Tech-GründerDie neuen Hidden Champions

Firmenneubau
Firmenneubau: Dass der Name auf dem Kopf steht, soll für die Fehlerkultur des Unternehmens werben Lêmrich

Das Taxi mit dem Trivago-Gründer auf der Rückbank irrt durch den Düsseldorfer Medienhafen. Dabei liegt das Ziel schon in Sichtweite: ein gewaltiger, geschwungener Rohbau. Aber wie genau kommt man da hin? Es braucht ein paar Versuche, dann findet der Taxifahrer den richtigen Zugangsweg. Schrömgens steigt aus, wird von Mitarbeitern in gelben Warnwesten und Schutzhelmen in Empfang genommen und betritt: seine künftige Firmenzentrale.

Es ist Ende August, und Rolf Schrömgens besucht zum ersten Mal die Baustelle des neuen Trivago-Campus, wo vom nächsten Jahr an bis zu 2000 Mitarbeiter die Weltmarktführerschaft im Hotelbuchungsmarkt sichern sollen. Selbst das Richtfest des 26.000-Quadratmeter-Gebäudes im Juli hat Schrömgens geschwänzt. „Zu viel zu tun.“

Was einerseits verständlich ist, schließlich leitet der Mann einen Konzern mit heute 1300 Mitarbeitern, der im vergangenen Jahr eine Dreiviertelmilliarde Euro Umsatz gemacht hat – und dem im Dezember der Börsengang an die New Yorker Nasdaq gelang. Schrömgens’ Desinteresse gegenüber dem Ort, an dem sich der Trivago-Erfolg am sichtbarsten manifestiert, sagt andererseits aber auch viel über das Selbstverständnis dieser Firma aus, die lieber tiefstapelt und sich ganz wohl damit fühlt, Deutschlands vielleicht verkannteste digitale Erfolgsgeschichte zu sein. Dem Unternehmen sei „ein gewisses Maß an Understatement“ eigen, sagt der Gründer. Weshalb man auch gut nach Düsseldorf passe, in diese „unterschätzte Stadt“.

Gegenüber der deutschen Digitalwirtschaft gibt es zwei beliebte Vorurteile. Erstens: Deutschland habe die erste Halbzeit des Onlinespiels verschlafen, beim Verbraucherinternet seien wir hoffnungslos abgehängt, allen voran von den Amerikanern. Zweitens: Wenn doch was gehe im digitalen Deutschland, dann nur in Berlin. Hier und nirgends sonst schlage das Herz der neuen Gründerzeit, hierhin strömten Gründer und Techies aus der ganzen Welt. Dabei wird vergessen, dass in Deutschland längst erfolgreiche Digitalunternehmen entstanden sind – und dass die Hidden Tech-Champions gerade auch abseits der Hauptstadt zu finden sind. Nur jedes sechste Jungunternehmen, das der „Deutsche Startup Monitor 2017“ registrierte, hatte seinen Sitz in Berlin.

Fernab des Trubels

Capital hat sich aufgemacht zu einer Expedition in die digitale Provinz. Wir sind ins Rheinland, nach Nordbaden und ins Schwäbische gefahren, um drei Vorzeigeunternehmen zu besuchen, deren Geschichten zeigen, was mit der richtigen Mischung aus Bescheidenheit und Beharrlichkeit, aus Erfindergeist und moderner Unternehmenskultur in der deutschen Digitalwirtschaft möglich ist.


Wo sich die Hidden Champions verstecken


Die Reise beginnt ein paar Kilometer entfernt vom Düsseldorfer Medienhafen, im Stadtteil Golzheim, wo Trivago derzeit drei Bürotürme belegt – ein Dauerprovisorium für die wachsende Firma, die jeden Monat um gut 50 Mitarbeiter zulegt. Die werden standesgemäß mit kunterbuntem Start-up-Allerlei bespaßt: Strandkörbe, Billardtisch, Meetingräume, die wahlweise nach Bibliothek oder Berghütte aussehen, Kühlschränke mit Freibier, Müsli für alle.