New WorkWeniger Zeit, gleiche Qualität - die Effizienz von morgen

Symbolbild Teambesprechung
Symbolbild Teambesprechungdpa

Offenstehende Münder, schreckgeweitete Augen, entsetzte Blicke – gut, ich übertreibe ein wenig, aber mein Team erlebte durchaus eine Schrecksekunde, als ich ihm vor einigen Tagen verkündete: „Wir reduzieren unsere Projektdurchlaufzeit um 50 Prozent!“ 50 Prozent, das ist eine große Hausnummer. Dessen bin ich mir bewusst. Gleichzeitig ist die Zeitreduktion um die Hälfte ein Ziel, das ich vollkommen ernst meine und einzuhalten gedenke. Denn weniger Zeit für die gleiche Qualität zu benötigen – das ist die Effizienz von morgen.

Noch 20 Stunden bis zum Wochenende

Ich bin überzeugt, dass bereits in wenigen Jahren der Großteil der arbeitenden Bevölkerung keine 40 oder gar 60 Stunden pro Woche mehr im Unternehmen verbringt. Nicht umsonst erfahren beispielsweise die Gurus der Vier-Tage-Woche aktuell so viel Aufmerksamkeit. Nicht umsonst spricht die Linken-Vorsitzende Katja Kipping sich für die Zwanzig-Stunden-Woche aus.

Über kurz oder lang wird die industrialisierte Menschheit erkennen, dass sie dank Automatisierung, Robotik und Co. auch mit deutlich weniger Arbeitszeit das gleiche Ergebnis produzieren kann.

Sie treten also ein ins Jahrhundert, in dem gilt: Wenn am Ende ein Erfolg steht, ist es egal, wie lange es gedauert hat.

Das ist kein Scherz

Für diese Denke belächelte mich ein befreundeter Unternehmer: „Wenn ihr nur die Hälfte der Zeit braucht, dann muss ich euch ja auch nur die Hälfte zahlen, was?“ Haha.

Wie kann es sein, dass wir immer noch in dem Glauben feststecken, Zeit sei Geld? Relevant ist doch das Ergebnis, das am Ende steht. Mit meiner Firma arbeite ich zum Beispiel schon lange nicht mehr auf Basis von Stundensätzen – unsere Kunden kaufen Ergebnisse. Und die haben einen Wert.

Darin hat mich vor Kurzem wieder eine Erfahrung mit meinem Sohn bestätigt: Er ist selbstständig mit einem Betrieb für fugenlose Oberflächen und hat sich netterweise dazu „herabgelassen“, mein Wohnzimmer zu streichen. Diese Aufgabe ist für ihn ein Witz, so dass er nach kurzer Zeit fertig war. Jeder Maler hätte vermutlich doppelt so lange gebraucht. Am Ende verlangte er von mir einen „normalen“ Stundensatz – und nun war ich dran, eine Schrecksekunde zu erfahren. Denn damit bestraft er sich letztlich selbst für seine schnelle, supereffiziente Arbeit.

Wo bleibt die Qualität?

Wir Deutschen, die ihre Pünktlichkeit und ihre Zeit so lieben, bezahlen dem Stümper, der mehrere Stunden an einem Projekt arbeitet, mehr als dem Topmann, der in kürzester Zeit abliefert.

Würden deutsche Unternehmer hier endlich ihren Fokus verändern, würde ihnen schnell deutlich: Wenn nicht mehr der Zeitaufwand im Mittelpunkt steht, wenn wir effizienter arbeiten, entstehen am Ende sogar noch bessere Ergebnisse. Denn je schneller Sie ein hochqualitatives Ergebnis abliefern, desto mehr Zeit bleibt dafür, innovativ an zukunftsfähigen Lösungen zu arbeiten.

Mit meinem Team habe ich ausgemacht, dass wir zwar einerseits unsere Effizienz in Projekten um 50 Prozent steigern – dass wir aber andererseits die freigewordene Zeit nutzen, um in Teamfortbildungen, Zukunftsprojekte und Zwischenmenschliches zu investieren. Je effizienter wir arbeiten, desto größer wird also der Fokus aufs Ergebnis. Und je effizienter wir arbeiten, desto mehr können wir uns als Team auf Vordermann bringen und noch bessere Ergebnisse liefern. Wenn das mal nicht richtig effizient ist!