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„Friedensplan“ für die Ukraine Elon Musk: Diplomat in eigener Sache

Elon Musk twittert, was ihm gerade durch den Kopf geht
Elon Musk twittert, was ihm gerade durch den Kopf geht
© IMAGO / NurPhoto
Tech-Milliardär Elon Musk mischt sich mit Ratschlägen in den Ukraine-Krieg ein. Ob kalkuliert oder nicht: Die Aufregung dient vor allem ihm selbst

Elon Musk hat mal wieder etwas getwittert – und löst damit wie so oft ein lautes Echo aus. Doch diesmal geht es nicht um waghalsige Übernahmen, neue Tesla-Features oder Bitcoin-Schwärmereien. Dieses Mal meldet sich Musk bei einem wesentlich existenzielleren Thema zu Wort: als Problemlöser im Ukraine-Krieg. Was will er damit bezwecken?

Mit einem Beitrag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat der Multiunternehmer am Montag für Verwunderung in politischen Kreisen gesorgt. Musk, der bisher nicht gerade für sein diplomatisches Geschick bekannt ist, skizzierte dort einen Friedensplan für die Ukraine. In dem Post schlug er vor, dass das Land auf einen Teil seiner Gebiete verzichten und künftig „neutral“ bleiben solle. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte daraufhin empört.

Der reichste Mann der Welt erweckt mit seinen Tweets den Eindruck, dass er sich als politischer Ratgeber ins Spiel bringen will. Dass er selbst wirklich als Vermittler aktiv wird, darf allerdings bezweifelt werden. Zwei Dinge sind dabei wichtig zur Einordnung:

Zum einen hat Musk in der Vergangenheit selbst zugegeben, dass er zu impulsivem „Oversharing“ bei Twitter neige. „Ich twittere mehr oder weniger den Gedankenfluss“, sagte der Tesla-Chef noch im April in einem Interview mit Ted-Talks-Chef Chris Anderson. „Ich bin buchstäblich auf der Toilette oder so und denke: 'Oh, das ist lustig', und dann tweete ich das raus.“ Denkbar ist also, dass auch sein Beitrag zur Ukraine als Kurzschluss-Tweet entstand.

Zum anderen hat sich Musk in medialen Großlagen schon häufiger von der Seitenlinie eingeschaltet. Kurz nach Kriegsbeginn bot er etwa der Ukraine an, das Land mit dem Satelliten-Internet seiner Firma Starlink zu unterstützen. Ähnliche Hilfsangebote sprach er aus, als in Florida der Hurrikan Ian für Verwüstung sorgte und im Iran die Proteste gegen das Regime losgingen.

Musk beherrscht die Aufmerksamkeitsmaschine Twitter perfekt

Nicht immer ist klar, ob aus den Offerten wirklich etwas nützen. 2018 stellte Musk beispielsweise ein Ingenieursteam zusammen, um die eingeschlossenen Jungen in der thailändischen Tham-Luang-Höhle mit einem Mini-U-Boot zu retten. Musk postete damals täglich Fotos und Videos von Tauchübungen mit der Kapsel in einem Schwimmbad von Los Angeles – und platzierte so auch seine Marke in der internationalen Berichterstattung. Schlussendlich erwies sich das Mini-U-Boot jedoch als überflüssig – und Musk verhedderte sich in einem Verleumdungsprozess mit einem Rettungstauscher.

Ob edelmütige Absichten oder clevereres Marketing hinter solchen Ratschlägen und Hilfsangeboten stecken, weiß nur Elon Musk selbst. Klar ist: Musk beherrscht die Aufmerksamkeitsmaschine Twitter perfekt. Und das zahlt sich für seine Unternehmen aus.

Die Debatte über seine Ukraine-Tweets – ob kalkulierte Provokation oder nicht – sind eine willkommene Ablenkung von den Brandherden im eigenen Imperium. Denn dort hat Musk eigentlich schon mit genug Problemen zu kämpfen: Angefangen von den schwachen Auslieferungszahlen bei Tesla und dem Kursverfall der Aktie bis hin zum Mammutprozess gegen Twitter, der in zwei Wochen beginnt.

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