Capital-SerieRevolutionäre der Wirtschaft: Coco Chanel

Coco Chanel 1965 in ihrem Zimmer im Pariser Ritz
Ein Leben im Hotel: Coco Chanel 1965 in ihrem Zimmer im Pariser Ritz, das von 1940 bis zu ihrem Tod im Jahr 1971 ihr Dauerwohnsitz warGetty Images/ Cecil Beaon, Condé Nast

Eine „unschöne Zeit“ hat sie die Ära ihrer Jugend einmal genannt. Steif und beengend war die Damenmode um 1900, bevor Coco Chanel auf den Plan trat und „die Frauen vom Korsett befreite“. So hat sie es selbst ausgedrückt, und mit auffallend ähnlichen Worten formulieren es bis heute viele Stars der Modewelt, wenn sie auf die Grande Dame der französischen Schneiderkunst angesprochen werden. „Sie hat uns Frauen befreit von Korsetts, Verhüllung und schweren Kleidern“, sagt die Designerin Iris von Arnim.

„Coco Chanel wollte die Frauen befreien, aus ihrem Korsett und von ihren Konventionen“, sagt die Modeschöpferin Dorothee Schumacher. „Coco Chanel hat uns aufgezeigt, was es bedeutet, sich von äußeren Zwängen und Erwartungen zu befreien“, sagt Maya Junger, Kreativdirektorin des Münchner Modelabels Set. Klingt gut. Ist aber mehr Mythos als Realität.

Ein Aufstieg gegen alle Wahrscheinlichkeiten

Wie so vieles im Leben von Gabrielle „Coco“ Chanel, die beileibe nicht als erste Modeschöpferin mit dem Korsettzwang brach, aber äußerst gut darin war, ihre Lebensgeschichte in das Korsett einer marktgängigen Erzählung zu kleiden.

Storytelling würde man das heute nennen – es ist nicht die einzige Marketingstrategie, mit der die Ausnahmeunternehmerin Chanel ihrer Zeit voraus war. Ihr Aufstieg ist eine Geschichte gegen alle Wahrscheinlichkeiten.

Chanel reüssiert in einer Ära, in der die Damen der Pariser Gesellschaft vor allem heiraten und sich hübsch machen, während Frauen aus ärmlicheren Verhältnissen – wie sie selbst – meist als Hausmädchen, Wäscherinnen oder Näherinnen ihr Dasein fristen.

Chanel gelingt der Aufstieg, weil sie mit Tabus bricht, weil sie als Unternehmerin mutig, bisweilen auch gewissenlos agiert, weil sie ihr Leben als fortdauernde Schlacht begreift. „Die Kriege der Coco Chanel“ betitelt Arte treffend eine aktuelle Dokumentation über ihr Leben. Die Kämpferin Chanel führt ihr Modeunternehmen durch zwei Weltkriege, macht ihren Markennamen international bekannt, berühmt, begehrt. Dass sie zum Vorbild trotzdem nur bedingt taugt, ist Teil einer Geschichte, die an einem französischen Strand beginnt.