sank auf ein Rekordtief. All das veranlasste die russische Zentralbank dazu, zum ersten Mal seit Jahren auf dem Devisenmarkt einzugreifen, um die Verwerfungen zu dämpfen. Während Dollar und Yen zulegten, gaben der Euro und andere rohstoffgebundene Währungen nach.

Unklar ist, mit welchen Sanktionen der Westen auf die Raketenangriffe und Truppenbewegungen Russlands reagieren wird - und ob sich Putin davon beeindrucken lässt. US-Präsident Joe Biden sagte, die USA und ihre Verbündeten würden „schwere Sanktionen“ verhängen. Biden will sich heute mit den Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Gold, Anleihen und Öl schnellen hoch

Dass viele Anlegerinnen und Anleger ihr Geld jetzt abziehen und in sichere Häfen bringen wollen, lässt den Goldpreis in die Höhe schnellen: Er erreichte mit 1949 Dollar den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Ebenfalls im Aufwind sind die bei Investoren als sicher geltende Anleihen. Der Terminkontrakt Euro-Bund-Future legte um etwa ein Prozent auf 167,64 Punkte zu.

Verbraucherinnen und Verbrauchern drohen wegen des Krieges höhere Energiepreise. Die Sorge am Rohstoffmarkt wächst, dass Russland seine Lieferungen unterbrechen könnte. Die Preise für Rohöl und europäisches Erdgas zogen wegen der unklaren Auswirkungen auf russische Energieexporte stark an. Ein Barrel Brent-Öl kostete zum ersten Mal seit 2014 mehr als 100 US-Dollar.

Ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent kostet wieder mehr als 100 Dollar


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Auch Aluminium erreichte ein Rekordhoch. Europäisches Erdgas legte noch vor der Eskalation um mehr als 10 Prozent zu. Auch Weizen und Sojabohnen kosteten so viel wie seit Langem nicht mehr. Die Ukraine ist ein wichtiger Getreideexporteur.

Zinswende ade?

Die große Frage ist, wie die Geldpolitik nun auf den Krieg in der Ukraine reagiert. Die Inflation und der hohe Preisdruck bereitet den Währungshütern bei den Zentralbanken schon jetzt große Sorgen. Die Zeichen standen zuletzt auf einer strafferen Geldpolitik und einer möglichen Zinswende in Europa.

In den USA reagieren Marktbeoachter bereits verhalten, was den Ausblick auf Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed in diesem Jahr angeht. Für Europa hatte Commerzbank-Chef Jörg Krämer kürzlich für 2022 noch mit zwei Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank gerechnet - sofern es keinen Krieg in der Ukraine gebe.

„Bei einem Krieg würde die EZB ihre angedeuteten Schritte stoppen“, sagte Krämer Mitte Februar zu Capital. „Die Unsicherheit wäre riesig. Die EZB würde dann im März wohl nicht das Ende ihrer Anleihenkäufe ankündigen, sondern abwarten, bis sich die Lage beruhigt.“ Die Zinswende und damit ein Ende der Negativzinsen würden damit in weitere Ferne rücken.

Genau davon gehen offenbar immer mehr Martktteilnehmer aus. Deutsche-Bank-Analyst Jim Reid verweist auf die sinkenden Ausblicke von Beobachtern, „was darauf hindeutet, dass die Anleger (zumindest vorerst) glauben, dass die Zentralbanker als Reaktion auf die Turbulenzen eher zurückhaltend als aggressiv reagieren werden, selbst wenn der Inflationsdruck zunimmt“.


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