Interview„Eine Uhr ist ein analoges Qualitätsbekenntnis“

Mark Braun
Mark BraunSonja Müller


Mit gefeierten Entwürfen für Thonet, Nomos Glashütte, Mühle Rasurkultur, e15 und KPM hat sich Mark Braun binnen weniger Jahre als feste Größe im deutschen Produkt- und Industriedesign etabliert. Zuletzt gewann er den German Design Award 2019 mit dem Stuhlkonzept „Hama high“ für die Marke Echtstahl. Seit 2015 lehrt Braun zudem im Rahmen einer Professur an der Hochschule der Bildenden Künste in Saarbrücken.


Capital: Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

MARK BRAUN: Grundsätzlich habe ich ein Faible für hochwertige Verarbeitung und echte Materialien. Und für Design, das puristisch aber im Detail formal auf den Punkt gebracht ist. Gut ablesbar sollte sie ebenfalls sein.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Eine. Am liebsten einen zeitgenössischen Allrounder: von höchster Qualität, elegant, zurückhaltend und doch selbstbewusst.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Starke, innovative und wohldosierte Gestaltung. Überzeugende Funktionalität. Exzellente Verarbeitung.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Tatsächlich war das eine Swatch, komplett schwarz. Ein Geschenk meines Onkels Ende der 1980er-Jahre. Ein guter Entwurf, allerdings qualitativ etwas kurzweilig.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Ich empfehle eine strenge Social-Media-Diät: eine „Malzeit“ am Tag, also ein Blick in den Newsfeed, muss reichen.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination bzw. Verschieberitis?

Ein aktueller Kalender, das hilft gegen Doppelbelegung und Überforderung.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Weil sie immer schon mehr war als bloß ein Zeitmesser, sondern Ausdruck einer Haltung, des Zeitgeistes – und zudem ein analoges Qualitätsbekenntnis, das der sich beschleunigenden Welt einen Ankerpunkt darstellt. Ähnliches ist auch bei den Smartwatches zu beobachten, wenn man sich etwa die Entwürfe für Gehäuse und Armbänder von Marc Newson für Apple anschaut. Nur das Alleinstellungsmerkmal und die nicht-elektrifizierte Schönheit der mechanischen Uhr widersetzen sich der digitalen Transformation. Beides wird nebeneinander bestehen und sich kaum kannibalisieren, wie Vinylschallplatte und MP3.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

1918, um an einer offenen Gesellschaft mitzuwirken, die den Nationalsozialismus verhindert hätte.

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

Eine Zenith mit Handaufzug aus den 60er-Jahren, die ich 2002 in Istanbul gekauft habe. Nach der Reparatur erhielt ich sie nämlich komplett versilbert und mit poliertem Zifferblatt zurück, weil es dem Uhrmacher so unangenehm war, dass er versehentlich das Zifferblatt beschädigt hatte. Ein unverhoffter Relaunch, sozusagen.


Das sind die Kandidaten für den Watch Award: