KolumneDeutsche Bank: Bad Banks in der Taunusanlage

Christian Kirchner
Christian KirchnerGene Glover

Noch vor gut einem Monat gaben sich die Macher der TV-Serie „Bad Banks“ Mühe, bei Handlung und Drehorten keine allzu offensichtlichen Parallelen zur Deutschen Bank zu zeichnen. Das ging sogar so weit, dass bei Luftaufnahmen ein digital hineinmontierter, fiktiver Bankenturm zu sehen war, in dem die Protagonisten sich gegenseitig übers Ohr hauen. Die ganze Sache ging dann am Ende zwar schlecht für die fiktive Bank, aber gut für die echte Deutsche Bank aus: In Deutschland diskutierte man über die Serie, nicht aber darüber, wie viel Deutsche Bank denn wohl in „Bad Banks“ stecke.

Vermutlich hätte man sich in den echten Zwillingstürmen nicht träumen lassen, dass die Bank in gerade einmal vier Wochen eine filmreife Geschichte abliefert, die sich Drehbuchautoren nicht besser hätten ausdenken können: Trotz dreier Verlustjahre in Folge klettern die Boni auf über 2 Mrd. Euro, das ganze scheibchenweise kommuniziert. Aus einer Führungskräftetagung dringt eine Wutrede nach draußen, in der ein Vorstandsmitglied die Bank als „dysfunktional“ beschimpft. Der Aufsichtsratschef ist offenbar extern auf der Suche nach einem Nachfolger für den amtierenden Vorstandschef John Cryan, dessen Vertrag aber noch bis 2020 läuft und der sich in einem kämpferischen Brief an die Belegschaft wendet. Vergessen scheint der gerade einmal ein Jahr alte Plan, in der Nachfolgedebatte ein internes Wettrennen zwischen Privatkundenchef Christian Sewing und Investmentbankingchef Marcus Schenck anzuzetteln. Unterdessen landet ein ehemaliger Händler der Bank in London im Gefängnis.

Es liegt nicht mehr in ihrer Hand

Dass angesichts der schlechten Ertragslage und dem dramatischen Aktienkursverfall – seit Mitte Dezember ging es ein weiteres Drittel nach unten auf zuletzt 11,25 Euro – über Personal debattiert wird, ist naheliegend. Wer trägt wie viel Schuld, hat zu spät oder nicht entschlossen genug reagiert, falsche Personalentscheidungen getroffen?

Es geht bei der Deutschen Bank aber an der Sache vorbei. Denn spätestens mit Vorlage der Bilanz für 2017 Anfang Februar war klar, dass es nicht länger in der Hand der Bank und ihrer handelnden Personen liegt, ob das Universalbankenmodell mit drei Säulen – Privat- und Firmenkunden, Investmentbanking, Vermögensverwaltung – eine Zukunft hat. Dafür sind Dinge entscheidend, auf die das Institut keinen Einfluss hat. Dazu gehört etwa die Frage, wie sich die Kapitalmarktzinsen entwickeln (damit endlich wieder eine Zinsmarge auf die üppig vorhandene Liquidität verdient wird) oder ob das Geschäft im Investmentbanking über starke Marktschwankungen, besonders im Anleihehandel, wieder anspringt. Das Jahr begann nur dummerweise mit der genau falschen Entwicklung, nämlich stagnierenden Zinsen in der Eurozone und steigenden Zinsen in den USA, was der Bank höhere Refinanzierungskosten aufbrummt, während die Zinsen auf die hohen Euro-Anlagen einfach nicht steigen.

Nun könnte man den Aufsichtsratschef auswechseln und hoffen, dass der neue Vorsitzende ein besseres Händchen bei der Personalauswahl hat. Man könnte auch einen neuen Vorstandschef installieren, der härter spart. Aber auch neue Köpfe bräuchten Rückenwind vom Kapitalmarkt, wenn sie beweisen wollen, dass das Universalbankenmodell funktioniert. Kein noch so charismatischer Kopf oder aggressiver Kostenkiller wäre in der Lage, die Bank in ihrem aktuellen Zustand bei widrigen Bedingungen signifikant ertragsstärker zu machen.

Riskante Strategie

Die Strategie der Bank zu hoffen, dass das Investmentbanking dann doch irgendwann mal wieder anspringt und hohe Erträge liefert, ist riskant mit Blick auf ihre Reputation. Boni für Banker, die Verluste erwirtschaften, das garantiert eine kritische Presse. Und war es nicht auch in „Bad Banks“ eine heiße Wette, den Erfolg der fiktiven Bank an ein einziges großes Projekt zu ketten?

Es gilt indes weiterhin wie schon Anfang Februar: Ob die Alternative zum Universalbankenmodell – etwa eine Zerschlagung der Bank, das Trimmen auf Wettbewerbsfähigkeit in einem schwierigen Privat- und Firmenkundengeschäft sowie massive Kosteneinsparungen – Erfolg versprechender wäre für Aktionäre, ist fraglich. Dass eine Zerschlagung eine Katastrophe für die Mitarbeiter wäre, hingegen nicht.


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