Davos 2019Es war einmal ein Boom

People pass a WEF logo in the Congress Center two days prior to the 49th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos
Weltwirtschaftsforum: Das diesjährige Jahrestreffen findet vom 22. bis 25. Januar in Davos stattdpa

Es ist nicht mal ein Jahr her, da feierte der IWF einen „weltweiten synchronen Aufschwung“. Ja, es lief in der Weltwirtschaft und zwar fast überall. Die sieben größten Volkswirtschaften der Welt (USA, China, Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien und Indien) wuchsen alle jeweils mit mehr als 1,5 Prozent. Eine „unübliche Gleichzeitigkeit“, stellte der IWF fest.

Die 45 wichtigsten Volkswirtschaften legten ebenfalls zu – das erste Mal seit der Finanzkrise, und zwar gleichzeitig. In 120 Volkswirtschaften, die für drei Viertel des globalen BIP standen, hatte sich das Wachstum 2017 beschleunigt, es war der „breiteste synchrone globale Wachstumsschub seit 2010“.

Zwar gab es schon damals Sorgen über die Fragilität dieses Booms – sogar der jubelnde Währungsfonds warnte, dass „die nächste Rezession näher sein könnte als gedacht“. Das lag aber zum einen daran, dass Ökonomen sich immer Sorgen machen, wenn die gute Konjunktur schon lange anhält. Einen solchen synchronen Aufschwung hatte es nämlich zuletzt in den späten 1980ern gegeben und in den Jahren 2004 bis 2007. Hinzu kamen Sorgen über die globale Verschuldung – und vor allem über die Geopolitik, die sich immer mehr mit der Weltwirtschaft vermischte, was einem heute ja noch immer bekannt vorkommt.

Der synchrone Aufruhr

Die Welt ist seit einigen Jahren ein Ort geworden, in dem sich immer mehr Länder mit Tiraden und Drohungen überziehen. Sie suchen ihre Zukunft in Abschottung und Austritten, in einer Nation oder Volksgemeinschaft, in Parolen der scheinbaren Stärke – oder in einem Abnutzungskampf um Zölle, Arbeitsplätze oder Mauern, die an Landesgrenzen gebaut werden sollen. Und so müsste man ein Jahr später eher über den synchronen Aufruhr nachdenken, den wir in vielen Ländern erleben.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos, das ab heute für fünf Tage stattfindet, mit einigen Tausenden Teilnehmern und deren Begleitern, Hunderten Panels und Veranstaltungen, Breakfast Sessions, Private Lunches und Dinners, Nightcaps und Receptions wirkt in diesem Jahr fast wie eine Veranstaltung aus einer anderen Zeit, in der man noch zusammenfinden wollte. Einer Zeit mit dem Grundansatz, wonach auf diesem Erdball möglichst alle einem Tisch sitzen sollen, um dort miteinander zu reden und zu verhandeln und eine Lösung zu finden, die am Ende allen nutzt.

Diese Kooperation war zwar schon immer Wunschdenken und Illusion – auch der vielbeschworene „Geist von Davos“. Für Kritiker war das Treffen der Staatschefs, Minister, CEOs, Investoren, Top-Manager, Berater und Journalisten eher eine einwöchige Superblase. Abgeschottet und abgehoben, ein großer elitärer Zirkus, wo jeder vortrefflich auf großer Bühne über Klimaschutz und globale Ungleichheit sinnieren konnte.