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Immobilienkonzern Aufsicht nimmt Adler-Abschlussprüfer ins Visier

Im Himmel über Berlin - Überlin steht auf einem Schild vor der Baustelle des Steglitzer Kreisels
„Überlin“: Der Umbau des Steglitzer Kreisels im Südwesten Berlins gehört zu den Großprojekten der Adler Group. Luxuswohnungen sollen hier entstehen. Doch das Vorhaben verzögert sich
© Getty Images
Nach ihrem Versagen bei Wirecard wollen es die deutschen Aufsichtsbehörden im Fall des krisengeplagten Immobilienkonzerns Adler besser machen. Die Wirtschaftsprüferaufsicht untersucht seit Mitte 2021 die Rolle von Abschlussprüfer Ebner Stolz. Die Bafin suchte auch den Kontakt zu einem ihrer schärfsten Kritiker

Im Fall des schwer angeschlagenen Immobilienkonzerns Adler Group sind auch die Abschlussprüfer des Unternehmens ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Wie die Abschlussprüferaufsicht Apas am Montag auf Anfrage von Capital bestätigte, hat die Behörde bereits Mitte 2021 eine Untersuchung eingeleitet.

Inzwischen lägen vorläufige Erkenntnisse vor, die man auch „proaktiv“ mit der Finanzaufsicht Bafin geteilt habe, erklärte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde. Ob die Apas auf dieser Basis formelle Berufsaufsichtsverfahren gegen die verantwortliche Prüfgesellschaft Ebner Stolz beziehungsweise einzelne Mitarbeiter der Firma einleite, werde „in naher Zukunft entschieden“, sagte der Sprecher. Auch die „Wirtschaftswoche“ berichtete über die Untersuchung der Apas.

Gegen die Adler-Gruppe, der in Deutschland knapp 30.000 Wohnungen gehören, stehen seit Monaten schwere Betrugsvorwürfe im Raum – unter anderem des Leerverkäufers Fraser Perring, der schon bei Wirecard früh auf dubiose Geschäfte hingewiesen hatte. Eine von dem Konzern selbst in Auftrag gegebene Sonderuntersuchung von KPMG hatte Adler jüngst nur teilweise entlastet. Manch einer spricht bereits von einem „Wirecard 2.0“, bislang hält sich das Unternehmen mit Hauptsitz in Luxemburg aber trotz des Reputationsschadens und zuletzt heftiger Verluste über Wasser.

Whistleblower-Hinweise aus dem Frühjahr 2021

Schon vor einigen Monaten hat die Finanzaufsicht Bafin ein Kontrollverfahren zu den Bilanzen der in Frankfurt börsennotierten Adler-Tochter Adler Real Estate eingeleitet. Vorausgegangen waren Whistleblower-Hinweise im Frühjahr 2021. Bereits Mitte 2021 hatte die Finanzaufsicht nach Informationen von Capital auch den Kontakt mit Leerverkäufer Perring gesucht. Auslöser war ein Interview, in dem Perring erwähnt hatte, nach Wirecard einem weiteren betrügerischen Unternehmen aus Deutschland auf der Spur zu sein, ohne dessen Namen zu nennen.

Eine gewisse Ironie: Bei Wirecard war die Bafin noch hart gegen Perring vorgegangen. Im Fall Adler haben in der Zwischenzeit nach Hinweisen der Finanzaufsicht darüber hinaus auch Staatsanwälte Ermittlungen aufgenommen.

Im Fokus sämtlicher Behörden steht unter anderem ein Immobiliendeal aus dem Jahr 2019: Dabei hatte Adler ein Entwicklungsareal im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim zu einem auffällig hohen Preis an den Schwager des Adler-Beraters Cevdet Caner verkauft, der bei dem Konzern hinter den Kulissen kräftig mitmischte und Millionenhonorare kassierte. Der vereinbarte Kaufpreis von 375 Mio. Euro floss aber nur zu einem geringen Teil, später wurde die Transaktion rückabgewickelt.

