Business as usualWie sich Konflikte zwischen Investoren und Gründern lösen lassen

Symbolbild Konflikte
Symbolbild KonflikteGetty Images

Simon und Andreas, beide Mitte 40, sind unterschiedliche Typen. Simon tüftelt gerne, er ist durch und durch Ingenieur, während Andreas gutes Design liebt und sich seit 20 Jahren mit dem Aufbau von Marken beschäftigt. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Fußballturnier ihrer Söhne. Wenige Monate später gründeten sie ein gemeinsames Unternehmen und brachten ein Produkt auf den Markt, das Radfahrer in ganz Europa begeisterte. Ihr Unternehmen hat heute weit über hundert Mitarbeiter und ist in fast allen europäischen Ländern vertreten. Ein beeindruckender Erfolg!

In der Wachstumsphase habe ich den beiden beim Aufbau von Strukturen und Prozessen geholfen – und miterlebt, was ihnen die größten Wachstumsschmerzen verursachte: nicht das Unternehmen selbst, sondern das zwischenmenschliche Verhältnis zu ihren Gesellschaftern.

Die neue Capital erscheint am 22. November
Die neue Capital ist am 22. November erschienen

Anfangs freuten sich die Teilhaber noch über die positive Geschäftsentwicklung und unterstützten die beiden, wo sie nur konnten. Bald aber begannen sie, immer ambitioniertere Ziele für einen möglichen Verkauf des Unternehmens zu setzen. Sehr zum Unmut von Simon und Andreas, die sich von ihren Gesellschaftern etwas ganz anderes wünschten: Wertschätzung und Anerkennung. Für das, was sie in der kurzen Zeit aufgebaut hatten. Für ihren Einsatz, ihr Commitment, für die privaten Opfer, die sie jeden Tag für das Unternehmen brachten.

Ein Konflikt tat sich auf, wie er zwischen Geschäftsführern und Gesellschaftern nicht selten ist. Liegt es in der Verantwortung von Investoren, Gründern Wertschätzung zu schenken? Wohl nicht, wenn es sich um eine reine Geschäftsbeziehung handelt. Simon und Andreas kränkte die fehlende Anerkennung trotzdem. Frustriert äußerten sie ihre Unzufriedenheit, was wenig brachte, aber das persönliche Verhältnis zu den Gesellschaftern sehr belastete.

Am Ende sahen die beiden ein, dass letztlich nur sie selbst den Rahmen setzen können, in dem sie arbeiten wollen. Dass sie verantwortlich sind für das Tempo ihrer Unternehmensentwicklung, für ihre Mitarbeiter, ihre Work-Life-Balance. Sie begriffen, dass sie nicht monatelang über ihre persönlichen Grenzen hinausgehen und dafür erwarten konnten, von den Investoren einen roten Teppich ausgelegt zu bekommen.

Nach dieser schmerzhaften Erkenntnis setzten sich Simon und Andreas zusammen, um sich darüber klar zu werden, was sie wollten – geschäftlich wie privat. Danach war es deutlich einfacher, gemeinsam mit den Gesellschaftern eine von allen getragene Lösung auszuhandeln. Die Luft war geklärt, alle waren sich über ihre Interessen im Klaren. Die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit war geschaffen – und sollte es irgendwann zum Verkauf kommen, werden Simon und Andreas leichten Herzens mit ihren Investoren darauf anstoßen können.