„Buy now pay later“ Der Waffenkauf soll noch einfacher werden – meinen die Hersteller

Ausstellungsstand von Daniel Defense auf dem NRA-Kongress 2019
Ausstellungsstand von Daniel Defense auf dem NRA-Kongress 2019
© IMAGO / ZUMA Wire
Die Waffe des Amokläufers von Uvalde stammte von Daniel Defense. Die Firma arbeitet daran, den Waffenkauf noch simpler zu machen – etwa mit „Buy now pay later“-Plänen

Wer die Website des Waffenherstellers Daniel Defense aufruft, sieht als erstes eine Pop-up-Nachricht, in der das Unternehmen den 21 Opfern des Amoklaufs von Uvalde in Texas sein Beileid ausspricht. „Wir sind zutiefst betrübt über die tragischen Ereignisse in Texas in dieser Woche“, heißt es dort. „Wir gehen davon aus, dass die bei dem Anschlag verwendete Schusswaffe von Daniel Defense hergestellt wurde. Wir werden mit allen Strafverfolgungsbehörden bei ihren Ermittlungen zusammenarbeiten. Die Familien der Opfer und die gesamte Gemeinde Uvalde sind in unseren Gedanken und Gebeten.“

Wer etwas weiter nach unten scrollt, kann auf ein Feld klicken, das für eine Finanzierungsoption des Unternehmens wirbt, und das eine ganz andere Message aussendet: „Gewinnen Sie 15.000 Dollar, wenn Sie jetzt kaufen und später mit Credova bezahlen“, dazu die Erklärung, wie man in drei einfachen Schritten an einem Gewinnspiel teilnehmen kann.

Credova ist ein in Bozeman im US-Bundesstaat Montana ansässiges Unternehmen für Verbraucherfinanzierung, das Ratenzahlungspläne für Schusswaffen und Outdoor-Waren anbietet. Die Partnerschaft ist ein Beispiel dafür, wie weit verbreitet Programme für „Buy now pay later“ (BNPL) im Einzelhandel geworden sind. Von Credova heißt es, dass man den Waffenkauf des Mörders von Uvalde nicht finanziert habe. Daniel lehnte eine Stellungnahme ab.

Neue Debatte um Zugang zu Waffen

Das Angebot zeigt auch eindrücklich, wie einfach der Zugang zu Schusswaffen in den meisten Teilen der USA ist. Die Debatte über die Kontrolle des Zugangs ist in den Staaten neu entbrannt, nachdem es im Mai zwei tödliche Massaker gegeben hat und der Supreme Court bald eine Entscheidung fallen wird, die die Verbreitung von Handfeuerwaffen in den bevölkerungsreichsten Städten des Landes noch einmal erheblich erhöhen könnte. Gleichzeitig funktioniert der Markt für Waffen wie jedes andere Verbrauchergeschäft, einschließlich des Zugangs zu schneller Finanzierung. 

„Wenn wir sehen, dass Waffenhändler und Waffenhersteller handelsübliche Werbestrategien anwenden, werden Waffen als eine ganz normale Art von Konsumgütern normalisiert und legitimiert – so dass die Leute nur mit minimalen Hindernissen darauf zugreifen können sollten“, sagt die Marketing-Expertin Aimee Huff von der Oregon State University. „Auf eine pragmatische und symbolische Art und Weise werden Schusswaffen so zugänglicher.“ Ein Sprecher von Credova sagt, dass „Buy now, pay later“-Finanzierungen nur einen kleinen Teil der Waffenkäufe ausmache und dass die meisten Waffen mit Kredit- oder Debitkarten gekauft würden.  

BNPL-Unternehmen kooperieren mit Einzelhändlern, um Kunden an der Kasse oder online die Möglichkeit zu bieten, in Raten zu zahlen, anstatt den vollen Betrag im Voraus zu überweisen. Sie erleben in den letzten Jahren einen Boom, da die Händler festgestellt haben, dass sie den Umsatz steigern. Jüngere Verbraucher sehen sie als eine einfachere Alternative zur Kreditkarte an. 

