ÜbernahmeWas Flixbus mit dem Kauf von Greyhound auf dem US-Markt vorhat

Greyhound gehört nun zu Flixmobility
Das Unternehmen mit dem legendären Windhund gehört nun zu Flixmobilitty, der Mutter von Flixtrain und Flixbus. IMAGO / ZUMA Wire

Flixmobility hat das amerikanische Busunternehmen Greyhound gekauft. Damit treibt das Unternehmen aus München seine Expansion auf dem US-Markt weiter voran. Seit 2018 ist Flixmobility mit seiner Marke Flixbus in den USA aktiv. Durch die Übernahme wird es zur Nummer Eins auf dem amerikanischen Fernbus-Markt, in dem bis zu Beginn der Pandemie jährlich etwa 62 Millionen Menschen unterwegs waren. Bisher fuhr Flixbus in den USA rund 195 Ziele an. Bis 2023 will das Unternehmen das größte Busnetz des Landes bedienen.

Der Fernbusmarkt in den USA ist ein schwieriges Pflaster. Die meisten Amerikaner bevorzugen das eigene Auto oder das Flugzeug – ohne stinkende Toiletten und andere unkomfortable Dinge. Doch könnte das Unternehmen auf dem US-Markt aus seiner eigenen Historie lernen: In Europa arbeitet Flixmobility seit rund zehn Jahren daran, Fernbusse wieder attraktiv zu machen. Ein Hauch von Sharing-Economy in Verbindung mit On-Board-WLAN und niedrigen Preisen hat die Busse für viele als Alternative zur schnelleren Bahn gemacht.

In den USA ist Flixbus gerade vor allem auf den mittleren Distanzen aktiv. Das Unternehmen verbindet zum Beispiel New York mit Washington oder die Colleges an der Westküste mit der Party-Metropole Las Vegas. Greyhound ist da breiter aufgestellt und hat den Fernverkehr im Blick – die Kombination beider Segmente aber könnte zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Flixbus konkurriert mit dem Flugzeug

In der Meldung des Unternehmens wird dazu einer der Gründer, André Schwämmlein zitiert: „Menschen in ganz Nordamerika wünschen sich völlig zu Recht erschwingliche und nachhaltige Reisealternativen zum privaten Auto. Gemeinsam werden FlixBus und Greyhound der gestiegenen Nachfrage nach umweltfreundlicher Mobilität in den USA Rechnung tragen.“

Es wird sich zeigen, ob das geilingen kann. Denn die Langstrecke gehört in den USA, inzwischen muss man sagen, traditionell, dem Flugzeug. Die Frage ist, ob sich die, die sich ein Flugticket leisten können, von dem neuen Angebot überzeugen lassen werden? Einen Vorteil kauft Flixbus nun ein: In manchen Regionen und in manchen Städten gibt es bisher noch immer nur den Bus, um von dort wegzukommen.

Das Münchner Unternehmen bringt dabei ein Asset mit, das kaum zu unterschätzen ist und das es auch auf dem deutschen Markt bereits ausgespielt hat, hier allerdings auf der Schiene: Flixmobility sieht sich selbst nicht als einen Mobilitätsanbieter, sondern eher als einen Tech-Anbieter. Das gut angelegte Buchungs-Tool des Unternehmens kann viele Leute anlocken. Flixmobility arbeitet auf dem europäischen Markt eng mit externen Fahrdienstleistern zusammen, die dann unter der Markte Flixbus fahren.

Im Trend

So verteilen die Münchner das unternehmerische Risiko auf viele Schultern. Es steht also zu vermuten, dass sie dieselbe Strategie auch auf dem US-Markt anwenden werden. „Eine stetige Weiterentwicklung unseres Netzes durch Kooperationen oder Zukäufe ist schon immer ein wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie, um unsere globale Präsenz weiter auszubauen“, sagt Jochen Engert und CEO von Flixmobility zu dem Schritt.

Greyhound gehörte bisher zur britischen First Group. Die Corona-Pandemie hatte das Geschäft der Fernbus-Unternehmen hart getroffen. Vor der Krise nutzten rund 40.000 Menschen das Angebot von Greyhound am Tag. Jetzt sind es noch rund 10.000. Doch das Business erholt sich, die Mobilität der Menschen nimmt wieder zu, auch in die USA hat der Trend von der Abkehr vom eigenen Auto erreicht. Immer mehr Amerikaner sind auf der Suche nach ökologisch sinnvolleren Reiseangeboten. Ein Trend, der Flixmobility durchaus in die Karten soielen könnte.

Trotzdem ist die Strategie mit Risiken behaftet. Die Geschichte von Greyhound kann man in den vergangenen Jahren als Niedergang bezeichnen. Früher war der Bus das Mittel der Wahl, um von A nach B zu kommen, heute fährt nur Bus, wer das wirklich muss.

Die Pandemie hat in der Branche ihr Übriges getan. Finanziell schlugen sich die Folgen von Corona mit einem Verlust von rund 10,4 Mio. Euro im Fiskaljahr 2020 nieder. Schon zuvor hatte Greyhound versucht die Kosten zu senken. Das Unternehmen halbierte die Belegschaft, schloss Betriebe – etwa in Kanada – und verkaufte Teile des Geschäfts. Die Summe, für die Flixbus Greyhound nun übernimmt, kann man duchaus als ein Symbol für die Krisen der vergangenen Jahrzehnte begreifen. Für 172 Mio. Dollar wechseln die rund 1000 Busse, deren Fahrer und die Marke des Traditionsunternehmens den Besitzer.


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden