KommentarCommerzbank: Wehe, wenn McKinsey kommt

Die teilstaatliche Commerzbank gehörte zu den wichtigsten Kreditgebern von Wirecard imago images / Jan Huebner

Wer nach den unerwartet starken Quartalszahlen der Deutschen Bank auf eine ähnliche Überraschung bei der Commerzbank gehofft hatte, der wurde am Mittwoch bitter enttäuscht. Der Absturz des „gelben“ Kreditinstitutes in tiefrote Zahlen im ersten Quartal untermauert einmal mehr dessen strukturelle Ertragsschwäche und lässt erahnen, dass das Durchwursteln an der Rentabilitätsgrenze an seine Grenzen stoßen wird.

Für die ersten drei Monate des Jahres steht unter dem Strich ein Verlust von 295 Mio. Euro, nach einem Gewinn von 122 Mio. Euro im Vorjahresquartal. Hauptgrund dafür war eine rund viermal so hohe Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite von 326 Mio. Euro. 24.000 Kredite an Privat- und Firmenkunden mit einem Volumen von 2,6 Mrd. Euro habe die Commerzbank bereits gestundet. Bis Ende 2020 dürfte sich die Risikovorsorge auf bis 1,4 Mrd. Euro auftürmen.

Fraglich ist, ob die Bank vor diesem Hintergrund im Gesamtjahr den Sprung in die schwarzen Zahlen schafft. Das räumte am Mittwoch auch Finanzvorständin Bettina Orlopp ein. „Wir halten das Erreichen eines positiven Ergebnisses für deutlich ambitionierter als noch vor ein paar Monaten.“

Commerzbank leidet unter ultrageringer Rentabilität

Die Entwicklung kommt einerseits nicht überraschend, schließlich erlebt die bundesdeutsche Wirtschaft gerade den schwersten Absturz ihrer gut 70-jährigen Geschichte. Andererseits ist es dennoch verwunderlich, agiert die Commerzbank doch mehr oder minder im gleichen Umfeld wie der Konkurrent Deutsche Bank. Schließlich lief die Konjunktur bis in den Februar hinein superstark, im März handelten die Kunden mehr und die Unternehmen riefen zur Liquiditätssicherung Kreditlinien ab. Bei den „Blauen“ hatte dies für einen ordentlichen Quartalsgewinn gereicht.

Und doch sind die Zahlen der „Gelben“ tiefrot. Damit setzt sich die Geschichte einer ultrageringen Rentabilität bei der Commerzbank fort, die selbst während der vergangenen konjunkturellen Boomjahre nur wenig Geld verdient hat. Für die Aktionäre bedeutet dies zunächst, dass nach dem Ausfall der Dividende für 2019 auch für die Zukunft kaum Ausschüttungen zu erwarten sind. Kein Wunder also, dass der Kurs am Mittwoch auf 3,02 Euro und damit in der Nähe seines Tiefstandes von 2,80 Euro absackte.

Commerzbank Aktie

Commerzbank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Dass den Aktionären auch zunehmend die Geduld ausgeht, zeigt sich an den rund 10 Prozent des anwesenden Kapitals, die während der Hauptversammlung gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmten. Rund ein Viertel stellte sich gar gegen die Beschlüsse zur Vorstandsvergütung.

McKinsey kommt

Die Führung der Commerzbank ist sich der Rendite-Problematik bewusst und drängt auf ein neues Kostensenkungsprogramm. Finanzchefin Orlopp betonte in der Telefonkonferenz für Journalisten auffällig deutlich, dass auch Rentner während der Corona-Krise das Online-Banking für sich entdeckt hätten. So manche wegen Corona geschlossene Filiale könnte also gar nicht mehr öffnen. „Kosteneffizienz und leistungsfähige digitale Strukturen sind gerade in diesen Zeiten essenziell“, sagte sie. Die Kosten sollen 2020 gegenüber den ursprünglichen Planungen zusätzlich um 150 Mio. Euro sinken. Die Pläne für das neue Sparprogramm, dem auch weitere Jobs zum Opfer fallen könnten, will der Vorstand im August mit den Zahlen zum zweiten Quartal vorstellen. Im Spätsommer sollen Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen.

Medienberichten zufolge hat die Commerzbank bereits die Beratungsgesellschaft McKinsey engagiert. Ihr eilt der Ruf voraus harte Restrukturierungsmaßnahmen vorzuschlagen, die sich ein Vorstand nie trauen würde auszusprechen. „McKinsey kommt“ lautet der Titel eines nicht zu Unrecht umstrittenen Theaterstückes von Rolf Hochhuth. Klar ist aber, wenn McKinsey kommt, bleibt kein Stein auf dem anderen.

 


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