GehaltWie Sie herausfinden, ob Sie genug verdienen

Eine junge Frau studiert ihre Gehaltsabrechnung
Verdiene ich genug? Eine junge Frau studiert ihre GehaltsabrechnungGetty Images

Die alte Leier „Über Geld spricht man nicht“ nutzt vor allem der Chefetage. Falsche Bescheidenheit oder gar Scham sind beim Thema „Gehalt“ fehl am Platze. Schließlich arbeiten die meisten Menschen nicht aus purer Lust an der Freude oder um ihrem Chef einen Gefallen zu tun. Die Begriffe „Arbeitnehmer/Arbeitgeber“ zwingen Ersteren zwar sprachlich in eine passive, empfangende Position. Aber da kann der Chef noch so viel Arbeit vergeben wollen: Wenn der Lohn nicht stimmt, bleibt er halt auf ihr sitzen. So jedenfalls der Idealfall.

Allzu häufig lassen sich aber Berufstätige mit zu wenig Gehalt abspeisen. Oft ist das sogar Ihre eigene Schuld. Wobei wir wieder beim Anfangssatz angekommen wären. Ein so viel besseres Motto ist aber „Wissen ist Macht“. Sie vermuten, dass Sie zu wenig verdienen? Dann stimmt das vermutlich auch. Mit diesen Tipps können Sie sicher sein.

#1 Fragen Sie Kollegen

Die Höhe des Gehalts ist unter Kollegen oft ein Tabuthema. Hier kommt neben der allgemeinen „über Geld spricht man nicht“-Tradition das psychologisch heikle Biotop „Büro“ hinzu. Kolleginnen und Kollegen betrachten sich gern als einander gleichgestellt. Das Gehalt offenbart dann aber oft, wie groß das Gefälle (auch bezüglich der Qualifikation) tatsächlich ist. Gut bezahlte Mitarbeiter fürchten vielleicht um eigene Pfründe, schlechter bezahlte Kollegen wollen sich keine Blöße geben.

Wenn Sie aber den Verdacht hegen, vom Chef über den Tisch gezogen zu werden, sollten Sie das vertrauliche Gespräch mit engen Kollegen suchen. Nur so können Sie sicher gehen, dass Ihr persönliches Lohnniveau tatsächlich unterdurchschnittlich ausfällt. Es kann ja auch sein, dass der Chef generell sehr niedrige Gehälter zahlt. Übrigens: Die gern im Arbeitsvertrag untergebrachte Klausel, dass über die Lohnhöhe Stillschweigen vereinbart wird, ist rechtlich meist unwirksam. Das hat unter anderem das Landesarbeitsgericht in Rostock 2010 festgestellt und dabei auf die für das Arbeitsrecht nötige Transparenz verwiesen. Wie gesagt: Wissen ist Macht.

#2 Fragen Sie das Internet

Wer sich nicht an das heikle Gespräch mit den Kollegen traut oder als Selbstständiger keine direkten Mitarbeiter hat, wird vielleicht bei einem Blick auf den Lohnspiegel schlauer. Gehaltsrechner im Internet bieten einen schnellen Einblick in branchenübliche Durchschnittslöhne. Abgefragt werden neben dem Beruf Faktoren wie Wohnort, Alter, Dauer der Berufstätigkeit, Größe des Betriebs und ob man eine leitende Position innehat.

Das ist natürlich ein eher grobes Instrument. Es kann aber einen Richtwert liefern und gegebenenfalls für zusätzliche Motivation sorgen, die finanzielle Situation zu verbessern.

#3 Fragen Sie das Unternehmen

Am 6. Juli 2017 trat das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen in Kraft. Die Bundesregierung will damit helfen, das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit“ stärker in der Praxis durchzusetzen. Seit dem 6. Januar 2018 haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf individuelle Auskunft. Das bedeutet nicht, dass Sie das Gehalt eines konkreten Kollegen erfahren. Der Arbeitgeber muss aber auf Wunsch mitteilen, was Kollegen des anderen Geschlechts in vergleichbaren Positionen durchschnittlich verdienen. Damit soll vor allem die Unterbezahlung von Frauen erschwert werden. Die Regelung gilt allerdings nur für Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten.