GastbeitragDie Metro AG: ein unternehmerischer Offenbarungseid

Metro-Chef Koch spricht auf der Hauptversammlung des Konzerns im Februar
Metro-Chef Koch spricht auf der Hauptversammlung des Konzerns im Februarimago images / Cord

Übernahmegerüchte und nun der Verkauf der Real-SB-Warenhäuser an den russischen Finanzinvestor SCP, der an diesem Donnerstag vollzogen wird  – die Metro AG kommt nicht aus den Schlagzeilen. Leider sind es für die Aktionäre selten gute Nachrichten. Als der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch vor knapp vier Jahren seinen Plan zur Aufspaltung der Metro AG verkündete, malte er seinen Aktionären das Bild zweier blühender Unternehmen, die nur darauf gewartet hätten, endlich in die Eigenständigkeit entlassen und damit zu grandiosem Wachstum geführt zu werden. Damals begründeten Koch und Kollegen den radikalen Trennungsschritt damit, dass beide Unternehmen, Metro und Ceconomy, auf sich allein gestellt agiler und handlungsfähiger seien und somit für ihre Aktionäre Mehrwert schaffen würden. Auch ein Konglomeratsabschlag, der sich nach Meinung des Vorstands im Rahmen der Aufspaltung in Luft auflösen würde, wurde als Argument angeführt.

Aktionärsvermögen massiv vernichtet

Es kam anders. Der Abschlag, wie er bei den meisten mehrdivisionalen Konzernen zu beobachten ist, stellte sich im Nachhinein als Konglomeratsaufschlag heraus, der in den letzten Jahren mit einem erdrutschartigen Kursverfall Aktionärsvermögen massiv vernichtete. Und beide Unternehmen funktionierten nicht besser, sondern deutlich schlechter als zuvor. Seit der Teilung des Unternehmens 2017 und lange vor der Corona-Krise hat sich die addierte Marktkapitalisierung von Metro und Ceconomy gegenüber der Kapitalisierung der alten Metro AG um fast 3 Mrd. Euro reduziert.

Allein in den letzten zwölf Monaten hat sich der Aktienkurs der Metro im Vergleich zum MDaxum gut 30 Prozent schlechter entwickelt. Die 150 bis 200 Mio. Euro, die die Umsetzung dieser Transaktion an Kosten für Berater, Banker und Anwälte verschlungen haben soll, erscheinen aus heutiger Sicht noch absurder als vor vier Jahren. Genauso gut hätte man das Geld auf Rollen wickeln und als Klopapier an Bedürftige verteilen können – der gestiftete Nutzen wäre wahrscheinlich höher.

Metro St Aktie

Metro St Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der Meister des Financial Engineerings auf Irrwegen

Die Gründe der Misere sind vielfältig und fast allesamt hausgemacht. Das beginnt bei der Eigentümerstruktur. Über viele Jahre wurde sie drei Großaktionären Haniel, Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim dominiert, die sich über die Strategie des Unternehmens oft uneinig waren. Wie wir heute wissen, nicht unbedingt zum Vorteil der Minderheitsaktionäre. Außerdem hat sich mit Daniel Kretinsky ein mächtiger Gegenspieler positioniert, der mittlerweile 29,9 Prozent der Anteile hält und damit eine satte Sperrminorität besitzt.

Probleme gibt es aber auch im Management: Der CEO mag ein Finanzexperte sein und für manche sogar ein Meister des Financial Engineering. Was die Metro allerdings dringender bräuchte, wäre ein Handelsexperte. Denn die Metro AG befindet sich in wichtigen Märkten wie Deutschland oder Russland, das früher für einen Großteil des Konzernergebnisses stand, seit Jahren nur noch im Rückwärtsgang. Das hat auch mit der wenig visionären und zaudernden Führung zu tun. So mag die Entscheidung, in das Belieferungsgeschäft einzusteigen, richtig gewesen sein. Denn gerade für die Zielgruppe der Hotels, Restaurants und Caterer, ist das ein enorm wichtiger Faktor. Allerdings erfolgte der Einstieg zu spät und krankte an inkonsequenter Umsetzung.

Auch bei der SB-Warenhaus Tochter Real ließ sich fehlende Entschlossenheit über viele Jahre beobachten. Beispielhaft dafür ist das Pilotprojekt „Markthalle“ in Krefeld. Durchaus gelungen, war es leider so realitätsfern teuer, dass ein Rollout nie erfolgte. Mit dem vor einigen Wochen vollzogenen Notverkauf ist Metro Real nun los. Klar ist schon jetzt, dass es weder für die Metro AG und noch für ihre Aktionäre ein gutes Geschäft war.