Book AwardWas soziale Normen mit Unternehmen zu tun haben

Soziale Normen bestimmen das Zusammenleben in einer Gesellschaft.
Soziale Normen bestimmen das Zusammenleben in einer Gesellschaft. Pixabay


Am 16.Oktober 2019 wird wieder der begehrte getAbstract International Book Award verliehen. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse prämiert getAbstract jeweils zwei deutsche und zwei englische Wirtschaftsbücher, die im vergangenen Jahr einen besonderen Beitrag zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten geleistet haben. Zum 19. Jubiläum ergänzt Chefredakteur Horst von Buttlar die diesjährige Jury der getAbstract-Redakteure. Capital präsentiert die exklusive Shortlist in einer wöchentlichen Serie.


Rule Makers, Rule Breakers. How Tight and Loose Cultures Wire Our World

Worum geht es?

Rule Makers, Rule Breakers: Das Cover.
Rule Makers, Rule Breakers: Das Cover.

Soziale Normen sind die unausgesprochenen Regeln einer Gesellschaft. Sie legen beispielsweise fest, auf welcher Seite vom Bürgersteig mensch geht. Hier setzt die US-amerikanische Psychologin Michele Gelfand an: In ihrem Buch „Rule Makers – Rule Breakers“ argumentiert sie, dass es zwei Arten von Gesellschaften gibt – solche, in denen die sozialen Normen rigide feststehen und solche, in denen sie flexibel sind.

Als Gesellschaften mit flexiblen sozialen Normen (loose cultures) bezeichnet Gelfand zum Beispiel die USA oder Brasilien. Hier wird unterschiedliches oder von der sozialen Norm abweichendes Verhalten sehr viel eher toleriert als in Gesellschaften mit strengen sozialen Normen. Dazu zählt Gelfand unter anderem Deutschland und Singapur. Wer sich dort von der sozialen Norm abweichend verhält, hat viel eher mit Konsequenzen zu rechnen.

Streng vs. flexibel

Nach dieser anthropologischen Einführung schlägt Gendalf den Bogen, den das Buch für Wirtschaftsinteressierte so spannend macht. Sie argumentiert, dass es auch bei Unternehmen ebenjene mit einer flexiblen Unternehmenskultur und solche mit einer strengen Unternehmenskultur gebe. Zudem können auch innerhalb eines Unternehmens in verschiedenen Abteilungen unterschiedliche Unternehmenskulturen herrschen – was die Zusammenarbeit sehr belasten kann. Auch wenn zwei Firmen mit unterschiedlichen Kulturen fusionieren wollen, könne das mitunter schwierig werden. Vor diesem Hintergrund zeigt Gendalf auf, wie Unternehmen einen Mittelweg zwischen strenger und lockerer Kultur finden können.

Für wen ist das relevant?

Aufbauend auf psychologischen und anthropologischen Studien analysiert Gendalf in ihrem Buch, wie soziale Normen in Gesellschaften funktionieren und wie sich diese Erkenntnisse auf Unternehmen übertragen lassen. Damit schafft Gendalf einen erfrischenden Zugang zu den Themen Organisation und  Verhalten in Unternehmen. Ein lesenswerter Blick über den Tellerrand.

Wer hat es geschrieben?

Michele Gelfand ist Professorin für Kulturpsychologie an der Universität von Maryland/USA. Sie ist bekannt für ihre Forschung zu sozialen und kulturellen Normen.

Hier finden Sie demnächst weitere Rezensionen unserer aktuellen Shortlist.


Möchten Sie live dabei sein, wenn die besten Wirtschaftsbücher des Jahres ausgezeichnet werden? Die Preisverleihung findet im öffentlichen Rahmen am 16. Oktober 2019 um 16 Uhr im Lesezelt auf der Agora der Frankfurter Buchmesse statt.