PorträtCarlos Tavares, der Opel-Exorzist

Der 59-jährige Carlos Tavares hat das Erbe von Peugeot gerettet. Nach der Übernahme von Opel bekommt der Portugiese es mit der deutschen Mitbestimmung zu tun
Der 59-jährige Carlos Tavares hat das Erbe von Peugeot gerettet. Nach der Übernahme von Opel bekommt der Portugiese es mit der deutschen Mitbestimmung zu tundpa

Er kam im Transporter, nicht in der Limousine. Und er entstieg dem silbergrauen Kleinbus allein, ohne das Gefolge, das bei ihm in Paris üblich ist. Als Carlos Tavares im vergangenen Jahr ansetzte, nach 155 Jahren Geschichte und fast 20 Jahren Milliardenverlusten den deutschen Autobauer Opel zu schlucken, achtete der Chef des Autokonzerns PSA von Beginn an auf das richtige Bild.

So fuhr er zum Termin beim Bundeswirtschaftsministerium mit dem schlichten Citroën-Lieferfahrzeug vor. Und er war auch sonst in Deutschland darauf bedacht, nicht das geringste Missverständnis aufkommen zu lassen. Eigentlich ist Tavares ein nüchterner Ingenieur, dem es darauf ankommt, was er sagt, nicht wie. Doch die Symbolik war gut gesetzt: ein Manager, der per Easyjet anreist, der kein Gewese macht und vor allem: keine Versprechungen.

Der Portugiese Tavares wird in Paris gefeiert als Retter des jahrhundertealten Peugeot-Erbes, das im PSA-Konzern aufgegangen ist. In Deutschland aber tun sie sich ein Jahr nach Tavares’ Terminen in Berlin immer noch schwer, diesen Manager zu lesen, vor allem, wenn es um das Schicksal von Opel geht.

„Der Status quo ist keine Option“

Carlos Tavares

„Arrogant“ nennt ihn Opels gescheiterter Chef Karl-Thomas Neumann. „Erpressung“, wirft IG-Metall-Chefverhandler Berthold Huber dem PSA-Chef vor. „Ignorant“, „unsensibel“, „wortbrüchig“, wettern Mitarbeitervertreter. Angela Merkel, Andrea Nahles, Peter Altmaier, sie alle mahnen lauthals an, Tavares solle seine Zusagen einhalten. Hinter vorgehaltener Hand geben manche aber gleichzeitig zu, dass Tavares eigentlich kaum Zusagen gemacht hat, damals, als er mit dem Kleinbus kam.

Wer ist also dieser Carlos Tavares? Ein knallharter, mitleidloser Kostenkiller? Einer, der die Seele von Opel mit Füßen tritt? Oder ist er ein erfolgreicher Sanierer, der sich nach der Rettung des maroden PSA-Konzerns den nächsten hoffnungslosen Fall der Autowelt vorknöpft?

Clash der Kulturen

In dem Streit, zuvorderst ausgetragen am Opel-Standort in Eisenach, prallt deutscher Autostolz auf kühle Multimarkenstrategie. Es geht um den Mythos einer verblichenen Autolegende und den globalen Wettbewerb. Aber vor allem geht es um einen Sanierer, der mit seinem konfrontativen Kurs Erfolge hatte und nun auf die konsensorientierte deutsche Mitbestimmungskultur trifft.

„Der Status quo ist keine Option“, hatte Tavares die Opelaner schon im vergangenen Jahr gewarnt. Jetzt klagen Mitarbeitervertreter, dass Tavares bereits in den spanischen, englischen und osteuropäischen Fabriken Produktionspläne und Kosten aushandeln ließ, bevor die deutsche Seite fertig war. Die aber versteht sich immer noch als Zentrale. Hier schimpfen sie, das freiwillige Abfindungsprogramm unterlaufe die noch vom vormaligen Eigner GM abgegebene Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2020. Und sie sorgen sich um die Zukunft in Eisenach, wo die Hälfte der Arbeit wegfallen könnte, wenn hier im nächsten Jahr der Corsa ausläuft, dessen Nachfolger nun in Spanien entstehen soll. Kalkül. Missverständnis. Clash der Kulturen.