Zeitfragen„Wie kriegt man Bitcoins in eine Uhr?“

Jérôme Biard
Jérôme Biard


Jérôme Biard ist seit September 2017 Geschäftsführer der Marken Corum und Eterna, die beide zur chinesischen Holding Citychamp Watch & Jewellery gehören. Biard war lange für Richemont tätig, u.a. für Vacheron Constantin und Cartier sowie für Girard-Perregaux


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Jérôme Biard: Ich hätte gerne mehr Zeit, um an meinen Träumen zu arbeiten.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Ich finde es sehr wichtig, bei allem, was man macht immer auch einen Schritt zurücktreten zu können. Sich zu erinnern, wie man sich umsieht, nachdenkt, träumt – oder einfach nichts tut.

In der Hektik des Alltags vergisst man viel zu oft…

Ich habe das Glück, dass mir eine gute und gesunde Balance zwischen meinen Privatleben und meiner Arbeit gelingt.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Gerade mag ich mein Leben so, wie es ist. Ich schaue nicht zurück in die Vergangenheit, für mich zählen nur Gegenwart und Zukunft.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Mein erster Impuls war: Eine unserer legendären „Corum Coin“-Modelle mit dem halbierten Golddollar als Zifferblatt – und vielleicht mit einem Uhrenarmband aus einem cleveren Recyclingmaterial. Wahrscheinlicher aber ist, dass dann längst Kryptowährungen den Ton angeben. Bloß wie kriegt man Bitcoins in eine Uhr?

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Ich mag den klassischen Handaufzug sehr gern, wenn die Krone dafür gemacht ist. Wenn nicht, dann bevorzuge ich eine Automatik.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Jeden Moment, in dem ich mit meiner Familie und Freunden bei einem guten Glas Wein zusammensaß.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Ich mag die Flyback-Funktion bei einem Chronographen, weil man dadurch nicht nur aufeinanderfolgende Intervalle messen sondern auch die Zeit anhalten kann.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)

„Histoires du temps“ von dem französischen Wirtschaftswissenschaftlers und Philosophen Jacques Attali.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

Das Drama „Moderne Zeiten“ von 1936 mit Charlie Chaplin!

Die größte Herausforderung …
… für einen Uhrmachermeister heute?

Das berühmte Denken „out of the box“. Und zudem nicht nur durch die Lupe auf winzigste Details zu schauen, sondern zugleich das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Wir müssen unser Vertriebsnetzwerk neu erfinden, um die Emotionen, die Qualität und die Werte besser transportieren zu können, die eine Uhr zu viel mehr als einem Zeitmesser machen.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Unsere Marken sicher durch die Wirren des Business-Alltags zu führen und bei all den vielen Aufgaben und Entscheidungen nie die Langzeit-Vision für Corum wie auch Eterna zu vergessen.


Die besten Uhrenmarken

Capital befragt für den Uhrenkompass die wichtigsten Händler. Diese Marken haben dabei die besten Noten in den verschiedenen Kategorien erzielt.