Bei vielen „Jetzt kaufen, später bezahlen“-Programmen werden die Zahlungen in vier zinsfreie Raten aufgeteilt. Den Informationen auf der Website von Daniel zufolge bietet Credova eine andere Art der Finanzierung an, bei der Zinsen anfallen können, wenn der Saldo nicht innerhalb von drei Monaten beglichen wird. Ein Credova-Sprecher sagt, das Unternehmen prüfe derzeit ein Pay-in-Four-Angebot, das laut seiner Website „in Kürze“ verfügbar sein wird. Credova teilt mit, dass es wie andere Branchenteilnehmer Geld mit Gebühren verdient, die von den Händlern gezahlt werden, und nicht durch Gebühren, die den Kunden in Rechnung gestellt werden.

Klarna oder Afterpay finanzieren keine Waffen

Einige der größten Namen der BNPL-Branche bieten ihre Dienste nicht für Waffenkäufe an. Affirm, Afterpay und der schwedische Kreditgeber Klarna arbeiten nicht mit Waffenhändlern in den USA zusammen. Affirm und Afterpay geben beide an, dass dies gegen ihre Händlerrichtlinien verstößt, genauso wie Artikel wie Feuerwerkskörper, Drogenutensilien, E-Zigaretten oder Tabak.

Aber Credova scheint nicht allein zu sein. Laut seiner Website arbeitet das in Minneapolis ansässige Unternehmen Sezzle mit einer Reihe von Händlern für Waffen oder Munition zusammen. Sezzle reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Credovas Fokus liegt eigentlich bei Outdoor-Aktivitäten, es listet 37 Unternehmen im Bereich Jagdgeschäfte auf seiner Website auf. „Vielleicht wegen ihrer politischer Überzeugungen oder wegen was auch immer, aber viele unserer Konkurrenten in anderen Branchen kommen nicht gerne in diese Branche“, sagte Credovas Chief Revenue Officer Kamron Davis in einem Interview, das im Januar auf Youtube geteilt wurde. 

Der aus Virginia stammender Schusswaffenhersteller und -händler Safeside Tactical arbeitet seit Sommer 2019 mit Credova zusammen. „Das war, bevor BNPL zum Mainstream wurde“, sagt Mitchell Tyler, Miteigentümer und Vizepräsident von Safeside. „Wir haben eine kleine Gruppe von Händlern und Banken, die mit uns Geschäfte machen, weil wir ein Waffenhändler und -hersteller sind.“ Vor Credova war das Unternehmen nur in der Lage, einen Layaway-Plan anzubieten, bei dem die Kunden ihre Waffe abholen konnten, nachdem alle Zahlungen geleistet worden waren. Background-Checks und die Abholung der Waffe würden vor Ort durchgeführt, sagt Tyler, auch wenn ein Kunde den Kauf über Credova online tätige.

Credova-Geschäftsführer ist Dusty Wunderlich, der früher eine inzwischen bankrotte Holdinggesellschaft leitete, die alles mögliche von Hunden bis zu Hochzeitskleidern vermietete. Credova hat auch Finanzierungen für Haustiere angeboten, was zu einer Auseinandersetzung mit den Aufsichtsbehörden führte. Das Büro des Generalstaatsanwalts von Massachusetts schloss im Jahr 2021 einen Vergleich mit Credova und einem anderen Unternehmen wegen des Vorwurfs, dass Credova in diesem Bundesstaat Hunde vermietet habe, was dort illegal ist. Credova kam dabei um das Eingeständnis herum, gegen ein Gesetz verstoßen zu haben. 

„Wir betrachten uns als Finanztechnologieunternehmen“, sagte Wunderlich in einem auf Facebook geposteten Messe-Interview. „Was viele Fintechs tun, ist zu versuchen, das Kundenerlebnis einfacher zu machen.“

© 2022 Bloomberg L.P.

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