KommentarDie Tesla-Fabrik wird für Deutschland zum Stresstest

Ein Tesla zwischen gefällten Bäumen am geplanten Standort der Gigagactory in Grünheide
Ein Tesla zwischen gefällten Bäumen am geplanten Standort der Gigagactory in Grünheide Getty Images

Das Ringen um die Zukunft Deutschlands findet immer öfter in kleinen Wäldchen statt, und die Herausforderung dieser Zukunft liegt irgendwo zwischen dem Hambacher Forst und Grünheide, zwischen 200 Hektar altem Buchenwald im Braunkohlerevier und 90 Hektar Kiefernwald im brandenburgischen Nirgendwo, wo Tesla eine Fabrik bauen will. Einmal sollte abgeholzt werden für eine Vergangenheit, die aufhören muss, einmal für die Zukunft, die wir hinbekommen müssen.

Bei beiden spüren wir die Macht der Projektion, der Symbolik dieses Ringens: In Hambach sahen wir die Revierwunden des Tagebaus, die Last der Braunkohle, die böse RWE; in Grünheide die Verheißung der Tesla-Fabrik, die Vision eines Elektropioniers, 12.000 Arbeitsplätze, die drohen, in den märkischen Sand gesetzt zu werden.

Wieder einmal zog dieser Tage der Zukunftswiderstand vorbei wie in einem großen Karnevalszug: Protestbürger, aufgebrachte Anwohner, Waldameisen, Zauneidechsen und Umweltgruppen, von denen man bis dato noch nie gehört hatte. Daneben Bürgermeister, Landräte und Minister, die ein 360-Grad-Verständnis in alle Richtungen stammeln. Das Schild „Nein Danke!“ ist in Deutschland zur zweiten Staatsflagge geworden.

Sogar Zauneidechsen sollen eingefangen werden

Am Donnerstagabend kam die ersehnte Nachricht: Tesla darf auf dem Gelände seiner geplanten Fabrik weiter Bäume roden. Ein Stopp hätte das gesamte Projekt gefährdet, denn ab Sommer 2021 sollen dort 500.000 Elektroautos gebaut werden. Halleluja!

Tesla lebt uns offenbar Geschwindigkeit und Zukunftsdrang vor, die wir nicht mehr gewohnt sind. Für Deutschland wird das zum Stresstest. Denn es geht ja nicht darum, dass der Elektropionier eine Sonderbehandlung bekommen soll oder jemand in Brandenburg etwas verschlafen oder vergeigt hat.

Das Spektakel um die Tesla-Fabrik ist deshalb so bemerkenswert, weil die Beteiligten eigentlich alles richtig gemacht haben. Minister und Bürgermeister setzen sich ein und entscheiden schnell, möglichst viele werden angehört und eingebunden, sogar die meisten Grünen und Naturschützer stellen sich nicht schützend vor die „ökologisch wertlosen“ Kiefern, sondern vor das Projekt. Auch Tesla hat bisher alles richtig gemacht, erfüllt Auflagen, will weniger Wasser verbrauchen als die angekündigten 400.000 Liter pro Stunde, will Waldameisen umsiedeln und Eidechsen einfangen.