GastkommentarEnergiewende - keine Angst vor dem Zappelstrom-Tsunami

Symbolbild Energiewende
Symbolbild EnergiewendePixabay

Die Generation Fossil macht der jungen schnell wachsenden Energie-Jugend das Leben schwer: Sonne, Wind, Wasser, Geothermie werden als modischer Schnickschnack abgetan. Stattdessen gilt die Eiche-rustikal-Schrankwand als ultimatives Leitbild einer blühenden Industrie und Wirtschaft. Welch ein Irrtum! Die besitzstandswahrende Altertümlichkeit einer mächtigen und privilegierten Minderheit wird leider zur Belastung der globalen, aber zunehmend auch der deutschen Wirtschaftskraft. Wer sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht verschließt, weiß, wie dringend wir angesichts der Unsicherheiten durch geopolitisch-fossile Konflikte, Kosten von Klimawandel und Ressourcenzerstörung endlich die richtigen Weichenstellungen für eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien benötigen. Wir brauchen zukunftsorientierte Innovationen statt rückwärtsgewandter Borniertheit.

Satt wissenschaftlich fundierte und faktenbasierte Lösungen für die absehbaren ökonomischen Herausforderungen einer klugen Energiewende zu entwickeln, werden immer mehr Mythen kreiert, warum die Energiewende angeblich nicht funktionieren kann. Das Ziel ist klar: Innovationen sollen verhindert werden, alles soll so bleiben wie es war.

Da müssen plötzlich dringend „Stromautobahnen“ gebaut werden, ohne die der Windstrom aus dem Norden nicht in den Bayrischen Süden fließen könne. Ein fossiles Ammenmärchen: Bayerns Süden bezieht seinen Strom, wenn nicht aus eigenen Kapazitäten, vor allem aus Österreich. Die Energiewende kann auch ohne den angeblich so nötigen Netzausbau munter weiter gehen.

Ökoenergien sind „grundlastfähig“

Genauso dringend brauchen wir angeblich „Grundlast-Kraftwerke“. Ein tolles Wort, das vornehmlich mit Kohleenergie verknüpft ist, ohne die unsere Welt spätestens bei „Dunkelflaute“ angeblich der Saft ausgeht. Fakt ist, dass auch erneuerbare Energien „grundlastfähig“ sind – beispielsweise Wasserkraft- oder Biomasse-Kraftwerke. Das heißt, sie produzieren versorgungssicher Strom Tag und Nacht. Der „Mythos Grundlast“ hält sich aber hartnäckig und ignoriert, dass auch erneuerbare Energien inklusive Wind und Sonne bei klugem und flexiblem Energiemanagement immer Energie liefern können.

Aber auch diese Fakten werden in der Diskussion gern vernachlässigt. Sonst käme ja heraus, dass für unsere sichere Energieversorgung die Dynamik und Flexibilität von erneuerbaren Energien viel sinnvoller und nützlicher ist als die Behäbigkeit fossiler Kraftwerke, die ohne Unterlass laufen, weil es zu lange dauert, sie nach Bedarf runter- und wieder hochzufahren. Die störenden Treibhausgase sind in diesem Zusammenhang zwar faktisch relevant, aber auch – als nerviges Gutmensch-Totschlagargument – irgendwie zu vernachlässigen.

Eine wirklich hollywoodreife Erfindung fossiler Geister sind die Horrorszenarien, in denen Deutschland in überschüssigem Wind- und Solarstrom, im so genannten „Zappelstrom“, nahezu versinkt. An windigen und sonnigen Tagen nämlich – das Wort „Sonnensturm“ ist offenbar noch nicht erfunden – gäbe es nicht ausreichend Speicher, um die Massen an Wind- und Solarstrom zu bewältigen. Vor dem inneren Auge spielt sich ein Albtraum ab: Ein gewaltiger Tsunami an Zappelstrom flutet die deutschen Netze und bringt die hiesige Wirtschaft zum aalgleichen Zittern. Zappelstromschlag an Zappelstromschlag vernichtet unsere Existenz. Schuld ist selbstredend die Energiewende: Mit Milliardensubventionen werde aus erneuerbaren Energien Strom generiert, den man – weil überflüssig und nicht speicherbar – komplett „wegwerfen“ müsse.