ExklusivDax-Konzerne: 17,5 Mrd. Euro Rückstellungen für Rechtsrisiken

Bayer-Chef Baumann auf der Hauptversammlung des Konzerns
Bayer-Chef Baumann auf der Hauptversammlung des KonzernsGetty Images

Die Dax-Konzerne haben im Jahr 2018 insgesamt 17,5 Mrd, Euro an Rückstellungen für Rechtsrisiken gebildet. Volkswagen liegt mit 4,9 Mrd. Euro an der Spitze vor Daimler (4,3 Mrd. Euro), BMW (2,1 Mrd. Euro), Bayer (1,4 Mrd. Euro) und Deutsche Bank (1,2 Mrd. Euro). Dies hat jetzt eine Auswertung des Flossbach von Storch Research Institute für Capital (Ausgabe 6/2019, EVT 23. Mai) ergeben.

Cover der neuen Capital
Cover der neuen Capital

Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Rückstellungen der Dax-Unternehmen für Prozesse und mögliche Urteile allerdings rückläufig. Im bisherigen Rekordjahr 2016 lag der Wert bei 31,2 Mrd. Euro. Fast ein Drittel ging damals auf das Konto von VW als Vorsorge für die Folgen des Diesel-Skandals.

„Für Anleger sind die Rückstellungen für Rechtsrisiken eine Blackbox“, erklärt Flossbach-Experte Kai Lehmann gegenüber Capital. Laut Bilanzrecht können Rückstellungen für absehbare Kosten aus Rechtsstreitigkeiten gebildet werden, die mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit eintreten. So kalkulierte der Agrar- und Chemiekonzern Bayer 2018 mit 1,4 Mrd. Euro Kosten für Rechtsrisiken. Für die Glyphosat-Prozesse in den USA berücksichtigte Bayer aber nur Anwaltskosten und keine Summen für eventuelle Strafen.

Trotz spektakulärer Prozesse und hoher Strafen bilden die großen deutschen Aktienkonzerne eher zu hohe Rückstellungen für Rechtsrisiken und schaffen so erhebliche Puffer in der Bilanz. Allein 2018 lösten die Top 5 mehr als 1,8 Mrd. Euro dieser Rückstellungen auf und konnten so ihr Ergebnis verbessern.