Western von gesternDer Untergang von Worldcom-Chef Bernie Ebbers

Bernie Ebbers (r.) auf dem Höhepunkt: 1997 übernahm Worldcom für 37 Mrd. Dollar den Konkurrenten MCI
Bernie Ebbers (r.) auf dem Höhepunkt: 1997 übernahm Worldcom für 37 Mrd. Dollar den Konkurrenten MCIdpa

Damals, im Wahn des Dotcom-Booms, gab es einen, der war noch wahnsinniger als der Rest: Bernie Ebbers, Chef von Worldcom. Ebbers, einst Milchmann und Basketballtrainer, hatte das Unternehmen 1983 gegründet und mit atemlosen 60 Zukäufen innerhalb von zwei Dekaden zum zweitgrößten Telekomkonzern der USA gemacht. Der größte davon war 1997 MCI, 37 Mrd. Dollar schwer, ein Rekord. Aber das reichte Ebbers nicht.

Im Herbst 1999 plant er den Mega-Megadeal: Für über 100 Mrd. Dollar will er den Rivalen Sprint kaufen. Worldcom wird mit 165 Mrd. Dollar bewertet – Ebbers allein besitzt ein Aktienpaket von 1,4 Mrd. Dollar. Doch diesmal hat Ebbers, der bevorzugt in Westernstiefeln und mit Vollbart bei Investorenkonferenzen erscheint, zu hoch gepokert. Nachdem Sprint-Chef William Esrey eingewilligt hat (während er in Colorado auf dem Rücken eines Pferdes sitzt), untersagen Ende Juni 2000 Kartellbehörden die Fusion. Die Methode Ebbers, durch Einkaufstouren zu wachsen, ist gescheitert. Die Aktie bricht ein.

25 Jahre Haft für Bernie Ebbers

Im April 2002, Worldcom ist noch knapp über 10 Mrd. Dollar wert, muss Ebbers auf Druck der Aktionäre gehen. Dabei kommt heraus, dass er sich vom Unternehmen 366 Mio. Dollar geliehen hat, um Verluste aus Derivategeschäften mit eigenen Aktien zu decken. Damit die Aktie nicht noch schneller abstürzt, hat Ebbers die Bilanzen fälschen lassen. Insgesamt 11 Mrd. Dollar zu viel Gewinn hat Worldcom ausgewiesen. Es ist der bis dahin größte Wirtschaftsskandal der Geschichte – den aber schon 2008 ein Namensvetter übertreffen wird: Bernie Madoff.

Worldcom bricht zusammen, und 20.000 Mitarbeiter verlieren Job und Pension. Ebbers wird angeklagt. Er beteuert seine Unschuld, doch sein Finanzvorstand Scott Sullivan ist Kronzeuge – und beichtet alles. Im Juli 2005 wird Ebbers wegen Bilanzbetrugs zu 25 Jahren Haft verurteilt. Ein Gnadengesuch wird 2008 abgelehnt, erst Ende Dezember 2019 wird er wegen seines schlechten Gesundheitszustands entlassen. Am 2. Februar 2020 ist er gestorben.

Die Reste seines Imperiums werden 2006 an den Konkurrenten Verizon verkauft, nach einem harten Bietergefecht gegen Qwest. Ein Riese entsteht, mit 90 Mrd. Dollar Umsatz und 250.000 Beschäftigten. Immerhin, das hätte Bernie Ebbers wohl gefallen.

Hauptperson:

Bernie Ebbers wurde 1941 als zweites von fünf Kindern in Kanada geboren. Er studierte am Mississippi College und verdiente sich sein Geld als Türsteher, Milchmann und Basketballtrainer. Seine ersten Geschäfte macht Ebbers mit Motels. 1983 stieg der Kanadier in den frisch liberalisierten Markt für Ferngespräche ein, über die Firma Long Distance Discount Services (LDDS), die er über Dutzende Akquisitionen groß machte und 1995 in Worldcom umbenannte. Ebbers war zweimal verheiratet und hat drei Töchter, seine zweite Frau ließ sich 2008 scheiden, als er schon im Gefängnis saß. Ebbers taucht zweimal in einer Liste des „Time Magazine“ auf: 1999 auf Platz 26 der „Time Digital 50“. Und 2009 unter den Top Ten der korruptesten CEOs der Geschichte.

 


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