KommentarDer unqualifizierteste Präsident aller Zeiten

Donald Trump
Als "schlechtesten Deal aller Zeiten" hat US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit dem Iran bezeichnet, dass er nun aufgekündigt hat.dpa

Es war vermutlich die erste Kriegserklärung der Menschheitsgeschichte per TV und Twitter: Was Donald Trump da vergangene Woche losgetreten hat, könnte im schlimmsten Fall in einen Handelskrieg münden. Auch ein Jahr nach seinem Amtsantritt, kann man angesichts dieser neuesten Episode der Trump-Show gar nicht deutlich genug betonen, wie katastrophal dieser US-Präsident für die internationale Weltordnung ist. Der Reality-TV-Star im wichtigsten Regierungssessel der Welt ist nichts weniger als ein zivilisatorischer Rückschritt.

Längst überwunden geglaubte Irrtümer, archaische Reflexe, veraltete ökonomische Denkmuster kommen plötzlich wieder zum Vorschein – unter dem Applaus von Unzufriedenen, die sich gar nicht bewusst sind, was sie da eigentlich aufs Spiel setzen. Getrieben von einem Appetit für Disruption, der dem allgemeinen Zeitgeist entspricht.

Viele Menschen wünschen sich, dass der verkrustete politische Mainstream aufgemischt, und bestehende Glaubenssätze, zum Beispiel zum Thema Globalisierung, hinterfragt werden. Und das in Teilen durchaus zu Recht. Doch dieser politische Disruptionshunger gibt Trump einen gefährlichen Freifahrtschein.

Würde er eine solide Alternative bieten zum politischen Mainstream, wäre das noch akzeptabel. Doch seine Alternative ist einfach nur dumpfes, uninformiertes Chaos. Wer das als heilsames Aufbrechen eingefahrener Strukturen missversteht, sieht schlicht zu kurz.

Es gilt nicht, die Globalisierung zurück zu drehen, sondern neue Wege zu finden, ihre negativen Effekte abzumildern. Wer glaubt, dass er seine persönlichen Wohlstandsverluste durch eine Rückkehr in den Protektionismus wettmachen kann, unterliegt einem gefährlichen Trugschluss. Diesen kollektiven Irrtum gab es schon einmal im frühen 20. Jahrhundert.

Nun will Trump mit einem Schlag kollektive Erfahrungswerte der Nachkriegszeit über den Haufen werfen. Und Fehler wiederholen, vor denen 70 Jahre lang, aus der Erfahrung der Katastrophe der 30er-Jahre heraus, aus gutem Grund gewarnt wurde.

Es war Konsens (übrigens einer der wenigen unter Ökonomen), offenen Handel zu betreiben und größere Handelskriege zu vermeiden. Dieser Konsens droht nun von einem Menschen gesprengt zu werden, der nicht gerne liest, Wissenschaft für Unsinn und Gelehrte für Besserwisser hält. Und damit den zivilisatorischen Fortschritt der letzten 70 Jahre einfach mal ebenso zur Seite tweetet.

Groß, „huge“, laut und plakativ

Und das Schlimmste daran: all das nur für den eigenen Machterhalt. Es grenzt schon an Zynismus, dass ausgerechnet der Mann, der im US-Wahlkampf auf dem Ticket des Anti-Politikers gewählt wurde, nun die extremste Form des Politiker-Klischees erfüllt: Nämlich opportunistisch alles, wirklich alles zu tun, nur um wieder gewählt zu werden. In der Logik des Reality-TVs wohlgemerkt: möglichst groß, „huge“, laut und plakativ – Hauptsache die Quote stimmt. Trump tut dies mit einer unter westlichen Politiker nie dagewesenen Verantwortungs- und Rücksichtslosigkeit – und eben einer Uninformiertheit, die einen schaudern lässt.

Deutlich wird das nicht nur beim drohenden Handelskrieg, sondern auch bei anderen ökonomischen Entscheidungen der Trump-Regierung. Wer auf eine boomende Wirtschaft mit Vollbeschäftigung und expansiver Geldpolitik eine Mega-Steuersenkung aufsetzt, lässt jeden ökonomisch halbwegs gelehrten Menschen mit dem Kopf schütteln. Vom Risiko einer weiteren Eskalation des amerikanischen Schuldenbergs ganz zu schweigen. Steuern senken, um miese Umfragewerte zu verbessern, ohne dabei an die Zukunft zu denken? Sorry, aber mehr Politiker-Klischee geht nicht. Da übertrifft Trump jede „Sumpf-Kreatur“ aus Washington, die er so gerne beschimpft.

Schlimm genug, dass sich viele Republikaner und Konservative nicht dazu durchringen können, ihn dafür zu verurteilen. Sie sind stattdessen hin- und hergerissen: So schlimm ist er ja doch nicht, nur das Twittern sollte er lassen, immerhin setzt er konservative Politik durch, auch wenn er ein bisschen irre ist… So ungefähr klingt die innere Zerrissenheit der Konservativen. Dabei hat Trump längst eine gefährliche Linie überschritten, wo es nicht mehr um parteipolitische oder ideologische Nuancen geht. Sondern um Grundsätze verantwortungsvoller Regierungsführung.

Der drohende Handelskrieg ist eines von zu vielen Beispielen der letzten Monate, warum Donald Trump für das Amt eines Staatspräsidenten schlichtweg nicht qualifiziert ist.