Bei einer vertraulichen Anhörung im Finanzausschuss des Bundestags im Mai machte Bafin-Chef Mark Branson deutlich, dass die Behörde diesen Immobiliendeal als verdächtig einstufe. Die Transaktion stinke zum Himmel, sagte Branson nach Angaben von Teilnehmern. Demnach könnte es darum gegangen sein, Eigenkapital zu generieren, um zu verhindern, dass die Bedingungen aus einer Adler-Anleihe verletzt und dadurch vorzeitige Rückzahlungen in Milliardenhöhe fällig würden. Laut den Anleihebedingungen durfte der Verschuldungsgrad (Loan to value) des Konzerns nicht über 60 Prozent steigen.

Tatsächlich könnte es sich womöglich um eine Scheintransaktion gehandelt haben – was Adler und die beteiligten Personen strikt zurückweisen. Nach ihren bisherigen Untersuchungen hält es die Apas für möglich, dass der Konzern im Jahr 2019 den Schwellenwert gerissen hat, ohne die Anleihegläubiger zu informieren.

Ebner Stolz als verantwortliche Prüfer

Für die Bilanzen der Adler Real Estate war über Jahre bis einschließlich des Abschlusses für 2020 die Stuttgarter Prüf- und Beratungsgesellschaft Ebner Stolz verantwortlich. Dabei fanden die Prüfer keinerlei Beanstandungen. Dagegen versagte der Nachfolger KPMG, der das Mandat zum Geschäftsjahr 2021 übernommen hatte, Adler Ende April den Bestätigungsvermerk für den Abschluss 2021 – nicht zuletzt aufgrund von Erkenntnissen aus der kurz zuvor abgeschlossenen Sonderuntersuchung. Unter anderem hatte Adler den KPMG-Forensikern mehrere Hunderttausend Mails nicht vorlegen wollen, darunter offenbar auch solche, die die auffällige Gerresheim-Transaktion betreffen.

Zu Details ihrer Untersuchung zur Rolle der Abschlussprüfer bei Adler äußerte sich die Wirtschaftsprüferaufsicht unter Verweis auf Verschwiegenheitspflichten nicht. Nach Capital-Informationen ist die Apas bei ihren bisherigen Untersuchungen zu vorläufigen Fehlerfeststellungen gekommen, die mehrere Punkte der Adler-Bilanzen betreffen.

Sollten die Aufseher ein formelles Berufsaufsichtsverfahren einleiten und am Ende der Ermittlungen Fehlverhalten der Prüfer feststellen, kann die Apas je nach Schwere der Verfehlungen Sanktionen verhängen, die von einer Rüge über Strafzahlungen bis zu Einschränkungen bei der Berufsausübung oder einem Berufsausschluss gegen die beteiligten Personen reichen. Zudem sind auch Sanktionen gegen die Prüfgesellschaft möglich.

Auf Anfrage lehnte Ebner Stolz eine Stellungnahme zu der Untersuchung der Apas ab. „Wir bitten um Verständnis, dass sich Ebner Stolz aufgrund der gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht inhaltlich grundsätzlich nicht zu Prüfmandaten äußert“, teilte ein Sprecher mit.

Schon bei Greensill involviert

Im vergangenen Jahr war die mittelständische Prüffirma bereits als Abschlussprüfer der Greensill Bank in die Kritik geraten. Das Bremer Institut war wegen Problemen mit Geschäften mit Unternehmen von Sanjeev Gupta, einem britisch-indischen Stahlmagnaten, im Frühjahr 2021 in die Pleite gerutscht. Schon vorher hatte die Bafin Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Bank festgestellt. Nach der Insolvenz bat die Bafin dann die Abschlussprüferaufsicht, die Rolle der Prüfer von Ebner Stolz zu untersuchen. Auf Anfrage von Capital bestätigte die Apas, dass sie im Fall Greensill Berufsaufsichtsverfahren eingeleitet habe. „Die Ermittlungen dauern noch an“, teilte ein Sprecher mit.

Bei der Apas läuft zudem weiterhin ein komplexes Verfahren im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal bei dem Zahlungsdienstleister Wirecard. Die Aufseher ermitteln gegen ein Dutzend frühere und ehemalige Mitarbeiter des langjährigen Wirecard-Abschlussprüfers EY, über ihre Erkenntnisse informierten die Aufseher bereits Ende 2020 auch die Münchner Staatsanwaltschaft. Ergebnisse des Apas-Verfahrens im Fall Wirecard werden nach Informationen von Capital im Herbst erwartet. EY hat wiederholt erklärt, die beteiligten Mitarbeiter hätten stets nach bestem Wissen und Gewissen geprüft.  


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