KolumneWirtschaftswachstum geht anders

Unternehmen planen auf Grundlage von Wachstumsprognosen
Unternehmen planen auf Grundlage von Wachstumsprognosendpa

Hier eine Vorhersage, dort noch eine Mutmaßung – alle Welt ist mal wieder damit beschäftigt, Prognosen aufzustellen. Jeder gibt seinen Tipp ab, wer die Fußballweltmeisterschaft in Russland gewinnt. Jeder? Nein!

Mehrere von unbeugsamen Analytikern bevölkerte Institute beschäftigen sich mit einer gänzlich anderen Prognose und hören nicht auf, das Wirtschaftswachstum Deutschlands zu analysieren und zu prognostizieren. So besagte beispielsweise die jüngste Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Deutschlands Wirtschaftswachstum wird von 2,4 Prozent auf 1,9 Prozent sinken.

Während Ihre und meine Mutmaßungen über die WM quasi keinen Einfluss auf deren Ergebnisse haben, dürfte der Einfluss der DIW-Prognose auf die deutsche Wirtschaft signifikant sein. Bevor Sie aufgrund der Prognose nun aber gleich Ihre halbe Organisation umstellen, lesen Sie besser erst mal meinen Artikel.

Kicker vs. Wirtschaft

Ich halte Prognosen über das Wirtschaftswachstum nämlich für vollkommen überflüssig, um nicht zu sagen: dumm. Denn während die Kicker aus aller Welt unverändert spielen, egal was ich über ihr Talent oder ihre Strategie denke, gestaltet sich die Situation beim Wirtschaftswachstum erschreckend folgenreicher.

Fällt die Prognose – wie aktuell – schlecht aus, brechen nämlich sofort Unruhe und Panik aus. Auf der einen Seite geraten die Anleger an den Aktienmärkten in Versuchung, ihre Anteile zugunsten wachstumsstärkerer Länder umzuverteilen. So beeinflussen sie in der Folge nicht nur den Aktienmarkt, sondern auch die nächste Prognose.

Auf der anderen Seite überdenken Unternehmer und Geschäftsführer ihre komplette Planung. Das vergessen die meisten Unternehmer nämlich nur zu gern: Offizielle wie inoffizielle Prognosen führen dazu, dass sie selbst persönliche Annahmen daraus ableiten. Und diese beeinflussen wesentlich die Performance und Entwicklung ihrer Organisation.

Augen auf!

Auch wenn das kein Unternehmer gerne hört und meint, marktwirtschaftlich organisiert zu sein: Die meisten deutschen Unternehmen arbeiten in Wirklichkeit doch immer noch planwirtschaftlich.

Sie vermuten also aufgrund der Prognose des DIW, dass der potenzielle Käufer bei Industriegütern, Dienstleistungen und Co. etwas verhaltener sein Geld investieren wird. Im Umkehrschluss werden auch die Unternehmer selbst zurückhaltender, was ihr Budget und ihre eigenen Unternehmensprognosen angeht.

Ihre Annahmen und Prognosen beeinflussen damit das Verhalten und entsprechend auch die Leistung einer Abteilung, eines Teams, einer Mannschaft, einer ganzen Firma – sprich: jedes sozialen Systems.