KolumnePeugeot-Fiat: Keine Konkurrenz für Volkswagen

Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
Capital-Kolumnist Bernd ZiesemerMartin Kress

Pro Jahr 3,7 Mrd. Euro an Synergien, gemeinsam fast neun Millionen verkaufte Autos weltweit, eine breite Modellpalette und regionale Stärken in Europa und den USA, die sich ziemlich perfekt ergänzen. Die Argumente für einen Zusammenschluss von Fiat Chrysler und Peugeot-Konzern lassen sich hören. Und mit dem Franzosen Carlos Tavares rückt der wohl härteste Manager der ganzen Branche an die Spitze der neuen Gruppe, dem man zutrauen kann, die Chancen der Fusion auch voll zu nutzen.

In Europa stößt Peugeot Fiat auf Platz zwei vor, direkt nach dem VW-Konzern, wenn es denn wirklich zu dieser Kombination kommt. Deshalb hört man in diesen Tagen oft die naheliegende These, durch die neue Fusion gerate der Wolfsburger Hersteller schwer unter Druck. Davon kann in Wahrheit jedoch keine Rede sein. Dafür gibt es mindestens fünf Gründe:

  • Erstens vereinigt der neue Konzern zwar viele Marken, aber die meisten von ihnen schwächeln. In der Peugeot-Gruppe gilt das zum Beispiel für Opel, bei den Amerikanern sogar für die Kernmarke Chrysler, bei den Italienern ebenfalls für die Hauptmarke Fiat. Selbst die Ikonen im Portefeuille – Alfa Romeo oder Jeep – hinken hinter ihren direkten Wettbewerbern hinterher.
  • Zweitens spielt der neue Konzern in der automobilen Oberklasse, in der man viel Geld verdient, keine große Rolle. Daran ändert die Fusion erst einmal gar nichts. Das Beispiel Alfa Romeo zeigt schlagend, dass man viele Jahre und sehr hohe Investitionen brauchen wird, um wieder nach vorn zu kommen.
  • Drittens bleibt der neue Konzern auf dem wichtigsten Wachstumsmarkt der Welt weit hinter VW, Audi und Porsche zurück: China. Und Peugeot Fiat kommen viel zu spät, um dort noch zu den Großen aufzuschließen. Dafür sorgen schon allein die heimischen Hersteller, die sich in immer mehr Nischen erfolgreich festklammern.
  • Viertens fahren Peugeot und Fiat auch bei der Elektromobilität hinter VW hinterher. Gemeinsame technische Plattformen und deutlich höhere Stückzahlen könnten künftig allerdings dabei helfen, auf diesem Gebiet aufzuholen. Doch auch das zeigt sich erst in einigen Jahren, wenn überhaupt.
  • Fünftens schaffen sich Peugeot und Fiat mit der Fusion eine sehr komplexe, vielleicht sogar überkomplexe Führungsstruktur. Man will den neuen Konzern künftig aus Italien, Frankreich und den USA gleichzeitig steuern. Der VW-Konzern mit seiner zuletzt weiter zentralisierten Organisation kann sehr viel schneller und effizienter auf neue Trends reagieren als die neue Konkurrenz.

Man kann deshalb die These wagen, der größte deutsche Autokonzern muss den neuen Massenhersteller nicht besonders fürchten. Und die beiden Premiumhersteller BMW und Daimler verfolgen ohnehin eine ganz andere Strategie. Auch der Toyota-Konzern, immer noch weltweit die Nummer Eins der Branche, dürfte ebenfalls ziemlich ungeschoren aus dem Wettbewerb mit der neuen Gruppe hervorgehen. Fürchten müssen sich eher die anderen Hersteller in den USA: General Motors rutscht nach der neuen Fusion auf Platz vier der Weltrangliste – keine bequeme Position.

 


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.