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Die Stunde Null Deutscher Wein 2022: „Das wird ein sehr, sehr guter Jahrgang“

Traditions-Winzerin Bettina Bürklin-von Guradze
Traditions-Winzerin Bettina Bürklin-von Guradze
© IMAGO / Hoffmann
Dürreperioden und Wetterkapriolen machen auch dem deutschen Weinbau zu schaffen. Allerdings sorgt der Klimawandel in manchen Regionen auch für bessere Ergebnisse. Winzerin Bettina Bürklin-von Guradze erzählt, warum das Wetter 2022 ihrem Riesling nicht geschadet hat

Lange Dürreperioden, extreme Hitze und andere Wetterextreme belasten die Landwirtschaft auch in Deutschland. Doch ausgerechnet den Weinbauern bringen die klimatischen Veränderungen zum Teil durchaus auch einen Nutzen. „Die Produktion wirklich hochqualitativer und hochwertiger Rotweine hier in Deutschland ist möglich geworden. Und die profitieren bestimmt extrem vom Klimawandel“, sagt die pfälzische Winzerin Bettina Bürklin-von Guradze im Podcast „Die Stunde Null“. „Auch wir Riesling Winzer können uns bisher nicht beschweren.“ Für die Ernte des Jahres 2022, in dem es zu langen Trocken- und Hitzephasen kam, kommt Bürklin-von Guradze zu einem sehr positiven Ausblick: „Wir sehen, dass die Weinberge gut gewappnet für solche Trockenperioden sind. Vor allem natürlich diejenigen, die tief wurzeln.“ Sollte es in den kommenden Wochen nicht zu extremen Kapriolen kommen, gehe sie davon aus, „dass wir einen sehr, sehr guten Jahrgang einfahren können“.

Die Winzerin leitet seit 1990 ein 85 Hektar großes Weingut in Wachenheim an der Weinstraße, zu dem auch etliche Spitzenlagen gehören. Der Betrieb ist mehr als 400 Jahre alt und gehört zum Verband der Prädikatsweingüter, in dem sich die Aushängeschilder des deutschen Weinbaus organisiert haben. Er ist eines der größten deutschen Weingüter in Privatbesitz und baut überwiegend Riesling an. Nach Jahrzehnten, in denen ähnlich wie in anderen deutschen Weingütern vor allem auf Menge gesetzt wurde, peilt Bürklin-von Guradze inzwischen vor allem die Produktion von Qualitätsweinen an – mit biodynamischen Methoden. „Wir müssen qualitativ beweisen, dass wir genauso gut sind wie Frankreich“, sagt die Winzerin.

Die in vielen Branchen spürbaren Probleme bei der Suche nach Arbeitskräften vermeidet Bürklin-von Guradze, indem sie seit langer Zeit mit einem festen Stamm polnischer Saisonarbeiter zusammenarbeitet. „Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind solche Menschen nicht zu bekommen“, sagt die Winzerin. Programme, in denen die Betriebe dazu verpflichtet wurden, einen bestimmten Anteil arbeitslos Gemeldeter bei sich zu beschäftigen, seien gescheitert: „Wir haben nach sechs Wochen gesehen, dass wir so keine einzige Taube ernten werden, weil die arbeitslos Gemeldeten entweder körperlich nicht in der Lage oder nicht gewillt waren, diese Arbeit zu verrichten.“

Hören Sie in der neuen Folge von „Die Stunde Null“,

  • warum Bürklin- von Guradze eine ukrainische Familie bei sich aufgenommen hat,
  • welchen Preis sie für einen deutschen Wein verlangen kann,
  • weshalb sie für ihren Weinbau auch Kuhhörner benötigt.

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