KleinunternehmerWie Kleinunternehmer die Corona-Krise trifft

Wegen der Corona-Krise sind die meisten Läden geschlossen. Das trifft viele Einzelhändler ins Markdpa

Kerstin Schilly, Geschäftsführerin der Event-Agentur LA MAISON Victor Schilly & Friends

„Wir sind jeden Tag mit unseren Kunden im Gespräch, damit wir für den Tag X bereit sind. Man weiß ja nicht, wie sich die Kontaktverbote in Berlin weiter entwickeln. Helmut Schmidt hat einmal gesagt, eine Krise zeigt den Charakter. Das erleben wir jetzt tatsächlich auch. Viele Kunden überlegen sehr positiv und konstruktiv mit uns, was können wir in diesen Zeiten tun. Wie kann man Marken-Events streamen, oder eigene virtuelle Räume kreieren.

Wir reden mit Profis und erfinden unsere Konzepte gerade neu. Für Gründer wollen wir statt einem geplanten Event ein digitales Treffen organisieren. Da überlegen wir gerade, wie man dort auch Businesspläne austauschen oder gegenseitig Support und unternehmerischen Rat bekommen kann. Gerade für junge Entrepreneure ist die Krise ja auch eine enorme Herausforderung. Außerdem stärken wir unsere PR- und Imageberatung. Die Zeit gibt uns zumindest Raum für kreative Prozesse.

Das Problem bleibt aber, dass wir als Eventmanagerinnen immer in Vorleistung gehen müssen. Wir planen Begegnungen, entwickeln Formate, suchen Locations, stellen Budgets auf. Da sich Projekte jetzt verschieben oder ausfallen, werden diese Leistungen momentan nicht bezahlt. In den nächsten Monaten liegt erst einmal alles auf Eis. Den Deutschen Schauspielpreis planen wir aber nach wie vor für den September, da sind wir optimistisch. Es ist jetzt ganz besonders wichtig die Schauspieler zu unterstützen, denn Künstler trifft es doch am empfindlichsten.“

Kredit will genau überlegt sein

Die Soforthilfe des Bundes für Kleinunternehmen haben wir beantragt. Das hat mit einer kleinen Wartezeit in der Warteschlange der IBB gut geklappt. Wir arbeiten mit wenigen Festangestellten und je nach Projektgröße mit bis zu zehn Freien – Techniker, Graphiker, Kreative. Unsere Kostenstruktur ist damit überschaubar. Nähme unsere GmbH aber einen Kredit auf, würde man sich natürlich in neue Abhängigkeiten begeben. Das will genau überlegt sein. Im Kreis von Kollegen wird zum Beispiel darüber diskutiert, dass bei dem Angebot aus dem Hilfspaket der Regierung der Geschäftsführer persönlich haftet.

Generell stellen wir aber in der Event-Branche wie kaum in einer anderen fest, wie groß das Bedürfnis der Menschen ist, wegzugehen, Kontakte zu knüpfen, sich auszutauschen und über ihre Netzwerke zu definieren. Die persönlichen Begegnungen sind doch wichtiger als man denkt! Wir bleiben zuversichtlich und sehen zusammen mit Kunden spannende Innovationsmöglichkeiten. Man muss auch das Positive sehen: die Freiheit, Prozesse zu überdenken und neu zu entwickeln.

Sven Morawa ist Geschäftsführer von Immoteam, einem Unternehmen mit Standorten in Hamburg und Berlin.

Ich kann nur sagen, dass ich mit meinen Partnern, Auftraggebern und jedem Mitarbeiter bei Immoteam ein riesiges Glück habe: Wir waren schon vor der Corona-Krise ein familiäres Team und sind jetzt noch mehr zusammengeschweißt – natürlich mit gebührendem Abstand. Denn jeder weiß, dass wir nur zusammen durch diese Situation gehen können. Dadurch ist die Stimmung gut, auch wenn wir Umsatzeinbrüche von 80 Prozent hinnehmen müssen. Außerdem haben wir in diesen Zeiten eine unglaubliche Unterstützung durch unsere Partner und Auftraggeber. Wie es weitergeht, kann ich momentan noch nicht absehen. Immerhin konnte ich bisher das für mich Wichtigste in dieser Krise einhalten: Ich konnte alle Mitarbeiter behalten. Das soll und muss auch so bleiben!

Kurzarbeit habe ich bei der Arbeitsagentur angemeldet und muss nun abwarten, ob und wann das zur Anwendung kommt. Außerdem haben wir Mittel über die IFB (Hamburgische Investitions- und Förderbank) beantragt, um unsere Liquidität zu sichern. Noch haben wir da kein Feedback. Das Förderprogramm ist in Hamburg – im Vergleich zu anderen Bundesländern – relativ spät gestartet, da ist jetzt einfach Geduld angesagt. Die Hilfen sind grundsätzlich eine gute Idee, ich bin jedoch überzeugt, dass die Förderung bestenfalls pauschal an jeden Bürger gehen sollte. Was Verpflichtungen wie Mietzahlungen betrifft, so werden wir denen weiterhin nachkommen und so unseren Beitrag leisten, die Wirtschaft im Land am Laufen zu halten.

Miete und Mitarbeiter zahlen ist unser Beitrag

Um die Laune im Team so hoch wie möglich zu halten, erfüllen wir uns derzeit fast jeden kulinarischen Wunsch. Ob Gummibärchen, Schokolade oder gesunde Snacks wie Obst. Wenn die Liste komplett ist, geht unser Büroleiter los und kauft ein. Restaurants in unserer Nähe unterstützen wir, indem wir dort unser Mittagessen abholen. Essen muss dann jeder mit Abstand in seinem Büro.

Damit die Bewegung nicht zu kurz kommt, habe ich jetzt ein Balance-Board gekauft. Darauf kann jeder der mag eine kleine Pause einlegen und hin und her wippen – das soll die Gehirntätigkeit anregen und für Entspannung sorgen. Auch dieses Wippbrett habe ich bei einem Laden aus der Umgebung gekauft. Sich mehr denn je gegenseitig zu helfen, wo es geht, das ist für mich eine der Lektionen aus der Krise.