GastbeitragEnergiewende – Mythen reloaded

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#3 Mythos: „Bei Dunkelflauten geht das Licht aus; denn es gibt keine Speicher für erneuerbare Energie!“

Der Begriff „Dunkelflaute“ ist eine weitere Wortschöpfung aus der Welt der Energiewende-Gegner. Gemeint sind Zeiten, in denen der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Kombiniert wird das Wort gern mit der Behauptung, dass es keine Speicher gibt – und zwar weil das technisch nicht möglich sei und/oder weil die so riesig sein müssten, dass das gar nicht geht. Zahlreiche Studien haben das widerlegt.

Wenn man wollte und dafür die Rahmenbedingungen schaffen würde, könnten heute schon Pumpspeicherkraftwerke, Wasserstoff-, Wärmespeicher usw. ohne weiteres zum Einsatz kommen, wenn man die Hemmnisse beseitigt. Es gibt dafür ausreichend viele geeignete Speicher-Technologien (siehe hier, Abb. 3.4.1). Aber für die Energiewende braucht man gar nicht so viel Speicher, wie gern behauptet wird. Die sogenannte Residuallast, also die Differenz zwischen benötigter Leistung und von nicht regulierbaren Kraftwerken erbrachter Leistung, ist ein Bruchteil dessen (siehe hier, Seite 63 ff), was durch die Mythen verbreitet wird.

Extremszenarien für die Zukunft zeigen, dass insbesondere die Flexibilität des Systems (dabei wird auch die Nachfrage flexibel gesteuert) sowie der Einsatz von überschaubaren Langfristspeichern wie Biogas und „Power to Gas“ problemlos Schwankungen in der Stromproduktion bei Extremwetter überbrücken kann.

Fakt ist: „Dunkelflauten“ werden skandalisiert. Es gibt ausreichend Speichermöglichkeiten auch für Extremwetter-Zeiten.

#4 Mythos: „Wasserstoff ist das neue Öl!“

Die Umstellung der Wirtschaft auf eine klimaschonende Lebensweise sei ohne Energiewende möglich, behaupten manche Gegner. Man müsse, so heißt es gern, einfach „technologieoffen“ bleiben. Dann würde Wasserstoff sich als Heilsbringer für die Mobilität von morgen erweisen. Und alles kann so weiter gehen wie bisher. Statt Benzin oder Diesel wird halt Wasserstoff „getankt“.

Manchmal wird im Mythen-Labor argumentativ sogar noch eine Schippe draufgelegt: Wasserstoff-Fahrzeuge seien ökologisch vorteilhafter als Elektroautos. Das lässt sich bei einer nüchternen Gegenüberstellung nicht aufrechterhalten.

Vereinzelt gibt es richtig krasse Einwände gegen E-Mobilität: Elektroautos würden in Wahrheit Kohlestrom verbrauchen und Kinderarbeit fördern. Beides können wir verhindern, indem wir E-Mobilität mit einer konsequenten Energiewende, Sozial- und Nachhaltigkeitsstandard beim Ressourcenabbau international verbindlich einfordern und 100 Prozent Recycling-Vorgaben von Batterien festsetzen.

Kommen wir zum Thema Wasserstoff und seiner Herstellung, Nutzung, seinen Vorteile und Nachteilen. Ja, es stimmt: Brennstoffzellen-Fahrzeuge verursachen nur wenig Emissionen und haben längere Reichweiten als Elektroautos. Aber sie sind extrem ineffizient. Um nämlich den Wasserstoff für einen Kilometer Fahrt mit dem Brennstoffzellen-Fahrzeug zu produzieren braucht man genauso viel Energie wie für acht Kilometer mit dem Elektroauto. (SRU Gutachten Seite 81 ff). Wo soll diese Energie herkommen? Und ist es uns das wert? Solchen Mehraufwand wird man nur dort aufbringen wollen, wo es keine oder kaum klimaschonende Alternativen gibt, also im Schwerlastverkehr, bei Schiffen oder Flugzeugen. Für Kleinwagen im Individualverkehr, wie wir ihn heute kennen, lohnt sich dieser Aufwand ganz sicher nicht. Dafür wäre Wasserstoff viel zu teuer.