KolumneDeutsche Bank: Schlechte Zahlen, schlechte Stimmung

Das Lächeln von Deutsche-Bank-Chef Cryan wirkt gequält. Die Lage seines Instituts ist alles andere als gutdpa

Für Aktionäre und Mitarbeiter der Deutschen Bank halten die am Freitag veröffentlichten Quartalszahlen eine schlechte Nachricht bereit. Sie lautet: Ob das unter Vorstandschef John Cryan verfolgte Geschäftsmodell einer Universalbank mit den Säulen Investmentbanking, Privat- und Firmenkunden sowie der Vermögensverwaltung tatsächlich langfristig funktionieren kann, liegt nicht länger in der Hand der Bank. Dafür sind nunmehr Dinge entscheidend, auf die das Institut keinen Einfluss nehmen kann. Etwa die Frage, ob es künftig wieder stärkere Kursschwankungen an allen Kapitalmärkten gibt, die Investmentbankern gute Geschäfte bescheren. Und auch die Frage, ob die Zinsen in der Eurozone wieder klettern, damit die Zinserträge steigen. Und selbst wenn diese externen Faktoren der Bank in die Hände spielen, ist offen, ob die Bank dann noch in der Position ist und die Mitarbeiter hat, um davon zu profitieren.

Denn die veröffentlichten Zahlen sind mit einem Wort: schlecht. Die Umsätze für das Gesamtjahr (26,4 Mrd. Euro) lagen unter den Erwartungen. Die Kosten (23,8 Mrd. Euro) wiederum darüber, das Ergebnis vor Steuern (1,3 Mrd. Euro) darunter, der Nettoverlust wegen der US-Steuerreform von 0,5 Mrd. Euro ebenfalls. Hauptverantwortlich waren dafür schwache Umsätze und hohe Kosten in der Investmentbanking-Sparte. Entsprechend gab es an der Börse dafür auch die Quittung: Um knapp sechs Prozent stürzte die Aktie nach Vorlage des Zahlenwerks ab.

Deutsche Bank Aktie

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Das ist in der Summe besorgniserregend. Es manövriert auch den Vorstandschef John Cryan in eine schwierige Position. Zwar wird er nicht müde, die Fortschritte bei der Sanierung des Instituts zu loben. Dass Cryan erklärt, in seinem Institut entstehe „allmählich eine neue Kostenkultur“, spricht Bände. Allmählich? Cryan ist vor zweieinhalb Jahren angetreten. Und er kassierte am Freitag auch das Kostenziel für 2018, statt 22 Mrd. Euro sollen die Kosten nun 23 Mrd. Euro betragen. Nebenbei zeigte sich auch, dass der Personaufwand 2017 wieder gestiegen ist. Sieht so eine neue Kostenkultur aus?

Das Prinzip Hoffnung

Nun liegt es natürlich nahe, Cryan infrage zu stellen und womöglich den ganzen Bereich des Investmentbankings gleich dazu. Hier hat das Institut über die Jahre dramatisch an Boden gegenüber US-Wettbewerbern verloren. Und es ist Wasser auf den Mühlen der Kritiker, die sich darüber mokieren, dass die Bank trotz des dritten Nettoverlusts in Folge Boni von rund 1 Mrd. Euro auszahlen will.

Aber wer sich darüber beschwert, sollte auch Vorschläge unterbreiten, welche Handlungsalternativen die Bank denn hat – außer: zu hoffen. Zu hoffen, dass das Geschäft schon wieder anspringt, die Zinsen wieder klettern. Und dass das Personal in einem wettbewerbsintensiven Umfeld noch da ist, um davon zu profitieren.

Das Privat- und Firmenkundengeschäft mag in der Öffentlichkeit besser gelitten sein als das der Investmentbanker. Die DWS, deren Teilbörsengang ansteht, mag einen guten Markennamen und stabile Ergebnisbeiträge haben. Aber beide Bereiche decken nicht mal annähernd den aktuellen Börsenwert von rund 28 Mrd. Euro ab. Vom Privat- und Geschäftskundengeschäft kam zuletzt ein Ergebnisbeitrag von gut 1 Mrd. vor Steuern, von der DWS von 700 Mio. Euro. Selbst der arg gerupfte Börsenkurs der Deutschen Bank reflektiert immer noch die Hoffnung, dass die Erträge im Investmentbanking bald wieder anspringen.

Eine spannende Börsengeschichte sieht anders aus

Zwar überhäuft die Deutsche Bank ihre Fondstochter DWS mit Lob. Die tatsächlichen Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache und werfen die Frage auf, ob der Teilbörsengang überhaupt Wert offen legt oder schaffen wird für Aktionäre: Zuflüsse verzeichnete die DWS zuletzt vor allem in margenschwachen Bereichen. Ihr Vermögen wächst branchenunterdurchschnittlich. Obwohl man davon ausgehen muss, dass das Institut vor dem Börsengang „herausgeputzt“ wird, verzeichnete die DWS im abgelaufenen Jahr nicht nur magere Zuflüsse von gerade einmal 16 Mrd. Euro bei rund 700 Mrd. Euro Vermögen. Kosten wie Erträge stagnieren unter dem Strich, der Margendruck ist hoch – eine spannende Börsengeschichte sieht anders aus, allzu sportliche Preisvorstellungen wird das Institut dafür nicht durchsetzen können. Und die Bank wird sich entsprechend auch den Fragen ihrer Aktionäre aussetzen müssen, ob der Teilbörsengang tatsächlich Wert schafft, schließlich fallen auf Konzernebene damit planbare Erträge der Fondstochter weg und die Abhängigkeit von anderen Bereichen nimmt zu.

Die Deutsche Bank hat es verpasst, sich auf die aktuell schwierigen Marktbedingungen – extrem niedrige Zinsen, kaum Schwankungen an den Märkten – frühzeitig einzustellen. Dafür hätte ihr Vorstandschef Cryan bereits unmittelbar nach Amtsantritt 2015 bei den Kosten zu viel weitreichenderen Maßnahmen greifen müssen als jenen, die er eingeleitet hat.

Unternehmerisch ist es dennoch die richtige Entscheidung, das Modell der Universalbank nun weiter zu verfolgen. Denn wenn die Deutsche Bank ein Problem hatte, dann auch, dass sie Geschäftsmodelle in der Vergangenheit oft zu früh über den Haufen geworfen hat. Klar, das kostet. Und die idelle Bewertung ist eine andere Sache: Wenn eine Bank sich lange damit rühmt, den moralischen Kompass wiedergefunden zu haben, der ihr lange Jahre zuvor verloren gegangen war, haben Boni für Verlustjahre einen faden Beigeschmack.

Die Deutsche Bank sollte aber nicht geführt werden, um es der Politik Recht zu machen, sondern ihren Mitarbeitern, Kunden und Aktionären. Kann das aktuelle Modell funktionieren? Ja. Aber dem Institut läuft die Zeit davon, dies auch zu beweisen, und komplett in der Hand hat sie es nicht mehr. Ob aber eine Zerschlagung der Bank, ihr Trimmen auf Wettbewerbsfähigkeit in einem schwierigen Privat- und Firmenkundengeschäft und massive Kosteneinsparungen erfolgversprechender wären für Aktionäre, ist fraglich. Dass eine Zerschlagung eine Katastrophe für Mitarbeiter wäre, hingegen nicht.